Gipfel

Die Möglichkeiten in der Khumbu-Region Berge zu besteigen, sind sehr vielfältig, so dass eine Auswahl notwendig wird. Diese Auswahl umfasst gegenwärtig fünf leichte Fünftausender sowie drei anspruchsvollere und deutlich höhere Gipfel.

Island vom Amphu

6189 m Fels und Eis, umgeben von riesigen Gletschern und einem gigantischen Amphitheater von Sieben- und Achttausendern. Die Sherpas nennen ihn Imja Tse, bekannter ist er unter dem Namen Island Peak. Diese Aufnahme stammt vom gegenüberliegenden Amphu Laptsa Middle und zeigt den oberen vergletscherten Teil des Berges. Hinter dem Island Peak ragt der 8353 m hohe Lhotse Shar auf.

Als erstes zu den Bergen, die ohne spezielle Ausrüstung, also ohne Pickel, Steigeisen oder Seile mehr oder weniger erwandert werden können. Man könnte sie auch als Trekkingpeaks bezeichnen. Allen ist gemeinsam, dass sie einfach zu besteigen sind und eine herrliche Aussicht bieten.

Diesbezüglich ist mein Favorit der Gokyo Ri. Er ist 5483 m hoch und steht am dritten See des Gokyo-Tales. Ich habe dieses Tal einfach nach der letzten Alm umbenannt, denn eigentlich heißt das Tal nach dem Gletscher, der dort entlang fließt, “Ngozumpa”. Vom Gokyo Ri kann man vier Achttausender sehen: Cho Oyu (8201 m, sechshöchster Berg der Welt), Mount Everest (8850 m, höchster Berg der Welt), Lhotse (8516 m, vierthöchster Berg der Welt) und der Makalu (8485 m, fünfthöchster Berg der Welt). Die Liste der Sechs- und Siebentausender, die vom Gipfel des Gokyo Ri ebenfalls sichtbar sind, ist entschieden zu lang, um sie hier aufzuführen.

Gruppenbild mit Achttausendern und zwar gleich vier. Hier stehen Teilnehmer meiner Tour 2010 vor Everest, Lhotse und Makalu. Der Cho Oyu, auf diesem Foto nicht zu sehen, ist aber der nächste und prominenteste der vier vom Gokyo Peak aus sichtbaren Weltberge.

Der Phangka Ri (5328 m) ist der schönste der vier Trekkingpeaks. Ganz dicht unter dem Gipfel muß der Bergsteiger auch mal kurz die Hände aus den Taschen nehmen. Der Blick von seinem Gipfel ähnelt dem vom Gokyo Ri, da er im gleichen Tal nur etwa einen Tagesmarsch weiter unten zu finden ist.

Noch recht unbekannt ist der Sunder Peak (5368 m). Doch das könnte sich bald ändern. Er ist von Thame aus zu erreichen. Allerdings sind von dort nicht weniger als 1500 Höhenmeter aufzusteigen, um die Aussicht zu geniessen. Als ich ihn 2010 wieder einmal bestiegen hatte, war ich überrascht, dass man immerhin bis zum Vorgipfel mit großem Aufwand einen Weg gebaut hat. Offensichtlich will man auch diesen Berg als häufig bestiegenen Aussichtsgipfel etablieren. Doch zwei Dinge stehen dem entgegen. Erstens der sehr lange und dementsprechend anstrengende Aufstieg und zweitens die Tatsache, dass der Vorgipfel eben nicht der richtige Gipfel ist.

Der Sunder Peak ist eine schöne Herausforderung für sportlich ambitionierte Gäste, die Ruhetage nicht mögen. So wie Christoph Descher 2010. Er sprintete in etwas mehr als zwei Stunden zum Gipfel und brachte mich dabei ganz schön ins Schwitzen.

Am bekanntesten ist der Kalar Pattar (5545 m), deshalb sind auch die meisten Leute zu ihm unterwegs. Er befindet sich am Ende des Khumbu-Tales unterhalb des grandiosen Pumo Ri (7145 m) und steht dem Everest am nächsten. Von seinem Gipfel aus hat man einen tollen Blick hinauf zum höchsten Punkt der Welt. Außerdem beeindruckt vor allem der fast 8000 m hohe Nuptse, welchem man direkt gegenüber steht. Die Alm Gorak Shep am Fuße des Kalar Pattar ist der Ausgangspunkt für den etwa drei bis vierstündigen Marsch in das Basislager des Mount Everest.

Es war schon fast Nacht auf dem Kalar Pattar und die Temperatur dabei, auf unter minus 20 Grad zu fallen. Alle meine Gäste waren ein wenig enttäuscht abgestiegen, weil sich der Everest nicht gezeigt hatte. Keiner hatte mir glauben wollen, dass noch eine Chance bestände, ihn zu sehen. Und tatsächlich! Für wenige Sekunden rissen die Wolken auf und in strahlendem überirdischen Licht belohnte er mich für eine Stunde Frieren.

