Aufbruch zum Pumo Ri

Wenn der Start unserer großen Reise ein Omen ist, dann kann jetzt gar nichts mehr schiefgehen. Aber verlassen werden wir uns natürlich nicht auf unser Glück. Doch bis hierher hatten wir tatsächlich reichlich davon.Es ging schon in Berlin gut los. Das Check-in der Airline hatte gerade geöffnet, niemand war vor uns, so dass man sich hinter dem Schalter ganz auf uns konzentrieren konnte. Und das war auch nötig, denn irgendwie ist es selbst im Zeitalter der totalen Digitalisierung immer noch schwierig, zusätzliche Gepäckstücke online zu buchen.

Wir hatten das gemacht, aber es gab Probleme, diese Buchung zu finden. Hinter uns bildete sich eine lange Schlange. Nach einer kleinen Ewigkeit war unser Gepäck endlich aufgegeben. Ich war sehr froh, dass wir zeitig genug da waren. 

Der herzliche Empfang auf dem Flughafen ist immer etwas Besonderes. Für mich hat es auch etwas von Nachhausekommen.

Dann die Handgepäckkontrolle. Auch hier war wieder fast niemand vor uns, trotzdem dauerte es ewig. Aber die ganzen Powerbanks, Kabel, Kameras, Drohnen, Laptops usw. gingen problemlos durch. Beanstandet wurde bei mir nur ein zweites Feuerzeug. Man darf nur eins im Handgepäck dabei haben. Warum eigentlich? Was ist der Unterschied von einem oder zwei Feuerzeugen?

Dann saßen wir im Flugzeug. Unsere riesigen Handgepäckrucksäcke auch. Das war keineswegs selbstverständlich. Die beiden Flüge vergingen rasch, der Aufenthalt in Istanbul auch.

Obligatorisches Gruppenfoto mit unserem Expeditionsplakat. Inzwischen sind diese Plakate auch eine schöne Tradition geworden.

Ankunft in Kathmandu um sieben Uhr morgens, pünktlich auf die Minute. Das Visumprozedere war ruckzuck erledigt. Doch anschließend stieg unsere Anspannung noch einmal ganz erheblich. 7 Leute, 12 Gepäckstücke. Jedes einzelne irgendwie besonders wichtig.

Was habe ich schon mit meinem Gepäck erlebt. Ich könnte drei umfangreiche Absätze darüber referieren, was alles komplett durcheinander gerät, wenn Gepäck fehlt. Vom Zeitplan mal ganz abgesehen.

Aber das ist nicht nötig, denn es war ja alles da! Ein schöner Augenblick, wenn allen zugleich Steine vom Herzen fallen. Ein ganz große Hürde war genommen.

Wie immer wurden wir von meiner Partneragentur herzlich in Empfang genommen. Mingmar und Te Kumar waren zum Flughafen gekommen. Die beiden behängten uns mit Blumenkränzen, entrollten ein großes Plakat und brachten uns anschließend ins Hotel.

Im Regen ging es zum Flughafen, doch die Regenwolken verzogen sich, und wir waren die ersten, die an diesem Tag nach Lukla flogen.

Und nun musste noch einiges erledigt werden. Euros in Rupies umtauschen, und vor allem viel Geld bezahlen. Noch einige organisatorische Dinge waren zu klären, ein paar Sachen zu besorgen.

Am Nachmittag musste ich mit Te Kumar ins Tourismusministerium zum sogenannten Briefing. Dort lernt man seinen Verbindungsoffizier kennen, wird in die Rechte und Pflichten eines Expeditionsleiters eingewiesen, muss mindestens ein Dutzend Unterschriften leisten, Tee trinken und Smalltalk mit einem schmierigen aber sehr wichtigen Beamten machen.

Der beste Termin des Tages war das Welcome Dinner für den Pumo Ri, zu dem uns die Agentur in mein Lieblingsrestaurant eingeladen hat. Wie praktisch! Tibetian Hotpot bis zur Magenüberladung. Ich werde mich die ganze Reise auf den nächsten Hot Pot freuen.

Der berühmte Flugplatz von Lukla. Angeblich der gefährlichste der Welt. Seit 1994, als ich das erste Mal nach Nepal kam, bin ich hier sicher an die 60 bis 70 Mal gelandet und wieder abgeflogen. Also ich fühle mich hier sicher.

Der Start in den nächsten Tag allerdings war eher suboptimal. Der Wecker riss mich sehr unsanft um 4 Uhr morgens aus dem Tiefschlaf. Aber das war zu erwarten. Völlig unerwartet traf mich die unerfreuliche Tatsache, dass es regnete. Morgens regnet es buchstäblich nie. Jedenfalls nicht, wenn ich normalerweise in Nepal bin, also im Februar, März und April.

Wir würden nicht nach Lukla fliegen. So viel stand schon mal fest. So ein Mist. Trotzdem fuhren wir natürlich zum Flughafen. Um 5 Uhr trafen wir dort ein. Er war noch geschlossen. ABER! es hatte aufgehört, zu regnen. Es begann, sich sogar aufzuklaren.

Kaum hatten wir eingescheckt und uns einen Kaffee geholt, kam unser Aufruf. Nicht mal den Kaffee konnten wir in Ruhe austrinken. Schon kurz nach 7 Uhr setzte unser Flieger in Lukla auf.

Auf unserer ersten Etappe von Lukla nach Monju hat es fast die ganze Zeit geregnet. Trotzdem habe ich das entspannte Trekking sehr genossen.

Doch ein Wermutstropfen hatte die Sache trotzdem. Wir bekamen natürlich unsere Gepäckmassen nicht in den kleinen Flieger. Und das Wetter sah nun wirklich nicht danach aus, dass es noch viele weitere Flüge nach unserem geben würde.

Ich hatte mich damit abgefunden, dass wir die ersten Tage unserer Reise auf große Teile unseres Gepäcks würden verzichten müssen. Und die Wetterprognose für die kommenden drei bis vier Tage sahen bzw. sehen ziemlich düster aus.

Sechs Gepäckstücke blieben in Kathmandu liegen. Laureen und Jacob hatten überhaupt gar nichts, nicht mal ein paar Ersatzschlüpfer. Doch wieder blieb uns das Glück treu. Es gab tatsächlich noch zwei weitere Flüge. Und als wir in Monju in unserer Lodge beim Abendessen saßen, trafen die Träger mit sämtlichen noch fehlenden Lasten ein. 

Das Karma kann gar nicht gut genug sein. Also lassen wir hier keine Gelegenheit aus, die Gebetsmühlen zu drehen. Und prompt hörte der Regen auf und das Gepäck traf vollständig in Lukla ein. Bis jetzt sind wir wirklich Glückspilze.

Meine tapferen Träger haben heute wieder eine Leistung vollbracht, die nur ermessen kann, wer selber mal 35 oder 40 Kilo auf matschigen Wegen viele Stunden tragen musste. Und es hat den halben Tag geregnet.

Nun sind wir mit Sack und Pack in den Bergen. Fast alles hängt ab jetzt nur noch von uns selbst ab. Doch natürlich muss uns das Glück weiterhin hold sein, vor allem das Wetterglück. Danach sieht es allerdings in den kommenden Tagen leider gar nicht aus.

Wir freuen uns über jeden gedrückten Daumen…

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Eine Antwort

  1. Kai Bittner sagt:

    Hallo Olaf,

    viel Glück und alle Daumen sind gedrückt. Euch Allen eine gute Zeit im Himalaya.

    Beste Grüße, Kai

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