Erlebnisberichte

Reisebericht der etwas anderen Silberhochzeitsreise von Gerd und Simone als Teilnehmer der Himalaya-Trekkingtour mit Dr. Olaf Rieck im März 2008

Bereits vier Monate sind schon vergangen seit unserer Traumreise, vier ganze Monate schon wieder der ewig gleiche Trott von Autofahren, Arbeit, Schlafen, Autofahren, Arbeit, Rasenmähen . . . und abends dann ein Gläschen Wein. Kann man da nicht mal irgendwie die Notbremse ziehen und einmal ausbrechen? Man kann. Immer kann man seine Träume träumen und manchmal kann man sie auch leben. Man muss es nur tun!

In unserem Fall gab es schon viele Jahre diesen Traum: Einmal im Leben mit eigenen Augen den höchsten Berg unseres Planeten bestaunen, den Mount Everest!

In der DDR eingesperrt, nicht daran zu denken, nach der Wende dann Kinder, Arbeit, Haus, keine Zeit. Mit einem Reiseveranstalter eine Pauschalreise buchen, kam auch nicht so richtig in Frage. Auf eigene Faust ins Khumbu ? Auf keinen Fall. Und dann kam der Tag an dem wir uns, wie schon so oft in einem Diavortrag die Welt ansahen. Diesmal war es der Khumbu-Vortrag von Dr. Olaf Rieck irgendwann im Herbst 2005 und auf der Leinwand das Bild vom wirklich! schönsten Höhenwanderweg dieser Erde vor spektakulärer Bergkulisse mit Lhotse, Nuptse, Ama Dablam und Everest !

2006 feierten wir dann unsere Silberhochzeit und die Silberhochzeitsreise stand fest – mit Olaf zum Fuße des Mount Everest. Dazu kam, dass Olaf inzwischen schon den Virus von der Besteigung eines Fünftausenders bei Gerd hinterlassen hatte, so mit den Worten: “Na wieso solltet Ihr das denn nicht schaffen?“….Ich hatte da so meine Zweifel. Und nicht nur ich, Freunde und Verwandte drückten das in etwa so aus: „ Habt Ihr Euch das gut überlegt? Macht doch lieber mal einen RICHTIGEN Urlaub für das viele Geld und erholt Euch mal richtig! Seid Ihr nicht aus dem Alter raus und zu untrainiert? Ihr könnt doch nicht im Ernst mit sooo einem wie dem Dr. Olaf Rieck losziehen. Ist das jetzt nicht doch eine Nummer zu groß für Euch?

Ja, es ist vielleicht sogar mehrere Nummern zu groß für uns, und ja wir ziehen trotzdem los, basta.

Bis zum Tag des Abflugs vergingen dann noch mal fast zwei Jahre ( aus verschiedenen Gründen ). Wir kosteten die Vorfreude in der Zeit der Vorbereitungen in vollen Zügen aus, nur am Morgen des 03.März 2008, dem Abflugtag musste ich dann doch noch zu einer Faustan-Beruhigungstablette greifen.

Gern möchte ich nun einige Schilderungen und Eindrücke aus meinem Reisetagebuch zitieren:

Pünktlich in Kathmandu gelandet, wurden wir bereits erwartet von Olaf und unserem kleinen Bus der Agentur und herzlich begrüßt mit Blumenketten. Die darauf folgende Fahrt zum Hotel durch den Dreck, das Menschengewühl, Elend in den Straßen und furchtbar schlechte Luft . . . , man hat es zwar irgendwie erwartet, jedoch die Zustände sind für uns Europäer einfach unvorstellbar und somit auch kaum zu beschreiben. Es hat mir jedenfalls erst einmal die Sprache verschlagen, unfähig, auch nur ein Foto zu schießen. Von ursprünglich einmal ca. 500 000 ist die Einwohnerzahl in den letzten paar Jahren auf ca. 1,5 Millionen gestiegen, alles steht kurz vor dem Kollaps und jeder versucht den Kampf ums Überleben in dieser Stadt irgendwie zu gewinnen bei einer Arbeitslosenquote von 80 %. Dann unser „Nirvana-Garden-Hotel“, die andere Seite von Kathmandu, eine völlig andere Parallel-Welt – unsere Oase, Gott sei Dank.

Am nächsten Morgen klingelt 4:30 Uhr der Wecker und die Stirnlampe kommt gleich hier in der vermeintlichen Zivilisation zum ersten Mal zum Einsatz, denn Strom gibt es nicht. Später erfahren wir, dass die behördlich angeordneten Stromsperre-Zeiten unten an der Rezeption aushängen.

Dann fliegen wir (Glückskinder) gleich im ersten Anlauf sozusagen, d.h. ohne Wartetage wegen schlechtem Wetter, entlang der Himalayakette in unser heißersehntes Khumbugebiet nach Lukla mit der spektakulären (kurzen) Landebahn. Und ab hier geht`s dann nur noch zu Fuß weiter, die Trekkingtour beginnt.

Entlang des Milchflusses Dudh Khosi mit unzähligen Hängebrücken geht es durch das Tal mit vielen Sherpa-Dörfern über Phakding nach Monjo in die erste Loge. Inzwischen hat man schon wunderbare Eindrücke von den Menschen hier und der Landschaft gesammelt und unsere Mount Kailasch Lodge bereitete uns gewissermaßen auf die Dinge vor, die uns auf dieser Reise in den nächsten drei Wochen so erwarten: Eiskalte Schlafbuchten, Wasserhahn draußen an der Hauswand (was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Es war so ziemlich der letzte Wasserhahn überhaupt für die nächsten drei Wochen) und endlich dann der angeheizte Ofen in der Mitte der Lodge und einfaches aber wirklich schmackhaftes Essen. Bei guten Gesprächen, Kartenspielen oder einem guten Buch verbringen wir die Abende gemütlich am warmen Ofen und die Tagesanstrengungen sind vergessen. Viele schöne Abende dieser Art werden folgen.

Am nächsten Morgen dann ging es hoch nach Namche Basar, 600 Höhenmeter Aufstieg bis auf 3400m und das merkt man dann tatsächlich schon. Unser Permit wurde entrichtet und nichts konnte uns mehr abhalten vom Eintritt in den Sagamartha Nationalpark. Auf halbem Wege kam er dann, der erste Everest- Blick bei herrlich klarer Sicht. Ein ganz besonderer Augenblick dieser Reise, unser Traum, den höchsten Berg der Erde mit eigenen Augen sehen zu können, hatte sich nun schon erfüllt.

Von Namche Bazar aus folgten nun einige Aklimatisationstouren: zuerst nach Khumjung zum berühmten Yeti-Skalp (ohne Kommentar!) und am nächsten Tag dann nach Thame mit Übernachtung. Auf der Treppe zum Eingang des Klosters überschreiten wir zum ersten Mal die 4000 m Marke! Viel beeindruckender war allerdings die alte stumme Nonne, welche uns dort begrüßte und uns zum gemeinsamen Drehen der rings um die Gompa angebrachten Gebetsmühlen einlud, was wir dann auch gern taten. Ihr einziger Lebensinhalt besteht darin, Tag für Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang diese Gebetsmühlen zu drehen und anhand von kleinen Steinchen die absolvierten Runden zu zählen, dabei strahlt sie eine wunderbare Ruhe und Zufriedenheit aus.

Dann auf dem Rückweg nach Namche gibt es wiederum einen Zwischenstopp in Thamo im Nonnenkloster, und dieser sollte ein ganz besonderer werden: Eine Schar junger und alter Frauen mit kahlrasierten Köpfen und strahlend vor Lebensfreude nimmt uns freundlich in Empfang und nun wird es durchaus ernst. Eine Puja für das Gelingen unserer Tour, von Olaf bestellt am Tag zuvor, wird nun gemeinsam mit uns gefeiert. Normalerweise dauert so eine Puja gute drei Stunden, aber nach zwei Stunden auf dem eiskalten Boden der Gompa wurden wir schon erlöst, zum Glück. In diesen zwei Stunden hat man sich einfach hineinfallen lassen in die Gebete, Gesänge und die für unsere Ohren so ungewöhnliche Musik, war man gefangen und bezaubert vom Buddhismus und fühlte sich angekommen – in diesem wunderschönen Land, im Khumbu. Ein berührender und auch aufwühlender Moment – zwei Stunden in meinem Leben, die ganz sicher unvergessen bleiben. Zum Abschluss bekommt jeder von uns noch einen Gebetsschal um den Hals gebunden, und nun kann doch wirklich nichts mehr schief gehen auf der Tour! Und die soll nun richtig starten, sagt Olaf, Akklimatisation und Einlaufen sind vorbei.

Aber bevor wir uns am nächsten Tag auf den Traumpfad aller Höhenwanderer dieser Welt begeben, schafft es Hartmut noch, uns alle sprachlos zu sehen. Als Geburtstagsüberraschung für Ilona steht eine Torte mit Kerzen auf dem Frühstückstisch, und zwar eine Schwarzwälder Kirschtorte – gebacken vom wohl nahezu einzigen Bäcker in ganz Nepal, in der Bakery in Namche Basar: Black Forrest Cherry Cake!!!
Na jedenfalls, oben angekommen auf dem schönsten Höhenweg dieser Erde, ergriff er uns dann, der Traumblick auf Everest, Nuptse, Lhotse und Ama Dablam, da musste man sich schon mal in den Arm kneifen, ob das wirklich wahr ist und life und in Farbe und so! Einfach unbeschreiblich schön und Gänsehaut pur!
Nun ist man auch ein wenig stolz darauf, denn diesen Blick kann man sich entweder nur zu Fuß hart erarbeiten oder im Fernsehen sehen. Und das Schönste daran: fast auf der ganzen folgenden Tour gab es immer diese tollen Blicke, die Bergriesen als unsere ständigen Begleiter.

