Der Wille zum Erfolg, Teil 2
Als wir den Sattel erreicht hatten, war da oben natürlich nichts. Zeltplattformen mussten ausgeschaufelt, die beiden Zelte aufgebaut und bombensicher verankert werden.

Endlich da, die Sonne! Allgegenwärtig ist hier am Pumo Ri die Sehnsucht nach ihrer Wärme. Packen für den Gipfelversuch.
Anschließend Zelte einräumen, Schnee bzw. Eis zum Kochen heranschaffen, mit dem Kochen beginnen.
Kochen, Essen und vor allem viel trinken, eine Herkulesaufgabe nach einem Tag wie diesem. Denn eigentlich will man nur noch eines, sich aufwärmen und schlafen.
Doch trotz Erschöpfung und bleierner Müdigkeit blieb die erste Nacht im dritten Hochlager nahezu schlaflos, war aber keineswegs so schlecht, wie sie hätte sein können. Und bevor sie begann, gab es unter uns vieren eine entscheidende Frage zu klären.
Wann werden wir am nächsten Tag den Gipfelversuch starten?
Klar war auf jeden Fall, dass wir Licht brauchten. Die Gipfeleiswand war zerissen von Spalten, sich auftürmenden Eisaufschwüngen und Seracs.
Dort hindurch musste ein halbwegs sicherer Weg gefunden werden. Und zwar möglichst rasch und auf Anhieb.

Sven und Max auf dem Weg nach oben. Im Hintergrund der Einblick in das gewaltige „Tal des Schweigens“ und den berühmten Khumbu-Eisfall eingerahmt von Everest, Lhotse und Nuptse.
Es war uns klar, dass wir den weitaus größten Teil der letzten Etappe zum Gipfel seilfrei gehen müssen. Andernfalls hätten wir durch die vielen Umwege an den Seracs und Spalten vorbei zu viel Zeit gebraucht.
Wir entschieden uns für 7.00 Uhr als Abmarschzeitpunkt. Das war in etwa der Moment, in dem die Sonne genau hinter dem Everest zum Vorschein kam.
Ich erwähnte es schon am Ende des ersten Teils. Große Kälte gepaart mit heftigem Wind bedeutet enorme Erfrierungsgefahr. Und zwar ganz besonders in großer Höhe, wenn Sauerstoff- und Flüssigkeitsmangel dazukommen.
Man kann vor allem Hände, Füße und Gesicht nur schwer schützen. Deshalb wollten wir auf die Sonne warten.

Die letzten Schritte zum Gipfel. Unten ganz winzig vor der augenscheinlichen Spalte auf dem Sattel unser Lager 3.
Die Nacht brachte 23 Grad unter Null. Es ist alles andere als einfach, sich bei diesen Temperaturen aus dem Schlafsack zu quälen, zu kochen, zu essen, sich anzuziehen und die Ausrüstung anzulegen. Vor allem sind die großen Bergschuhe ein Problem, zumindest wenn man sie nicht im Schlafsack aufgetaut hat.
So starteten wir 40 Minuten später als geplant.
Steilere Aufschwünge wechselten sich mit skihangähnlichen Abschnitten ab. Allerdings mussten mehrfach auch steile Passagen im Vorstieg überwunden werden.

Brandschutz auf die Spitze gebracht. Ich bin dem Ingenieurbüro Schilling sehr dankbar für die Unterstützung! Für mich keine Pumo-Ri-Expedition ohne Eure Hilfe!
Der Vorsteiger schlug dann oben einen sogenannten Snowbar in den Firn, und die anderen kamen mit der Steigklemme am fixierten Seil nach. (Ein Snowbar ist ein 50-60 cm langer Winkel aus Aluminium.)
Das war die effektivste und vor allem schnellste Art, solche Steilstufen zu überwinden.
So ungefähr gegen 14.00 Uhr war der Gipfel laut Höhenmesser noch etwa 60 Höhenmeter entfernt. Eigentlich ein Katzensprung. Aber eben nicht auf über 7000 m Höhe.

Und noch einen großen Dank an die Leipziger Sektion des Deutschen Alpenvereins. Ohne Eure Hilfe hätte ich nie dort oben stehen können! Die Kälte und der Wind haben Eurem Logo allerdings mächtig zugesetzt 🙂
Ich war es, der den drei anderen zu bedenken gab, dass man von diesem Berg ja auch wieder hinunter musste. Doch wie aus einem Munde kam der feste Entschluss, diese letzten Höhenmeter auch noch zu schaffen.
Der Wille zum Erfolg war so kurz unter dem Gipfel übermächtig.
Gegen 14.30 Uhr war es geschafft. Wir standen auf dem höchsten Punkt eines der schönsten Berge der Erde. Nur dass es dort oben alles andere als gemütlich war. Außerdem standen wir enorm unter Zeitdruck.

Abstieg kurz unterhalb des Gipfels. Man sieht schon, dass wir nur noch wenige Schritte Sonne hatten.
Der Wind dort oben hatte schon fast orkanartige Ausmaße. Die Kälte war schier unerträglich. Trotzdem mussten natürlich Fotos gemacht werden.
Ich wollte mit meiner Kamera auch filmen, aber sie versagte einfach diesen Dienst. Nach etwa 20 enorm kalten und windigen Minuten auf dem Gipfel des Pumo Ri begann der Expressabstieg.
Es lag jetzt natürlich eine Spur und an den Steilstufen gab es die beim Aufstieg angelegten Fixpunkte, an denen wir rasch abseilen konnten.
Allerdings mussten von den 600 Höhenmetern bis hinunter zu Camp 3 etwa 500 frei abgestiegen werden. Keinen noch so kleinen Stolperer durften wir uns trotz Eile und Erschöpfung erlauben. Nicht ohne Grund geschehen 80 Prozent aller Unfälle beim Bergsteigen auf dem Abstieg.
Doch irgendwann war es geschafft, ich lag in meinem Zelt, nur noch ein zitterndes Häufchen Elend. Aber lieber Leser, das weißt Du ja schon…
Ende Teil 2
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Herzlichen Glückwunsch zum Gipfelerfolg! Was für eine Leistung! Schade, dass nicht alle oben waren. Aber letztlich ist so etwas immer eine Teamleistung. Olaf. Da hast du dir ja ein verspätetes Geburtstagsgeschenk gemacht. Und was für eines! Ich freue mich sehr für euch. Kommt gut wieder vom Berg.
Allerherzlichsten Glückwunsch zum Gipfelerfolg auch von mir…oberspektakulär…und nicht ansatzweise nachempfindbar…welche Steapazen dass gewesen sein müssen…Ihr Bergsteiger seid schon seltsane Wesen…JAJA…kommt Alle gut nach Hause…Es wird doch sicher einen schönen Vortrag dazu geben.
Herzlichen Glückwünsch zum Gipfelerfolg! Und was für Strapazen das waren! Und tolle Fotos (wie immer)! Vor allem das Foto vom Everest ist der Hammer! Liebe Grüße an euch alle! Veronica