Verzicht üben

Alles auf dieser Reise war abgestimmt auf diesen Laila-Hidden-Peak-Gondogoro- Plan, der nun nichts weiter als Makulatur ist. Auch das Handling unserer Ausrüstungstonnen hier vor Ort war selbstverständlich darauf ausgerichtet.
Der Laila-Peak-Teil unserer Tonnen mit der Kletterausrüstung und dem Großteil unserer Seile sollte genau mit uns im Basislager am Laila eintreffen. Allerdings auf anderem Weg als wir. Sie sollten nicht über den Gondogoro geschleppt sondern von unten über Hushe an den Bergfuß geschafft werden.
Und natürlich wäre es auch unvernünftig gewesen, wenn die Hidden-Peak-Tonnen uns auf dem Trek über den Baltorogletscher begleitet hätten. Denn dann wäre die Folge gewesen, dass sie etwa 17 Tage unbeaufsichtigt hier am Hidden Peak gestanden hätten. Keine gute Idee!

Sven hilft mir nach dem endlos langen Marschtag das Zelt in unserem BC aufzubauen. Zuvor haben wir drei stundenlang unsere Zeltplattformen mit bloßen Händen und Füßen planiert (Foto: Jacob Andreas).

Glücklicherweise war unsere Agentur so umsichtig, dass sie nach den unheilvollen Nachrichten über im Schnee steckengebliebene Expeditionen und Trekkinggruppen auf unseren Satellitentelefon-Anruf wartete, ehe sie die Tonnen zum Laila Peak auf den Weg geschickt hat. Das tat sie nach unserem Anruf und der unfreiwilligen Entscheidung, zuerst zum Hidden Peak zu gehen, natürlich nicht.

Sie sind nun gemeinsam mit den Tonnen für den Hidden Peak auf dem Weg zu uns. Unsere Begleittrekkinggruppe wird ihnen hoffentlich bald begegnen. Mit anderen Worten: Wir sind zwar jetzt am Hidden Peak, uns fehlt aber der Großteil unserer Ausrüstung. Wir können deshalb nichts tun als hoffen, dass sie uns so schnell wie möglich erreichen wird.

Gott sei Dank waren wir dann aber doch vorsichtig genug, die Basislagerzelte, Gurte, Steigeisen sowie die warmen Expeditionsbergschuhe in unserem persönlichen Gepäck zu verstauen. So haben wir die allerwichtigsten Dinge zumindest schon mal bei uns, falls dann doch die ein oder andere Tonne auf der Strecke bleiben sollte.

Unsere Basislagercrew und ein paar Hunzafreunde von Sadid, unserem Basislagermanager, planieren die große Fläche für unser Küchen- und Messzelt. Die Leute aus dem Hunzatal sind eine große Familie und helfen sich immer und überall, sagt Sadid. Sie kamen übrigens aus dem Militärcamp, welches hier nur anderthalb Kilometer von unserem Lager entfernt auf dem Gletscher steht.

Dass dies leider nicht ganz abwegig ist hat unser Koch bei der Inventur unser Nahrungsmittelreserven feststellen müssen. Es fehlen nämlich laut seiner Aussage nicht weniger als 25 kg unserer Vorräte. Falls Sarfasz, so heißt unser Koch, sich nicht irrt, wäre das ein Novum für mich. Mir ist seit dem Pik Energie 1989 noch nie etwas geklaut worden.

Wir müssen uns also in Geduld üben und akzeptieren, dass vieles von dem, was wir uns ausgedacht hatten und was wir hier vorzufinden hofften, von der rücksichtslosen Realität über den Haufen geworfen wurde. Für mich ist das vor allem deshalb sehr schmerzlich, weil es eben nicht nur uns sondern auch unsere Trekkinggäste betrifft.

Aber den Bergen sind all diese Dinge herzlich egal. Sie haben ihren eigenen Kopf. Hier ist der Mensch auf ihre Gnade angewiesen und nicht wie so vieles andere auf unsere. Noch trotzen die Gipfel des Karakorum unseren Versuchen, sie uns Untertan zu machen. Ein Grund mehr, genau hierher zu kommen und den Verzicht zu üben.

2 Antworten

  1. Hilke sagt:

    Ich hoffe, dass doch noch alles gut wird und drücke euch beide Daumen.

  2. Detlef Weyrauch sagt:

    Schneemassen und Kälte, wie schön. Wir haben hier das Kontrastprogramm mit aggressiv brennender Sonne, 38°C und extremer Trockenheit. Ich wünsche euch sehr, dass euch Wetter und Berge demnächst gewogen sein mögen.

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