Unser nächstes größeres Ziel ist Gokyo, nun schon auf 4750 m Höhe. Allen aus der Gruppe geht es gut (mal abgesehen von leichten Kopfschmerzen und ein paar Schlafproblemen) und hier steht er nun, unser erster Fünftausender, der Gokyo Ri mit 5370 m. Eigentlich hatte ich im Leben nicht vor, da hochzugehen, aber Olaf hat so eine tolle Art, einen zu motivieren, dafür tausend Dank ! Und ein Danke auch an Ronny, der uns dann in´s Schlepptau nahm sozusagen. Ja und dann standen wir oben auf dem Gipfel und die Freudentränen liefen, ich kann es heute noch nicht richtig glauben, dass ich da oben war. Und dieser Moment, also genau dieser Blick auf die Achttausender, der Everest gegenüber und unten der riesige Gletscher, der Bergsee mit den Häusern von Gokyo davor, dazu noch mit Sonne und blauem Himmel, war mein allerschönster Augenblick auf dieser Tour und in diesem Urlaub.

In Chukhung wird dann die Gruppe der Island Peak –Besteiger von uns verabschiedet. Die nächsten Tage werden wir zu viert mit Guide weiterziehen bis zum Everest Base Camp. Aber vorher legen Gerd und ich einen „Wellness-Tag“ ein. Kaum sind die anderen weg, wird erst mal richtig gefaulenzt im Sun Room unserer schönen Lodge und die Hot Shower – Anlage hier ist die beste im ganzen Khumbu. Mehr wird nicht verraten. Natürlich gibt es hier auch einen kleinen Hausberg zu besteigen, den Chukhung Ri mit 5550 m, aber den haben wir an diesem Tag Ilona und Ronny überlassen.

Und was wir dann im kalten Khumbu-Tal erlebten, die Besteigung des Kalar Pattars, dem bekannten Aussichtsberg mit phantastischer Sicht auf Everest und BC, das Vordringen über den verschneiten Pass in´s Tal, immer entlang des riesigen und auch eisigen Gletschers, das könnt Ihr alles in der News vom 24.03.2008 unter Expeditionen Khumbu 2008 nachlesen. (mit Gipfelfoto!)

Nach knapp einer Woche gab es dann große Wiedersehensfreude mit dem Rest der Gruppe in der verabredeten Lodge in Dingboche. Jeder hatte seinen Berg bezwungen und bei Feierlaune wurde kurzerhand unser gemeinsamer Alkoholverzichtsbeschluss für die Zeit in den Bergen hier schon außer Kraft gesetzt und mit San Miguel – Dosenbier auf den Gipfel angestoßen.

Am nächsten Morgen ist Ostersonntag, minus 4°C im Schlafraum und minus 2°C im Frühstücksraum, aber das tut unserer guten Laune keinen Abbruch. Es gibt ein gekochtes Osterei zum Frühstück und dann sind wir froh, raus in die wie jeden Morgen herrlich scheinende Sonne zu kommen. Vor uns liegt unser heutiger Weg durch ein wunderschönes Tal, der Weg der Manisteine und sogar Bäume tauchen hier unten wieder auf und das Tagesziel ist das berühmte Kloster Tengboche. Vor ein paar Tagen hatten wir von der anderen Talseite aus schon einmal einen tollen Blick über den Fluss auf das Kloster, wie es sich in die Berge hineinschmiegt. Hier erleben wir noch einmal das Abendgebet der Mönche mit und am nächsten Morgen bietet sich ein tolles Licht zum Fotografieren. Frischer Schnee hat alles überzuckert und dunkle Wolken und Sonne sorgen für eine besondere Stimmung. Eine wunderschöne Kulisse noch einmal, zum Abschied aus diesen Höhen sozusagen, denn nun folgt der Abstieg nach Namche Basar zu unserem Ausgangspunkt der Tour.

Nun hoffen wir, ein bisschen Neugierde und Fernweh hervorgezaubert zuhaben mit diesem kleinen Bericht. Für uns steht ganz klar fest: die Reise unseres Lebens!

Namaste sagen Gerd und Simone Scholz


Und Olaf war tatsächlich am Flughafen … – Erlebnisbericht von Ilona Schwede, Teilnehmer der Abenteuer-Himalaya-Tour 2008

„Was machen wir, wenn Du in Kathmandu nicht am Flughafen bist?“ und „Was ist, wenn jemand beim Abseilen die Acht fallen lässt?“ Für solche Fragen „liebte“ mich Olaf schon vor Reisebeginn während der sehr schönen und erfahrungsreichen Vorbereitungstouren in den Alpen und der Sächsischen Schweiz.

Aber Olaf widerlegte meine Skepsis nicht nur durch sein Erscheinen am Flughafen, sondern v. a. mit einer professionell gestalteten Tour durch das wirklich eindrucksvolle Khumbu-Gebiet. Nach einer perfekten Akklimatisation konnte unsere Gruppe alle 4 Täler des Khumbu ohne Kopfschmerzen und Höhenkrankheit genießen. Mich beeindruckten neben der bescheidenen netten Lebensart der freundlichen Sherpa v. a. die irre hohen Bergspitzen, die oft so unerwartet nachmittags in Wolkenlöchern auftauchten. Faszinierend war auch das tiefe Dunkelblau des wolkenlosen Himmels am Vormittag, das die weißen Berggipfel noch besser erstrahlen ließ. Leider gelingt es keinem irdischen Fotoapparat, die wirkliche Weite der Täler und Gletscher einzufangen. So muss ich nun Monate nach der Reise versuchen, meine Erinnerungen an die überdimensionale grandiose Landschaft zu erhalten. Schöne Fotos und ein Tagebuch helfen ein bißchen dabei. Außerdem kann ich ja ab und an Olafs Fotos und Berichte auf seiner Internetseite ansehen.

Auch den Gipfelstürmern, zu denen mein Freund Hartmut gehörte, hat Olaf nicht zu viel versprochen: Durch gute Organisation und ausreichendes Training vorab haben unsere Helden es auf den höchsten Punkt des Island Peaks geschafft! Natürlich hatte auch ein günstig gestimmter Wettergott seinen Anteil am Gelingen der Besteigung. Aber möglicherweise hätte er ohne die Puja im Khari-Kloster in Thamo nicht so gute Laune gehabt.

Und selbst für uns andere, die es vorzogen zum Everest-Base-Camp zu gehen, hat Olaf den besten Sherpa als Guide ausgewählt, den es geben kann: Karma Rita Sherpa, den Zweitplatzierten des Everest-Marathons 2007, der auch schon vier Mal auf der Spitze des Mount Everest stand. Und so konnten wir in angenehmer Begleitung mit informativen Gesprächen nicht nur der bizarren Natur, sondern auch dem Volk der Sherpa näher kommen.

Hartmut und ich würden unter Olafs Leitung eine solchen Reise wieder tun und wahrscheinlich würden mir weniger zweifelnde Fragen einfallen. Aber selbst die, die ich doch noch stellen könnte, würde Olaf mit Fakten sicher entkräften.

Ilona Schwede. Gelesen und bekräftigt von Hartmut Büttner


Erlebnisbericht von Mathias Funke, Teilnehmer der Abenteuer-Himalaya-Tour 2001 und 2007

Dieser Bericht ist sehr umfangreich und bietet allen potentiellen Interessenten ein sehr genaues Bild von dem, was ihn erwartet. Sie können ihn hier als PDF-Datei (Erlebnisbericht Mathias Funke) herunterladen. Die Datei ist 572 KiloByte groß (inklusive Bebilderung) und kann mit dem Acrobat-Reader (frei im Internet erhältlich und für jeden Computer ein Muß) gelesen werden.


Erlebnisbericht von Detlef Weyrauch, Teilnehmer der Abenteuer-Himalaya-Tour März 2002 im Khumbu – Himal

Faszination Nepal: Himalaya-Trekking März 2002

“Begib dich einmal im Jahr an einen anderen Ort, an dem du noch nie gewesen bist.” Diesen Ausspruch des Dalai Lama im Hinterkopf, wollte ich mir in diesem Jahr einen lange gehegten Traum erfüllen und den höchsten Bergen unseres Planeten einen Besuch abstatten. Mein Freund Peter hatte schon seit längerem Kontakt zum Leipziger Bergsteiger Dr. Olaf Rieck aufgenommen, der jährlich ein bis zwei Trekkingtouren in die Khumbu-Region führt. Bereits ab Frühjahr 2001 trafen wir uns mehrmals, um uns mit unserer Urlaubsregion, den Anforderungen und der benötigten Ausrüstung vertraut zu machen. Die Vorbereitungen gipfelten in einem Kennenlern-Wochenende im November in der Sächsischen Schweiz mit Übernachtung in der Bofe, Wanderung mit Klettersteigbegehungen sowie Kletterübungen im Kirnitschtal.

Am 25.02.2002 war es dann endlich soweit. Auf die Reise über Berlin-Tegel und Amsterdam gen Kathmandu machten sich außer mir Gerlinde und Peter Jermann (beide DAV Sektion Halle), Hartmut Halang und Jana Odrich (beide DAV Sektion Leipzig) sowie Horst Odrich aus Lampersdorf/Sachsen. In Nepals Hauptstadt erwartete uns unser Chef Olaf (DAV Sektion Leipzig) am Flughafen. Als ständiger Gast in seinem Traumland, als Besteiger zweier Achttausender (Cho Oyu, Gasherbrum II) sowie als Miterstbesteiger des 6734 m hohen Cho Polu verfügte er über unschätzbare Erfahrungen, von denen wir profitieren konnten.