Eine ganz besondere Aussicht verspricht der Chukhung Ri, der mit seinen 5546 m der höchste Trekkingpeak ist. Dieser Berg steht unmittelbar vor der Nuptse-Lhotse-Südwand. Wir schauen hier aus ganz geringer Entfernung auf die wohl gewaltigste Fels- und Eiswand der Erde. Sie ist dreieinhalb Kilometer hoch und 15 Kilometer breit. Nirgendwo sonst sind die gigantischen Dimensionen des Himalayas so überdeutlich vor einem wie hier. Vielleicht zum ersten Mal im Leben begreift man, was Größe wirklich bedeutet.

Gipfel Chukhung Ri 09

Meine Gäste 2009 bei der Rast auf dem 5546 m hohen Chukhung Ri. Im Hintergrund die Südwand des fast 8000 Meter hohen Nuptse.

Nun zu den beiden Bergen, die nicht mehr nur zu erlaufen sind. Der eine heißt Pokalde, ist 5806 m hoch und ein freistehender Felsgipfel mitten im Khumbu. Womöglich übertrifft die Aussicht, die man von seinem Gipfel aus hat, alle anderen. Aber es ist in der Tat schwierig, sich diesbezüglich zu entscheiden. Seine Besteigung erfolgt über den Nordgrat vom Kongma La aus (siehe Menüpunkt Pässe). Je nach Verhältnissen benötigt der Bergsteiger Pickel und Steigeisen oder nur eine Ausrüstung zum Klettern im Fels. Eine Sicherung am Seil ist an einigen Stellen im Gipfelbereich notwendig. Für die Besteigung sind je nach Bedingungen bis zu drei Tagen zu veranschlagen. Dass heißt, ein Biwak vor und nach dem Pass sind notwendig, den wir bei dieser Gelegenheit gleich überschreiten werden.

Das Basislager am Island Peak richte ich immer etwas abseits des eigentlichen Lagerplatzes ein. Denn dort kann es auch schon mal richtig voll werden.

Das anspruchsvollste Ziel ist der Sechstausender Imja Tse, den Eric Shipton Island Peak genannt hat. Er fühlte sich bei seinem Anblick an eine Insel, umgeben von einem Meer aus Eis erinnert. Dieser Berg ist 6189 m hoch. Seine Besteigung kann ich nur kerngesunden, sportlichen sowie sehr willensstarken Gästen empfehlen. Eine Besteigung erfordert auch einige Kenntnisse im Umgang mit Pickel und Steigeisen sowie mit Jümar und Seil, die jedoch bei der Vorbereitung unserer Reise mit mir gemeinsam erlernt werden können. An sich ist der Island Peak aber ein technisch wenig anspruchsvoller Gipfel.  Insgesamt veranschlagen wir etwa fünf Tage für die Besteigung, so dass mehr als ein Gipfelversuch möglich ist. Zur Erhöhung der Erfolgsaussichten können wir in 5600 Metern auch ein Hochlager einrichten.

Der Blick vom höchsten Punkt des Island Peaks nach Osten das Imja Tal hinunter. Etwas links der Bildmitte die Ostwand der Ama Dablam.

Unter dem Menüpunkt Erlebnisberichte ist eine Schilderung des Aufstiegs von Rolf Krug abrufbar, mit 61 Jahren der bisher zweitälteste erfolgreiche Teilnehmer einer Island Peak Besteigung. Den Rekord hält diesbezüglich Christine Kießlich, die 2010 im Alter von 63 Jahren souverän den Gipfelaufstieg meisterte. Leider hat der Island Peak im Gipfelbereich in den letzten Jahren sehr viel Eis eingebüßt. Dadurch haben sich die objektiven Gefahren an dem Berg erhöht. Vor allem Steinschlag ist ein Problem geworden, so dass ich seit 2013 mit dem 6169 m hohen Nirekha Peak eine Alternative zum Island Peak im Programm habe.

2013 stand ich das erste Mal mit einem gast auf dem 6169 m hohen Nirekha Peak. Hier seine Nordwestflanke und die charakteristische Eishaube. Das Foto habe ich beim Abstieg vom Renjo-Pass nach Gokyo aufgenommen.

Der Nirekha ist sowohl vom technischen Anspruch als auch von der Logistik einen Tick herausfordernder als der Island Peak. Doch auch am Nirekha werde ich die beiden Steilstufen, die zu überwinden sind, um auf das Gipfeleisplateau zu gelangen, mit Fixseilen versichern. Mehr Infos und Bilder zum Nirekha gibt es hier.

Stefan und Sven am höchsten Punkt des Nirekha mit großartigem Blick auf den gewaltigsten Berg der Erde.

Wie ich eingangs schon bemerkt habe, sind die Möglichkeiten im Khumbu außerordentlich vielfältig. Denn hier im Khumbu stehen noch andere Trekkinggipfel als die fünf oben beschriebenen und auch noch weitere Sechstausender sind denkbar, wie der Mera Peak oder der Lobuche Peak. Es gibt also viele Varianten, seine Reise individuell nach seinen Ambitionen und Fähigkeiten zusammen zu stellen. Der Abenteuerlust sind somit kaum Grenzen gesetzt, deshalb sprechen Sie mich an, denn eine Reise von der Stange gibt es bei mir nicht.