Schall und Rauch

Namen seien Schall und Rauch. Pläne sind es zuweilen auch, in den Bergen noch öfter als anderswo. Das mussten wir alle in den vergangenen Tagen ziemlich schmerzhaft erfahren.

Die Unkenrufe, die wir schon in Skardu zu hören bekamen und von denen ich inständig hoffte, dass sie übertrieben sind, waren es aber leider nicht. Eher im Gegenteil.

Da es hier genauso wie in Nepal immer schwieriger wird, zuverlässige Träger zu bekommen, setzen die Agenturen zunehmend auf Maulesel. Die leisten erstaunliches auf dem geröllbedeckten Baltorogletscher. Doch wenn der Schnee zu tief wird, dann müssen sie ziemlich rasch passen. Die schmalen Hufe sinken hoffnungslos ein, und sobald die Tiere mit ihren Lasten das Gleichgewicht verlieren, ist die Gefahr von Knochenbrüchen groß. Für ein Huftier so gut wie immer das Todesurteil.

Wir haben sie gesehen, die Expeditionen, die ausschließlich auf Tragtiere gesetzt haben und seit zehn Tagen noch Stunden vor dem Concordia Platz festsaßen. Und auch unsere Mulis konnten Concordia nicht erreichen. Die Treiber luden die Lasten ab und kehrten unverzüglich um. Das hatte ich dieses Jahr schon einmal.

Gott sei Dank begleiteten uns relativ viele Träger, und wir konnten sie auch noch dazu bewegen, zurückzulaufen, um die fehlenden Lasten zu holen. Wir befinden uns hier eben nicht nur in Gottes Hand sondern auch in denen unserer Träger.

Gruppenfoto am letzten gemeinsamen Abend in Concordia. Wenigstens hatten wir hier tolles Abendlicht mit Blick auf den Broad Peak, links im Bild und den König der Berge, den K2.

Ohne Mulis hatten wir nun logischweise zu wenig Träger für unsere Lasten. Doch dieses war kurioserweise unser kleinstes Problem. Aber dazu später.

Dass bei diesen Schneemassen der Gondogoro-Pass unpassierbar ist und vermutlich auch noch lange bleiben wird, versteht sich von selbst. Doch diese Tatsache schredderte unsere gesamte scheinbar so perfekte Planung.

Unsere tapfere Begleittrekkinggruppe musste deshalb am Concordia Platz umkehren und denselben Weg zurückgehen. So war das ganz und gar nicht gedacht. Anstatt anderthalb Trekkingtage sind sie jetzt sechs Tage ohne uns unterwegs. Mich hat das sehr traurig gemacht, denn es war bzw. ist eine großartige Gruppe mit der Sven, Jacob und ich wirklich gern noch ein Weilchen unterwegs gewesen wäre. Unter vielem anderen auch deshalb, weil wir so schön miteinander lachen konnten.

Der Hauptgrund, warum ich zum Hidden Peak zurückgekehrt bin, war eben dieser schöne Plan. Ich hatte auf gar keinen Fall vor, direkt zum großen Berg zu gehen und mich beim Lageraufbau zu akklimatisieren. Ich wollte mich vorher unbedingt am deutlich niedrigeren Laila Peak an die Höhe gewöhnen, dazu noch zwei Mal den Gondogoro Pass überqueren und anschließend bestens und in jeder Hinsicht akklimatisiert zum 8000er gehen.

Sven kämpft sich durch den teilweise grundlosen Sulzschnee ins Basislager des Hidden Peaks.

Daraus wird nun nichts. Gestern haben wir uns in Concordia von unseren Trekkinggästen mit viel Wehmut und auch Tränen verabschiedet und sind in einem Gewaltmarsch ins Hidden Peak Basislager marschiert.

Das war nötig, weil die Trekkinggruppe zum einen alle Träger brauchte und zum anderen sich unbedingt heute auf den Rückweg machen musste, um es noch pünktlich zum Flieger in Islamabad zu schaffen. Deshalb haben uns die Porter gestern (22.06.) das nur allernötigste hier hinauf geschafft, sind dann wieder nach Concordia zurückgelaufen, um heute mit unseren Gästen den Rückweg nach Skardu beginnen zu können.

Durch diese Teilung der Anzahl unserer Trägerlasten war wenigstens das Problem der fehlenden Träger bzw. Mulis gelöst.

Nicht gelöst ist ein anderes Problem, doch dazu dann mehr in der nächsten News.

4 Antworten

  1. Bernd Bienia sagt:

    oh, Mann. Alle Gute für Euch.

  2. Uli Mathie sagt:

    Schade! Unsere Concordia Tour 2003 via Gondogoro und Hushe zurück hatten wir im August bei meistens schönem Wetter unternommen. Unvergeßlich! Wart Ihr evtl. zu früh dran? Alles Gute!

  3. Hildegard sagt:

    Leider ist es so, dass es trotz guter Planung das Wetter macht was es will. Drücke euch weiter die Daumen und wünsche viel Glück. Viele Grüße

  4. Christian Pech sagt:

    Es ist sehr schade, dass das mit der Passüberquerung und dem Laila Peak nicht klappt. Auch für die Trekkinggruppe ist es bitter, bietet doch die Tour über den Pass nach Hushe auch noch einige landschaftliche Höhepunkte. Der erste Blick auf den Laila Peak, hat sich bei mir jedenfalls eingebrannt. Ich gehe die Tour von 2001 in Gedanken immer nach und dabei fallen mir noch etliche Erlebnisse ein, als wäre es erst gestern. Hoffentlich habt ihr am Hidden Peak mehr Glück. Aller guten Dinge sind drei …
    Vielen Dank für die Karte und viele Grüße aus der unter Hitze stöhnenden Heimat.
    Christian

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