Mein erster Eindruck von Kathmandu war unbeschreibliches Chaos, das in ständiger Sorge vor dem
Überfahrenwerden gipfelte. Der abendliche Rundgang durch die mit unablässig hupenden Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Fahrrad-Rikschas, Fußgängern sowie streunenden Hunden vollgestopften Gassen endete auch nach mehreren Stunden mit der Einsicht, unser schönes Nirvana Garden Hotel aus eigener Kraft nicht wieder zu finden. Der um Hilfe gerufene Rikscha-Fahrer brachte Gerlinde und mich dann in fünf Minuten zur Herberge.

Am nächsten Morgen saßen wir bereits um 9.00 Uhr im Kleinflugzeug der Yeti-Airline in Richtung Himalaya. Mit an Bord war unser einheimischer Begleiter Rinji Sherpa, der mit Olaf schon 1999 als Koch die Cho Polu-Expedition erlebt hatte. Wir entstiegen der Smogglocke über Kathmandu und landeten bereits nach 40 Minuten in Lukla bei herrlichem Sonnenschein in einer Höhe von 2800 m. Nach einem ausgiebigen Frühstück sollte unser 24tägiger Trek beginnen. Den größten Teil unseres Gepäcks übernahmen Träger, von deren unglaublichem Leistungsvermögen ich tief beeindruckt bin. Im Tal des Dudh Kosi trafen wir noch schöne grüne Vegetation an. Nach der ersten Übernachtung in Monjo erreichten wir am nächsten Morgen die Grenze des Sagarmatha-Nationalparks, für deren Überschreitung kräftig zu löhnen ist. Nach dem Passieren der letzten, schwankenden Hängebrücke geht es 600 m steil bergauf. Wir erreichten den Hauptort des Sherpa-Landes, Namche Basar, der sich hufeisenförmig an die Berghänge in einer Höhe von ca. 3450 m schmiegt. Für einige Tage bezogen wir Quartier in einer recht komfortablen Lodge. Ich war angenehm überrascht, dass ich in dieser abgeschiedenen Bergregion in einem Cyber-Cafe eine E-Mail gen Heimat versenden konnte. Die Höhe machte sich anfangs bei mir doch in Form von Kopfschmerzen etwas bemerkbar. Diese sollten jedoch aufgrund des von Olaf verordneten guten Akklimatisationsprogrammes recht bald verschwinden.

Die folgenden Tage waren ausgefüllt mit Ausflügen nach Khumjung mit Besichtigung des Klosters inklusive des berühmten Yeti-Skalpes (böse Zungen behaupten, es wäre ein Ziegenfell), zum Hillary-Hospital in Khunde sowie dem Schlendern über den jeden Samstag stattfindenden Basar im gleichnamigen Namche. Am Berg-Kloster in Thame erreichten wir erstmals die 4000 m-Grenze, staunten über die farbenprächtige Ausstattung des Gebetsraumes und genossen den Blick auf den wolkenumkränzten Tramserku (6608 m). Mittlerweile hatten wir einen ständigen Begleiter, den Hund Rani. Er machte es sich auf der freien Liege in der Cho-Oyu-Lodge gemütlich. Als wir am Morgen aufwachten, war die ganze Landschaft in frisches Weiß gehüllt. Der Rückweg nach Namche Basar hielt noch eine Überraschung bereit. Spontan besichtigten wir eine Schule, die aus drei kleinen Steinhäusern für die Klassen 0-1, 2-3 bzw. 4-5 besteht. Als wir mit Genehmigung des einzigen Lehrers die Räume betraten, standen die Schüler auf, zeigten uns ihre Schulhefte und posierten für Fotos. Als Dank von uns gab es Kreide, Bleistifte und Bonbons.

Wir verließen das Handelszentrum des Khumbu und erreichten nach zwei Tagen mit Zwischen-station in Mong La, über ausgesetzte, schlammige, schneebedeckte Bergpfade das Dörfchen Machermo in 4410 m Höhe. Den folgenden “Ruhetag” wollten wir nutzen, um uns am ersten 5000er, dem Pangka Ri, zu versuchen. Eine Woche nach Beginn der Reise fiel das Atmen in der dünnen Höhenluft noch verdammt schwer. Auf einem Hochplateau bei 5250 m brachen wir ca. 80 m unterhalb des Gipfels den ersten Versuch ab. Die vereiste Gipfelpyramide war zu gefährlich. Entschädigt wurden wir mit einem traumhaften Panorama, in welches sich Mount Everest (8848 m), Lhotse (8501 m), Gyachung Kang (7922 m), Nuptse (7879 m), Pumo Ri (7145 m) und viele andere Riesen einreihten.

Am kommenden Tag passierten wir drei Seen. Auf dem ersten und einzigen eisfreien schwammen Mandarinenenten, die unser Hund zu fangen versuchte. Wir erreichten in 4750 m das verschneite Gokyo. Der Talschluss wird vom gewaltigen Massiv des Cho Oyu, mit 8201 m sechsthöchster Berg der Erde, beherrscht. Bei grimmiger Morgenkälte (außen -20 °C, im Schlafraum -10°C), aber auch bei Sonne pur stiegen wir auf den 5330 m hohen Gokyo Ri. Diesmal erreichten alle einschließlich Hund den Gipfel. Wer am ersten Tag nicht gut drauf war, schaffte es am nächsten. Wir genossen den fantastischen Blick auf die Bergwelt und den Ngozumpa-Gletscher, mit 22 km der längste im Khumbu.

Wir verließen die winterliche Einsamkeit und erreichten nach anstrengendem, neunstündigem Tagesmarsch im Dorf Phortse wieder etwas Zivilisation. Ich genoss die gebratenen Nudeln mit Gemüse und Käse am warmen Ofen. Es ging wieder nach oben. Hoch über dem Imja-Tal thront die Ama Dablam (6856 m, “Mutter Schatzkästchen”), einer der schönsten Berge im Sherpa-Land. Kurz vor Dingpoche trafen wir wieder mit Olaf zusammen, der sich in Namche um unser großes Gepäck und den Yaktransport gekümmert hatte. Am Abend trudelte auch Nima Kanza mit seinen vier Yaks ein.

Nun trennten sich unsere Wege. Gerlinde, Peter und Rinji Sherpa machten den klassischen Everest-Trek zu dessen Base Camp und zum Kala Pattar. Wir anderen wollten zum Island Peak. Nachdem die Yaks beladen waren, führte uns der Weg über Chukhung bis zur 5100 m hoch gelegenen Möräne des Lhotse-Shar-Gletschers, wo wir das Basislager errichteten. Nach einem Tag mit Akklimatisations-Wanderung, viel Kochen und Trinken brachen wir zu viert mit schwerem Rucksack in Richtung Berg auf. Hartmut blieb als Wache im Basecamp zurück. Wir erreichten bei Sturm den Hochlagerplatz in ca. 5550 m Höhe. Oberhalb dieses Ortes stand ein Zelt mit einem schwerverletzten Mann aus Hamburg, der am Vortag abgestürzt war. Zwei Sherpas waren bei ihm. Olaf ( Dr. der Veterinärmedizin) und Jana (Medizinstudentin) halfen, so gut es ging. Olaf, Horst und ich stiegen noch etwas auf. Im Angesicht des Verletzten und eines kürzlich tödlich Verunglückten an diesem Berg entschlossen wir uns, auf den Gipfelversuch des 6189 m hohen Island Peak zu verzichten. Insbesondere Olaf und Jana, aber auch wir anderen, beteiligten uns nach einer schlimmen Nacht im Hochlager an der Rettungsaktion der Sherpas am nächsten Tage. Nachdem der verletzte Heinrich mit Hilfe einer Leiter auf eine 600 m tiefer gelegene Hochebene transportiert worden war, begann das bange Warten auf den Hubschrauber, der glücklicherweise 1 ½ Stunden später kam und den Patienten nach Kathmandu brachte.

Am sechsten Tag Camping in über 5000 m Höhe verließen wir die grandiose, einsame Wildnis und begaben uns mit Nimas Yaks wieder in bewohnte Gefilde nach Chukhung. Wir trafen hier wieder mit Gerlinde, Peter und Rinji Sherpa zusammen, die sich, nachdem sie vom Unglück am Island Peak erfuhren, große Sorgen gemacht hatten. Am kommenden frühen Morgen, nachdem wir uns aus den warmen Schlafsäcken gequält hatten, sahen wir bei moderaten Temperaturen von -5 °C die von den ersten Sonnenstrahlen erleuchteten Bergspitzen. Die letzte große Bergtour führte uns zum 5550 m hohen Chukhung Ri. Um 9.30 Uhr stand ich allein auf dem Gipfel. Was für ein überwältigendes Panorama. Unmittelbar vor mir leuchtete die Südflanke des Nuptse in der Sonne, im Osten grüßte die gewaltige Felspyramide des Makalu (8475 m). Alle Mitglieder unserer Gruppe erreichten den Berggipfel.

Am folgenden Tag führte uns der Weg über Dingpoche zum berühmtesten Khumbu-Kloster Tengpoche. Hier in einer Höhe von 3870 m leben zahlreiche Mönche und junge Klosterschüler. Wir hatten am nächsten Morgen die Gelegenheit, an einer reichlich einstündigen buddhistischen Gebetszeremonie teilzunehmen, was sehr beeindruckend war. Nach vielen steilen Ab- und Aufstiegen erreichten wir wieder Namche Basar. Hier waren mittlerweile schon etwas Frühling und bedeutend mehr Touristen eingezogen. In unserer Lodge hatten für einige Tage 17 Mönche Quartier bezogen, die unablässig für den Lodge-Besitzer Natang und seine Familie tibetische Gebete und von Musik begleitete Gesänge zelebrierten. Der pure Luxus für mich nach 2 ½ Wochen ohne nennenswerte Wäsche waren die Hot Shower (nepalesische Bergdusche) sowie eine große Schokostreuselschnecke mit Kaffee beim Bäcker Hermann Helmers.

Nach einem relativ geruhsamen letzten Tag in Namche und Umgebung nahmen wir die letzten 22 Trekkingkilometer nach Lukla in Angriff. Nachdem uns hunderte von Trägern und viele Yak-Karawanen begegneten, die ihre Lasten zum Markt nach Namche schleppten, erreichten wir kurz vor Beginn eines mächtigen Regengusses den Flugplatz-Ort. Wir hatten wieder Glück, denn am Morgen schien die Sonne, so dass uns die zweite Maschine zurück in die nepalesische Hauptstadt brachte. Somit hatten wir noch vier Tage Zeit, um uns Kathmandu und die alte Königsstadt Bhaktapur anzusehen. Es hat sich gelohnt. Durbar Square mit vielen Tempel- und Palastanlagen, der heilige, von Unmengen Affen bevölkerte Swayambhunath-Hügel, der hinduistische Pilgertempel Pashupatinath, an dessen Fuß im Freien öffentliche Leichenverbrennungen zu beobachten waren, die riesige Stupa von Bodnath, die vielen Geschäfte, Händler, Gaststätten usw. haben uns fasziniert. Jana und Olaf besuchten im Krankenhaus den verunglückten Heinrich, der mittlerweile über den Berg war. Am letzten Tag erwartete uns noch eine Überraschung. Die Trekkingagentur, der sich Heinrich anvertraut hatte, lud uns und dessen Frau in ein wunderschönes Gartenrestaurant zum 8-gängigen asiatischen Essen ein.

Nach 4 1/2 Wochen und unvergesslichen Erlebnissen landeten wir wieder in Deutschland.

P.S.: An einem Juli-Wochenende waren Jana, Horst, Olaf und ich zu Gast bei Heinrich und dessen Frau in Hamburg. Es war bewegend und schön, zu erleben, dass seine Gesundheit nach schwerem Hirnödem und Schädelverletzungen weitgehend wiederhergestellt ist. Die Gefährlichkeit des Bergsportes sollte man nie ignorieren.


Erlebnisbericht von Jana Odrich, Teilnehmer der Abenteuer-Himalaya-Tour 2002 im Khumbu – Himal

5 Wochen in Nepal

Die gigantischsten Berge und großartigsten Erlebnisse – ein Urlaub der Superlative

Teil I: Trekkingtour und Gipfelsturm

Namaste! Das ist der Gruß der Nepali, mit dem Horst und Jana Odrich in einer Gruppe von insgesamt 7 Bergsteigern unter Leitung des Leipziger Höhenbergsteigers Dr. Olaf Rieck Ende Februar in Katmandu begrüßt wurden. Vor ihnen lagen knapp 5 Wochen voller Erlebnisse.
Nach nur einer Nacht in der für deutsche Verhältnisse recht chaotischen Stadt ging es bereits mit einem kleinen Flugzeug hinein in das Khumbu-Gebiet, das für die nächsten Tage das Zuhause der beiden Lampersdorfer werden sollte.

Der Flieger landete am frühen Morgen in Lukla auf 2842 m Höhe. Bereits der dortige Flughafen ist ein Sensation für sich. Die Landebahn ist nur ca. 300 m lang und endet mit einer senkrechten Wand. Damit die Flugzeuge überhaupt zum Stehen kommen können, nutzen sie die enorme Steigung von 60 m aus. Und eben diese 60 m Höhendifferenz benötigen die Piloten auch wieder beim Abflug, denn am unteren Ende der Bahn gähnt ein tiefer Abgrund.
Der erste Blick auf die schneebedeckten Gipfel war überwältigend. Hoch über der eben angekommenen Gruppe ragten fünf- bis siebentausend Meter hohe Berge auf.

Die Tagesetappen waren so gewählt, dass möglichst nicht mehr als 400 m Höhe dazu gewonnen wurden. So blieb den Bergsportfreunden genug Zeit, sich in aller Ruhe zu akklimatisieren, schließlich sollte keiner Probleme mit der Höhenkrankheit bekommen.

Das erste größere Ziel war Namche (3440m), der zentrale Drehpunkt im Khumbu. In Namche wird einmal in der Woche ein großer Markt abgehalten und jeder muss dort die Dinge des täglichen Bedarfs kaufen, die er braucht. Auf diesem Markt gibt es nichts, was es nicht gibt. So kann man neben Gewürzen, Eiern und anderen Lebensmitteln auch CDs und Computerartikel erwerben. Es ist kaum vorstellbar, dass es dort keinerlei Straßen gibt. Alles muss tagelang auf dem Rücken von Trägern in diese entlegene Gegend geschleppt werden. Während des Treks nach Namche sahen Horst und Jana die ersten Menschen, die unter unmenschlichen Lasten pfeifend und singend in Badeschlappen die schmalen, steilen, steinigen und z. T. verschneiten Wege entlang liefen. Der Versuch Janas, eine solche Last einmal zu heben und ein paar Meter zu tragen, scheiterte kläglich unter großem Gelächter der nepalesischen Träger. So arm die Menschen in dieser Gegend auch sind, sie lachen immer, nie bleibt ein Gruß unerwidert und ein Lächeln öffnet den Weg zu jedem Herzen. Bei Sonnenaufgang beginnen sie ihr Tagewerk und emsig wie die Bienen arbeiten sie bis zur Dunkelheit. Der Fleiß und die Bescheidenheit dieses Volkes ist beeindruckend.

Nach etlichen Tagen Fußmarsch auf schmalen, steil abfallenden, verschneiten und vereisten Trampelpfaden, die sie sich mit schwer beladenen Yaks und den allgegenwärtigen Trägern teilte, erreichte die Gruppe Gokjo (4750m). Dieses Dorf besteht nur aus 6 oder 7 Häusern, von denen die meisten Lodges (ähnlich Pensionen) sind und nur auf die Touristen und die großen Expeditionen warten. Vor Vater und Tochter lag nun der Gokjo Ri, ein 5357 m hoher Gipfel, der am nächsten Tag in Angriff genommen werden sollte.

Der Morgen begann mit Zähne putzen bei -20°C (da friert tatsächlich die Zahncreme auf der Bürste in wenigen Sekunden fest). Dafür entschädigte allerdings der Anblick des Cho Oyus. Auf diesem 8000er lag die erste Morgensonne und färbte die gesamte Schnee- und Eiswand in ein atemberaubendes gelbrotes Lichterspiel. Nach wenigen Augenblicken war der Zauber vorbei und die Gipfelstürmer starteten ihren Aufstieg.

Sie überquerten einen kleinen Fluss, und schon ging es stetig bergauf. Zunächst über Geröll, Gras und matschige Trittspuren, später im Schnee. In dieser Höhe wird jeder Schritt zur Qual und egal, wie langsam man geht, die Luft ist knapp. Nach mehreren Stunden erreichten die Beiden einen großen Steinmann voller Gebetsfahnen, der den Gipfel des 5357m hohen Gokjo Ri markiert. Wortlos fielen sie sich in die Arme. Die Sonne wärmte Horst und Jana und so blieben sie eine Weile auf dem ersten gemeinsam bezwungenen 5000er. Bei bestem Wetter hat man von dort oben einen wundervollen Blick. Im Norden erhebt sich majestätisch der Cho Oyu, gen Osten thront der Mount Everst, neben ihm der Lhotse und im Hintergrund ragt die Spitze des Makalu in den Himmel. Wo kann man schon vier 8000er eingebettet in eine Vielzahl wunderschöner fünf- bis siebentausend Meter hoher Gipfel auf einmal sehen?

Beim Abstieg blieb ein wenig Wehmut zurück, denn die Gewaltigkeit dieser Bergkulisse ist zu beeindruckend, als dass man einfach so wieder hinunter gehen könnte.

Viele Tage später bezwangen die Lampersdorfer noch einen weiteren 5000er. Der Chukhung Ri steht direkt vor der Lhotse-Südwand. Nach einem beschwerlichen und anstrengenden Aufstieg erreichen Vater und Tochter den Gipfel des 5550 m hohen Berges. Selbst in dieser Höhe angekommen, überragt einen die mächtige Wand des Lhotse aus Fels, Schnee und Eis noch um ca. dreitausend Meter. Es ist unglaublich: man schaut zum Berg hinüber und blickt drei Kilometer senkrecht in die Höhe, um den Gipfel zu erblicken. Die Dimensionen des Himalaya kann man nicht in Worte fassen, man muss sie gesehen haben, um sie zu begreifen. Und selbst dann, übersteigen sie noch die Vorstellungskraft.

Teil II: Heinrich oder Warum der Island Peak nicht bestiegen wurde

Der bergsteigerische Höhepunkt der Tour sollte die Besteigung des 6165 m hohen Island Peaks werden. Darauf hatten sich einige Bergsteiger der Gruppe seit Monaten vorbereitet und lange trainiert.

In Chukhung wurde die Expeditionsausrüstung auf Yaks geladen und eine 4-köpfige Gruppe zog unter Leitung Dr. Olaf Riecks zum Basislager des Island Peaks. Am Nachmittag erreichten die Bergsteiger eine Moräne in etwa 5150 m Höhe. Dort hieß es nun Zelte aufbauen, Schlafsäcke auspacken, Kocher in Gang setzten und kochen. Doch so einfach ist das nicht. Zuerst muss einmal Eis geholt werden, um überhaupt etwas zum Kochen zu haben, denn Wasser findet man in dieser Region nicht mehr. Mit Rucksack und Eispickel bewaffnet ging es nun etliche Meter abwärts und dann hoch zu einem Eisfeld, wo mühsam das Eis heraus geschlagen wurde um dann später im Topf zu landen und eine Suppe zu werden. In solchen Höhen muss man mindestens 4, besser 5 Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Die Luft ist dort so trocken, dass man über die Atmung mehrere Liter Wasser abgibt und bei entsprechender Anstrengung kommt der Verlust durch Schweiß noch hinzu. Darum brennt den ganzen Tag der Kocher und Tee, Kaffee, Brühe und Trekkingmahlzeiten zuzubereiten wird in einem Basislager zur Tagesaufgabe.

Den nächsten Tag verbrachte die kleine Expedition damit, die Ausrüstung zu sortieren und neue Kraft zu schöpfen. Ein Sandsturm machte das Verlassen der Zelte sehr unangenehm und irgendwie knirschten nicht nur die Sandkörner zwischen den Zähnen, selbst in den Schlafsäcken, in den Socken und sogar auf dem Toilettenpapier war das ewige Kratzen zu spüren.

Der Tag des Aufstiegs zu Hochlager war gekommen. So wie die anderen beiden auch, schleppten Horst und Jana einen Rucksack mit ca. 18 kg den Berg hinauf. Das Hochlager liegt auf knapp 5700m und sollte der Ausgangspunkt für den Gipfelangriff werden, der für die kommende Nacht geplant war. Noch bevor die 4 Bergsteiger am Nachmittag ihre Zelte aufbauen konnten, lief aufgeregt ein Sherpa herbei und erklärte in Englisch, dass weiter oben ein abgestürzter Kamerad liege, er lebe, aber es ginge ihm sehr schlecht. Olaf lief sofort los und rief Jana zu sich. Sie war als Medizinstudentin der einzige “Arzt” vor Ort und musste die Lage beurteilen. Heinrich, so lautete sein Name, lag bereits seit 24 Stunden in einem Zelt, er war bewusstlos, sah übel zugerichtet aus und seine Sherpas konnten ihm nicht helfen, sie hätten ihn sterben lassen müssen. Nach der Untersuchung stand fest: der abgestürzte Bergsteiger hatte eine Chance, allerdings nur, wenn er sofort abtransportiert werden kann. Die Sherpas trommelten alle verfügbaren Leute zusammen und versuchten nun, ihn hinunter zu tragen. Im Hochlager kann kein Hubschrauber landen, das Gelände ist zu steil und zu steinig, erst in der Nähe des Basislagers besteht die Möglichkeit, einen Verletzten aufzunehmen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit mühten sie sich erfolglos ab. Gerade mal 60 oder 70 m hatten sie geschafft. Ohne eine Trage war es nicht möglich, einen Menschen in diesem anspruchsvollen Gelände abzutransportieren. Direkt neben den Zelten der 4 Sachsen wurde Heinrichs Zelt neu aufgebaut und er musste eine weitere Nacht am Berg verbringen. Inzwischen hatte die 4-köpfige Gruppe längst beschlossen, die Bergung zu unterstützen und nicht zum Gipfel zu gehen. Keiner hätte in dieser Nacht an dem vermutlich sterbenden Kameraden vorbei aufsteigen können. Nur ein Thüringer Team schien davon unbeeindruckt und stieg auf, allerdings ohne den Gipfel zu erreichen. Die ganze Nacht kümmerten sich Olaf und Jana mit dem Sherpa um den verunglückten Kameraden. Er überlebte die zweite Nacht. Während dessen stieg ein anderer Sherpa ab, um die nächste verfügbare Leiter zu holen. Die war nach 6 Stunden Fußmarsch in Pheriche zu finden. Sobald die Sonne aufging, lief Olaf ins 3 Stunden entfernte Chukhung zum Telefon, um über die Botschaft einen Rettungshubschrauber zu ordern. Das ist in Nepal nicht so einfach, wenn niemand schriftlich versichert, dass er die Kosten für den Flug trägt, dann fliegen die Piloten nicht los. Die Botschaft übernimmt in solchen Fällen die Kosten vorübergehend.

Unterwegs begegnete ihm der Sherpa mit der Leiter. Er war die ganze Nacht gelaufen. Heinrich wurde sorgfältig in Schlafsäcke gepackt und mit Isomatten gepolstert. Dann band man ihn auf der Leiter fest. Horst und der andere Gipfelaspirant bauten das Hochlager der Gruppe ab, während sich Jana um den verletzten Deutschen kümmerte. Sechs Sherpas der anderen Expeditionen kamen zum Tragen. So konnte der lange und beschwerliche Marsch hinunter zum Landeplatz beginnen. In dem steilen Gelände mühten sie sich und nur langsam kam der Trupp voran. Nach einigen Stunden traf Olaf wieder zu der absteigenden Gruppe und per Funk wurden auch Horst und der 4. Sachse zu Hilfe gerufen. 6 Stunden später, genau 48 Stunden nach seinem Unfall, kam Heinrich am Hubschrauberlandeplatz an. Er wurde wieder in sein Zelt gelegt und das Warten auf das Dröhnen der Rotorblätter begann. Nachmittags wird der Wind immer stärker und die Hubschrauber können nicht mehr landen. Die größte Sorge war, dass darum der Helicopter überhaupt nicht mehr kommen würde. Noch eine Nacht war für den Verletzten fast unmöglich zu überleben. Doch die Anstrengungen wurden belohnt, der Hubschrauber kam und Heinrich wurde nach Katmandu in ein Krankenhaus geflogen. Der Moment, als er abhob und losflog, ging allen sehr nahe.

Einem Menschen das Leben zu retten, ist viel wichtiger und bewegender, als auf einem Gipfel zu stehen. Und darum haben alle aus der Gruppe gern auf den Aufstieg verzichtet. Inzwischen geht es Heinrich wieder relativ gut, er ist seit wenigen Wochen wieder in Deutschland und tritt gerade seine Rehakur an. Er wird voraussichtlich wieder vollständig genesen.

Teil III: Katmandu – Stadt im Chaos

Den Abschluss der Tour bildeten ein paar wenige Tage in Nepals Hauptstadt Katmandu. Und so verabschiedete sich die 7-köpfige Gruppe vom Khumbu und flog wieder von der spektakulären Start- und Landebahn in Lukla ab, zurück in die Zivilisation.

Auf dem Flughafen in Katmandu angekommen, schlug den Trekkern die Hitze ins Gesicht. Bisher Temperaturen von bis zu -20°C gewöhnt, waren hier 25°C und mehr zu verkraften. Der Frühsommer hatte von der Stadt Besitz ergriffen.

Emsig drängelten sich sofort Träger um das Gepäck, jeder war bestrebt einen Seesack oder irgend ein anderes Teil zu erwischen, um es ein paar Meter tragen zu können. Dafür erbetteln die Träger ein paar Rupien und versuchen auf diese Art sich und ihre Familie zu ernähren.

Im Hotel angekommen gab es nichts Genussvolleres als eine Dusche nach 4 Wochen. Den Rest des Tages wurde begonnen, die Stadt zu erkunden. Katmandu ist ein furchtbar dreckige Stadt. Jeder lässt seinen Müll eben dort fallen, wo er gerade ist. Irgendwann wird er dann angezündet und auf offener Straße verbrannt. Über dem gesamten Tal liegt den ganzen Tag eine gewaltige Dunstglocke. Dazu kommt der geradezu irre Verkehr. Obwohl Linksverkehr herrscht, fährt jeder gerade so, wie er am besten voran kommt. Busse, Autos, Motorräder, Rikschas, Fahrräder und Fußgänger, alles tobt bunt durcheinander und jeder Meter Straße wird akribisch ausgenutzt. Die Hupe ist das wichtigste Teil am Fahrzeug und so lärmt und wirbelt es in den Straßen wild durcheinander.

Trotzdem hat die Stadt ihr eigenes Flair, dessen man sich nicht entziehen kann. Das erste touristische Ziel war Swayambhunath, der Affentempel. Seinen Namen besitzt der oberhalb der Stadt gelegene Tempel zu recht. Überall wimmelt es von kleinen Äffchen. Jeden Tag werden am Tempel zu Ehren Buddhas viele Opfer in Form von Nahrungsmitteln dar gebracht. Davon ernähren sich die Affen. Und es geht ihnen gut dabei. Sie turnen munter durch die Touristen hindurch und ergreifen sich den einen oder anderen Leckerbissen ganz frech, selbst wenn er noch in einer Handtasche verborgen ist. Von diesem Platz aus hat man einen guten Blick über das gesamte Katmandu. Die beiden Lampersdorfer genossen den Sonnenuntergang hoch oben über dem Trubel der Stadt.

Der nächste Tag führte Horst und Jana nach Pashuphatinath. Das ist der heiligste Ort für die hinduistischen Pilger, die oft einen langen, beschwerlichen Weg auf sich nehmen, um einmal an dieser Stelle im heiligen Baghmati-Fluss eine rituelle Waschung ausüben und den Tempel besuchen zu können. Pashuphatinath ist aber auch der Ort, wo die Leichen der Stadt verbrannt werden. Auf Podesten direkt am Fluss wird dazu ein Bett aus Holzscheiten aufgeschichtet. Darauf legt man den Leichnam, gibt ihm noch einige Opfergaben mit und dann entzündet der älteste Sohn den Stoss mit Hilfe von Butter oder speziellen Ölen. Bis der Holzstapel komplett verbrannt ist, dauert es etwa 4 Stunden. In dieser Zeit sitzt die Trauergemeinde an einem schattigen Plätzchen und wartet. Danach werden die Reste einfach in den Baghmati gespült. Als Ende der Trauerzeremonie gehen alle gemeinsam in den Fluss, waschen sich mit dem heiligen Wasser und spülen sich den Mund aus. Ein für die hygienischen Vorstellungen eines Europäers unvorstellbares Ritual.

Katmandu ist nur eine von ehemals 3 Königsstädten. Eine weitere ist das alte Bhaktapur. Es liegt ein wenig Abseits des bunten Treibens und hat ein ganz eigenes Leben. Während in Nepals Hauptstadt viele neue Häuser zu sehen sind und die Straßen vom Verkehr verstopft sind, kann man in Bhaktapur durch enge Gassen schlendern und liebevoll restaurierte, über 400 Jahre alte Wohnhäuser und mehrstöckige Tempel sehen. Besonders beeindruckend sind die geschnitzten detailreichen Verzierungen, die überall an Fenstern und Türen prangen. Ebenso wie in Katmandu gibt es hier Straßenhändler, die einem nicht von der Seite weichen, aber insgesamt ist es viel ruhiger und beschaulicher. Das Handwerk dominiert die Stadt, man kann an jeder Ecke einem Töpfer, Schnitzer oder Schneider über die Schulter blicken. Auch hier ist die Freundlichkeit der Nepali wieder zu spüren. Ob jung oder alt, immerzu sieht man die Menschen lachen und scherzen, nie ein verdrießliches Gesicht.

Bevor die Sachsen ihren Heimweg antraten, besuchten sie noch die größte Stupa der Welt. Bodnath ist ein heiliger Ort und man findet neben zahlreichen Touristen pilgernde Buddhisten, die links herum die Stupa umrunden und dabei Gebetsmühlen drehen. Jede Umdrehung ist ein Gebet an Buddha und bringt die Gläubigen der Erleuchtung näher. Durch Zufall besuchte am gleichen Tag ein wiedergeborener Lama den heiligen Ort. Die Gläubigen drängten sich, um ihn einmal zu sehen oder zu berühren. Diese reinkarnierten Menschen sind etwas ganz besonderes. Ihnen wird eine faszinierende Ausstrahlung, große Weisheit und Güte nachgesagt. Selbst Horst, Jana und ebenso der Rest der Gruppe konnten sich dem Charme des Lamas nicht ganz entziehen. Er ist wirklich ein außergewöhnlicher Mensch.
Doch nun war der Termin des Rückflugs gekommen, es hieß also Ende März Abschied nehmen. Es waren grandiose Tage in Nepal gewesen, die Erlebnisse haben die Bergsportler geprägt und die Erinnerung an die herzlichen Menschen, die riesigen Berge, die prachtvollen Klöster, die Abende am Ofen in den Lodges, an die kalten Nächte im Zelt, an schwere Rucksäcke auf schier endlos langen Tagesetappen, an gemeinsam Gipfelaufstiege, an gemütliche Yaks, an Geschichten über den Yeti und an wunderschöne gemeinsame Unternehmungen werden nie vergehen.


Erlebnisbericht von Stephan Seifert Teilnehmer der Abenteuer-Himalaya-Tour 2000 im Khumbu – Himal vom 27. Februar bis 31. März 2000

Om mani padme hum …

… ich weiß nicht, ob jemals dieser Gebetstext, mehr aber die eintönig, sich unablässig wiederholenden Gebete der Buddhisten Nepals aus meinem Kopf verschwinden werden.

Als Dr. Olaf Rieck im März 1999 am Ende eines Vortrages im Rahmen des Programmes des DAV unserer Sportfreundin Brigitte offerierte, eine von ihm geführte Tour in den Himalaya ziemlich problemlos ermöglichen zu können, war damit eine kleine Lawine losgetreten worden, die letztlich dazu geführt hat, daß für mich ein Traum, nämlich der vom Himalaya, wahr wurde.

Im September stand ein ganz grober Plan und Ende November stand die Mannschaft, nachdem die Kämpfe mit den Arbeitgebern überstanden waren. Immerhin sollte die Tour fünf Wochen dauern. Zwischen Dezember und Februar hat Olaf dann bei mehreren gemeinsamen Treffen das Khumbu-Gebiet vorgestellt, seine Tour-Pläne dargelegt, Ausrüstungslisten verteilt und hunderte unserer Fragen beantwortet. Es fand ein gemeinsamer Einkauf in dem Bergsportgeschäft “Tapir” statt, wo Olaf’s vorzügliche Beratung durch die der Mitarbeiter gut ergänzt wurde. Unsere Stimmung und unsere Erwartungen stiegen von Tag zu Tag. Olaf’s Begeisterung und Faszination vom Himalaya hatten sich sehr schnell auf uns übertragen.

Unsere Gruppe setzte sich aus einer Frau (Brigitte) und fünf Männern (Rolf, Thomas, Lothar, Siegfried und Stephan) zusammen, die durch sportliche Aktivitäten im Verein “Lauf- und Wanderfreunde Leipzig e.V.” sowie in der Leipziger Sektion des DAV miteinander bekannt bzw. befreundet und durch viele gemeinsame Unternehmungen ganz gut aufeinander eingestellt waren bzw. sind.

Olaf’s Plan sah eine ausreichend lange Akklimatisierungsphase vor, da die Tour neben den zu erwartenden Anstrengungen auch unserer Erholung dienen sollte. Ein Teil unserer Gruppe hatte sich die Besteigung des Island Peak oder Imja Tse (6.189 m ) an der Südseite des Lhotse vorgenommen, wozu wir uns im Laufe der Tour für ein paar Tage trennen mußten.

Am 27. Februar, einem Sonntag, war es dann soweit: Um 14.00 Uhr fuhren wir mit einem Mietwagen nach Frankfurt/M. Von dort aus sollte um 23.00 Uhr unser Flugzeug nach Kathmandu abfliegen. Nach einiger Verspätung beim Abflug konnten wir im Morgenlicht des nächsten Tages nördlich unserer Flugroute die ersten Giganten des Himalaya erkennen, u.a. Annapurna, Machapuchare und Dhaulagiri. Bald darauf landeten wir in Kathmandu, wo wir von unserem Nepali-Guide Sarkey Sherpa mit den landesüblichen Blumenkränzen begrüßt wurden.

Am nächsten Morgen, es war der 01. März, standen wir etwa 06.30 Uhr vor dem Schalter der Yeti-Airlines auf dem Inlandflugplatz von Kathmandu. Einchecken, Gepäckkontrolle, body-control, alles absolviert, aber: Schlechtwetter, wir konnten nicht fliegen.

Am 02. März dasselbe Spiel auf dem Flugplatz. Jedoch war es an beiden Tagen kein Problem, die Zeit in Kathmandu zu verbringen. Wir besuchten den Durbar Square mit seinen herrlichen Tempeln und drangen auch tiefer in von Touristen kaum besuchtes Gebiet vor, machten mit Sarkey einen Ausflug zum Monkey-Temple, einer großen Tempel- und Klosteranlage hoch über Kathmandu. Mit Olaf besuchten wir die Bhoudhnath-Stupa, wo wir in endlosen Runden um diese größte und auch faszinierendste Stupa Nepals Buddha gütig stimmen wollten, doch nun endlich das Flugzeug nach Lukla fliegen zu lassen.

Buddha hatte uns erhört und am 03. März ging so etwa gegen 10.00 Uhr ein Aufatmen durch uns alle: Wir standen neben der Twin-Otter, die uns nach Lukla bringen sollte. Es war ein sehr abenteuerlicher Flug, ehe wir ca. 40 Minuten später in Lukla landen konnten, denn unterwegs flogen wir in dicke Wolkenbänke hinein und die Piloten mußten ihr ganzes Können aufbieten, um dort heil durchzukommen. Unterwegs konnten wir trotz aller Aufregung erste Blicke auf Everest, Lhotse, Gaurishankar und einige andere Kolosse dieser Himalaya-Region werfen.

Von Lukla aus ging’s gleich los mit dem Ziel Phakding, unserer ersten Übernachtungsstation in den Bergen. Am nächsten Morgen brachen wir nach Namche Bazaar auf. Im ersten Morgenlicht leuchtete im Westen der Kongde, eisbedeckt und riesig. Mit der Überquerung der 90 m über dem Dudh Koshi liegenden Hillary-Bridge endete die Leichtwanderei, und es begann der steile Aufstieg nach Namche Basar. Nach ca. zwei Stunden waren wir dort, wo viele große Expeditionen ihren Anfang nahmen und nehmen.

In den nächsten Tagen standen kleinere Akklimatisierungstouren auf dem Programm. Auf dem Wege nach Khumjung hatten wir den ersten überwältigenden Blick auf das Massiv, das von Nuptse, Lhotse, Lhotse Shar und Mt. Everest gebildet wird und das aus der Entfernung von fast 30 km jedoch nur erahnen ließ, was uns noch bevorstand, wenn wir näher kommen würden. In Khumjung verschaffte uns Sarkey Zugang zum dortigen Kloster und damit zum letzten, noch nicht geklauten “Yeti-Skalp”. Von Khumjung aus wanderten wir weiter nach Khunde und stiegen dann wieder nach Namche ab.

Eine Wanderung mit leichtem Gepäck im herrlichen Tal des Bhoti Koshi nach Thame mit einem Besuch des ca. 4.000 m hoch gelegenen Klosters und einer Übernachtung in ca. 3.800 m Höhe, etwa 300 m über Namche schloß den ersten Teil unserer Akklimatisierung ab. Bisher ging es allen gut, leichte Kopfschmerzen und der nicht besonders tiefe Schlaf waren unproblematisch und auszuhalten. Und so starteten wir gemeinsam mit unseren zwei von Sarkey georderten Trägern über Dole und Machhermo nach Gokyo. Kurz nach Überschreitung des ersten Bergrückens leuchtete schnee- und gletscherbedeckt am Horizont der Cho Oyu, davor klein und unscheinbar der Gokyo Ri, unser erstes großes Ziel.

Am Morgen unseres 15. Urlaubstages begann, noch im Schein der Stirnlampen, der Aufstieg auf den Gokyo Ri, auf dessen “Gipfel” wir nach etwas mehr zwei Stunden standen. Jeder Schritt da hinauf war es wert, gegangen worden zu sein, jedes Keuchen wurde vielfach belohnt von dem, was wir dort oben bei bester Sicht erblickten: Im Vordergrund das breite Band des Cho Oyu-Gletschers, im Südosten Kusum Kanguru, Thamserku und Kang Tenga, davor Taboche und der äußerst beeindruckende Cholatse. Weiter weg im Osten der Makalu, das gigantische Massiv von Lhotse, Nuptse und Everest, davor die Lobuche Peaks, im Nordosten Chakung und Gyachung Kang, im Norden der gewaltige Cho Oyu und im Westen Pangbug Ri und Dingjung Ri, alles Sechs-, Sieben- und eben vier Achttausender ! Wo auf der Welt kann man so etwas noch sehen? Nur hier! Wir waren überwältigt und haben dieses einmalige Panorama regelrecht in uns eingesogen.

Nach einem Ruhetag folgte unsere längste Tagestour, ca. 8 Stunden, allerdings eintausend Höhenmeter Abstieg nach Phortse. Der Weg am nächsten Tag von Phortse über Pangboche nach Dingboche hat uns sehr begeistert, jede Biegung des Weges brachte uns herrlichste Ausblicke, vor allem auf die großartige Ama Dablam, die in diesem Gebiet dominiert und von der wir immer auf’s Neue begeistert waren.

In Dingboche trennten wir uns, drei unserer Mitstreiter (Rolf, Thomas und Siegfried) brachen mit Olaf über Chukung ins Island-Peak-Base-Camp auf, und wir drei anderen wanderten mit Sarkey Sherpa über Dughla und Lobuche nach Gorak Shep. Oberhalb von Dughla erreichten wir ein Plateau, auf dem neben vielen Gedenksteinen für zu Tode gekommene Sherpas auch die für Rob Hall und Scott Fischer stehen. Diese beiden brühmten Bergführer waren ja bekanntlich im Mai 1996 mit einigen ihrer Klienten am Mt. Everest umgekommen.

Auf dem Wege nach Gorak Shep dominieren vor allem zwei Berge: Östlich der Nuptse, den wir nun halb umrundet hatten und nordwestlich der Pumo Ri, ein wunderschöner und ebenmäßiger Berg, vor dem der Kala Patthar, unser nächster “Gipfel” liegt. Und schon wenige Stunden später standen wir auf dem Kala Patthar, dem “Aussichtsberg” direkt am Pumo Ri, mit einer gigantischen Aussicht auf Nuptse und Mt. Everest, der sich im Osten nur wenige Kilometer entfernt majestätisch und fast schwarz in den tiefblauen Himmel streckt, davor der Khumbu-Eisbruch, der Khumbu-Gletscher und an der tibetischen Grenze Lingtren und Khumbtse.

Unsere Tour am nächsten Tag führte uns ins Everest-Base-Camp. Hier standen wir direkt unter dem gewaltigen Khumbu-Eisbruch und der Nordwest-Flanke des Nuptse, einer von riesigen Gletschern und Eis- und Schneefeldern bedeckten Wand. Die Bergflanken um uns und das unbeschreibliche Gefühl, dort zu sein, von wo aus schon so viele berühmte Bergsteiger den Everest in Angriff genommen haben und wo so viele glückliche und traurige Nachrichten von ebenso vielen Expeditionen zum Everest-Gipfel ankamen, entschädigten für den etwas beschwerlichen Weg von Gorak Shep auf dem Gletscher bis zum Base-Camp. Faszinierend waren auch die gewaltigen und bizarren Pinnacles (Eistürme) auf dem Gletscher kurz unterhalb des Camps.

In den nächsten Tagen wanderten wir über Lobuche und Dughla wieder nach Dingboche und stiegen von dort aus über Chukung zum Base-Camp des Island Peak auf, wo wir herzlich von unseren Mitstreitern begrüßt wurden. Olaf’s unermüdlicher Arbeit am Berg war es zu verdanken, daß unser Senior Rolf den 6.189 m hohen Gipfel erreicht hatte.

Über Chukung, Dingboche und Pangboche stiegen wir nach Tengboche ab. Immer wieder wandten wir uns beim Abstieg um, fotografierten und genossen den Anblick des sich immer weiter entfernenden Massivs von Everest, Lhotse und Nuptse. In Tengboche besuchten wir das nach einem Brand wiederaufgebaute Kloster.

Am Nachmittag unseres 28. Urlaubstages waren wir wieder in Namche. Dort hieß es: die Drecksachen vom Leibe, nach langer Zeit wieder duschen und in einer der Bäckereien Kaffe trinken und Kuchen essen. Obwohl das Essen unterwegs immer lecker und ausreichend war, tat es doch ganz gut, nach all dem Tee, Reis, Gemüse, Tibetian Bread, Toast und den Kartoffeln, Nudeln, Eiern und Omelettes etwas anderes zu essen und zu trinken.

Am Dienstag Morgen sind wir mit der ersten “Yeti-Airlines”-Maschine von Lukla aus nach Kathmandu zurückgeflogen, wo schon sommerliche Temperaturen herrschten und alles grünte und blühte. Am Mittwoch und Donnerstag machten wir Ausflüge nach Bhaktapur, einer alten, herrlichen Königsstadt und nach Pashupatinath, einer großen Tempelanlage, wo am heiligen Bhagmati-Fluß die Leichenverbrennungen der Hindus stattfinden.

Am 31. März, unserem 34. Urlaubstag, waren wir frühzeitig auf dem Internationalen Flugplatz von Kathmandu. Zum Abschied legte Sarkey uns allen einen seidenen Haddak um. Mit nur eineinhalb Stunden Verspätung starteten wir in Kathmandu. Nördlich unserer Flugroute waren noch einmal die Berge des Himalaya zu sehen. Gegen Mitternacht waren wir in Leipzig, überglücklich, wieder da zu sein und genauso überglücklich, diese Tage im Himalaya verbracht zu haben, von denen wir ewig zehren können.

Olaf Rieck hat uns durch eine perfekte Organisation, seine hervorragende Kenntnis des Khumbu-Himal und der Gepflogenheiten in Nepal, seine Fähigkeit, uns die Faszination dieser gigantischen Bergwelt nahe zu bringen, nicht zuletzt aber auch durch seine guten Verbindungen zu den Einheimischen, die wir zum Teil auch kennen und schätzen lernen konnten, einen faszinierenden Urlaub ermöglicht.

Und er hat mir nach über 30 Jahren einen Traum erfüllt. Dafür herzlichen Dank.

Stephan Seifert


Erlebnisbericht von Rolf Krug, Teilnehmer der Abenteuer-Himalaya-Tour 2000 und Gipfelbesteiger des 6189 m hohen Island Peaks

Schon lange bevor überhaupt an eine Trekkingtour in das Khumbu-Gebiet des Himalaya zu denken war, hatte ich den heimlichen Wunsch, einmal auf einem “Sechstausender” zu stehen. So wurden von einschlägigen Reiseagenturen angebotene Tourenvorschläge entsprechend gesichtet und bewertet, wobei anfangs die von Hauser offerierte Humboldt-Route in Ecuador mit Besteigung des 6310 m hohen Chimborazo von mir favorisiert wurde. Aber auch eine Reise in das Khumbu-Gebiet mit Gipfelmöglichkeit am Island Peak weckte mein Interesse.

Da ich jedoch mit 61 Jahren nicht mehr allzuviel Zeit hatte, mußte diesbezüglich bald etwas passieren. Nachdem im Dezember 1999 mit Dr. Olaf Rieck als Organisator und Leiter unserer Trekkingtour in das Khumbu-Gebiet alle hierzu notwendigen Fragen geklärt waren und von Olaf eine Gipfelbesteigung des Island Peak unter günstigen Bedingungen als machbar eingeschätzt wurde, waren neben mir auch Siegfried Voß und Thomas Radczinski heiß auf diesen Gipfel.

Der Island Peak ist mit seinen 6189 m und seiner Nachbarschaft von namhaften Gipfeln wie Lhotse, 8501 m, Nuptse, 7861 m, Peak 38, 7591 m Cho Polu, 6734 m und Ama Dablam, 6856 m für viele Expeditionen ein begehrtes Ziel. Darüber hinaus sind, wenn man den Angaben der Agenturen und entsprechender Literatur Glauben schenken darf, die klettertechnischen Anforderungen nicht sehr hoch, so daß man daraus auf eine hohe Erfolgsquote schließen könnte. Hierzu aber später meine persönlichen Eindrücke.

Unser Gipfelabenteuer hatte seinen Anfang in Dingboche, einem in 4410 m Höhe gelegenen Ort, wo zu dieser Zeit die mit Steinmauern abgegrenzten Felder für das Einbringen der Saatkartoffeln vorbereitet wurden. Am 16. März 2000 erfolgte gegen 7.00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein mit zwei Dzopkyos-Bullen, einer Kreuzung zwischen Yak und Rind, der Abmarsch in Richtung Chukhung, wo zusätzlich zu unseren Rucksäcken die in zwei 120-Liter-Tonnen befindliche komplette Biwakausrüstung zugeladen wurde. Von Chukhung ging es weiter bis zum Island-Peak-Base Camp in 5100 m Höhe, das gegen 13.00 Uhr erreicht wurde. Siegfried konnte jedoch aufgrund höhenbedingter Atembeschwerden nur sehr langsam gehen und erreichte das Basislager eine Stunde später. Der Aufbau unserer zwei Zelte war gegen 15.00 Uhr beendet. Jetzt fehlte nur noch das zum Kochen notwendige Eis.

An einer ca. 100 m höher gelegenen Stelle, 15 Minuten vom Lager entfernt, befanden sich größere Eisgebilde mit der entsprechenden Sauberkeit. Die abgehackten Eisbrocken mußten nun in Rucksäcke verpackt ins Basislager getragen werden und unsere Verpflegung war gesichert. Kochen mit Eis ist bekanntlich zeitaufwendiger als das Kochen unter normalen Bedingen, so daß unsere Kochprozesse zum Zubereiten von Getränken oder der reichlich vorhandenen Trekkingnahrung täglich ein bis zwei Stunden in Anspruch nahmen.

Der Morgen des 17. März zeigte sich mit strahlend blauem Himmel. Die Sonne ließ die Temperaturen der Nacht von -15°C schnell in den positiven Bereich ansteigen. Für heute war die Errichtung des High Camp in 5600 m Höhe vorgesehen. Hierzu mußten zwei Zelte, die Kochausrüstung, Seile sowie die komplette Sicherungstechnik einschließlich der Fixseile auf diese Höhe gebracht werden. Eine äußerst anstrengende Angelegenheit, wobei die hier ständig ab den Vormittagsstunden aufkommenden Sturmböen und der niedrige Sauerstoffgehalt der Atemluft den Aufstieg erheblich erschwerten.

Nach zwei Stunden hatten wir das Hochlager erreicht. Nach Zeltaufbau und Deponieren der Ausrüstung stiegen wir zum Basislager ab. Für den nächsten Tag hatte Olaf die Anbringung der zum Gipfelaufstieg notwendigen Fixseile vorgesehen. Dazu stieg er noch am Nachmittag des 17. März ein zweites Mal zum Hochlager auf, übernachtete dort und konnte so in den Morgenstunden des 18. März in den Gipfelbereich aufsteigen, um in einem Steilstück direkt unterhalb des Gipfels zwei Fixseile anzubringen. Als Thomas, Siegfried und ich am Nachmittag des 18. März das Hochlager erreichten, waren durch Olaf bereits alle Vorbereitungen für den Gipfelaufstieg abgeschlossen – eine starke Leistung.

Am nächsten Morgen, Sonntag, den 19. März, sollte der Aufstieg zum Gipfel des Island Peaks erfolgen. Die Nacht war äußerst unruhig. Starke Sturmböen sowie die innere Anspannung ließen keinen ruhigen Schlaf zu. Doch am Morgen zeigte sich das Wetter wie schon in den Tagen zuvor von seiner besten Seite. Bei Thomas und Siegfried war jedoch die körperliche Verfassung alles andere als erfolgversprechend. Siegfried hatte immer noch starke Atemprobleme und konnte deshalb nur sehr langsam gehen. Bei Thomas hatten sich die vor zwei Tagen begonnenen Darmprobleme nicht gebessert, was ihn während des Aufstiegs stark behinderte. Unter diesen Voraussetzungen war das Erreichen des Gipfels insbesondere für Siegfried sehr unwahrscheinlich. Vom Hochlager ging der Aufstieg über Geröll- und Felspassagen bis zum Gletscher in ca. 5900 m Höhe. Thomas und Siegfried gingen noch ein Stück auf dem Gletscher aufwärts bis sie die Sechstausend-Meter-Grenze überschritten hatten und stiegen dann wieder in das Hochlager ab.

Der nach Norden ansteigende Gletscher war durch halbkreisförmig angeordnete, mit Eis überzogene und bis zu 150 m hoch aufragende Felswände in nördlicher Richtung abgeschirmt. Der Normalaufstieg erfolgt über ein Steilstück zum Westgrat und auf diesem leicht ansteigend zum Gipfel. Durch starke Firnausbrüche im Grat war jedoch diese Aufstiegsroute nicht begehbar. Olaf hatte deshalb als Alternative die Südwand, eine cirka 150 m hohe und mit etwa 60 ° ansteigende Eiswand gewählt, welche unmittelbar unter dem Gipfel endet. Der Eisbelag war in seiner Struktur sehr bizarr, es hatte den Anschein, als wurden lauter kleine Eisschollen bis zu einer Kantenlänge von ungefähr einem Meter senkrecht in der Wand aufgestellt.

Das ist also der Weg zum Gipfel – ein ganz schöner Hammer! – aber ich will ja auf den Gipfel, also muß ich hier hoch. Olaf sicherte sich mittels Steigklemme am ersten Fixseil und stieg nach oben, ich tat gleiches und folgte ihm mit dem notwendigen Abstand. Es war verdammt anstrengend, ich legte immer wieder kurze Pausen zum Durchatmen ein. Nach Erreichen des zweiten Fixseiles bemerkten wir über uns in unmittelbarer Seilnähe einen stark überhängenden Eisbrocken. Da sich besonders an Südwänden derartige Eismassen immer wieder lösen, war äußerste Vorsicht geboten. Doch wir hatten Glück, der Brocken saß noch fest, die nächste Seillänge konnte somit gefahrlos in Angriff genommen werden.

Nach 100 m Aufstieg am Fixseil mußte Olaf zum Anbringen des letzten Fixseiles 50 Meter ungesichert aufsteigen. Für mich Zeit zum Kräftesammeln, für Olaf ein zusätzlicher Kraftakt. Nachdem ich diese letzten 50 m am Fixseil geschafft hatte, befanden wir uns unmittelbar unter dem Gipfel. Ich war fix und fertig und brauchte erstmal ein paar Minuten, um die letzten Reserven zu mobilisieren. Das war auch dringend notwendig, denn die verbleibenden 10 m bis zum Gipfel mußten ohne Seilsicherung über eine bis zu 60° steile Firnwand geklettert werden, in die Olaf allerdings große Stufen gehackt hatte. Gegen 13.00 Uhr standen wir dann endlich auf dem höchsten Punkt unseres Berges. Überglücklich über den gelungenen Aufstieg lagen wir uns in den Armen. Erst nach kurzer Zeit der Besinnung und dem allmählichen Weichen der inneren Anspannung konnte ich den phantastischen Ausblick so richtig genießen. Ich spürte weder Kälte noch Wind, es war einfach traumhaft. Viel Zeit zum Träumen hatten wir jedoch nicht, wollten wir doch vor Einbruch der Dämmerung im High Camp sein.

Es wurden noch die obligatorischen Gipfelfotos in Richtung Cho Polu und Makalu sowie Bilder vom Gipfelpanorama geschossen und danach begannen wir gegen 13.30 Uhr mit dem Abstieg. Hierzu konnte ich mich mittels Abseilacht abseilen. Die hierbei von mir aufgrund der Eisstruktur befürchteten technischen Probleme traten erfreulicherweise nicht ein, dafür nahm der Kräfteverschleiß mit sinkender Höhe merklich zu, so daß ich froh war, als ich wieder auf dem Gletscher stand. Für Olaf war der Abstieg erheblich anstrengender und schwierig zugleich. Er mußte die einzelnen Seile aufnehmen, diese im Rucksack verstauen sowie die Eisschrauben entfernen und damit 150 m seilfrei im Eis absteigen.

Nach Überqueren des Gletschers und dem weiteren Abstieg in Gröll und Fels erreichten wir gegen 17.30 Uhr völlig erledigt, jedoch unbeschädigt und glücklich das Hochlager.

Anmerkung:

Die in der Literatur und von diversen Agenturen gemachten Angaben über die nicht allzu hohen Schwierigkeiten am Island Peak sollten nicht zu ernst genommen werden, weil sie in erster Linie von den Verhältnissen am Berg abhängen. So war die von uns begangene Route meiner Meinung nach auf keinen Fall leicht. Doch da die Normalroute wegen der ungünstigen Verhältnisse nicht begehbar war, sahen wir uns gezwungen, in die Südwand auszuweichen. Aber auch diese Einschätzung ist wie so vieles am Berg relativ. Zwei Teams vor uns hatten ebenfalls versucht, aufzusteigen, konnten den Gipfel aber nicht erreichen. So dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, im Jahr 2000 als erste den höchsten Punkt des Island Peaks erreicht zu haben. Von den relativ vielen Expeditionen, die alljährlich an diesem Berg unterwegs sind, sollen jedoch nur 10-20 % bis zum Gipfel gelangen.

Rolf Krug