Wir sitzen fest!

So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass wir bisher eine Menge Glück mit dem Wetter hatten. Die ersten drei Tage sowieso. Der Kampf mit dem Unterholz gestaltete sich zwar sehr unerfreulich, aber das Wetter war wohl für patagonische Verhältnisse geradezu ausgezeichnet. Die Sonne schien sogar manchmal. Seit dem regnet es fast ununterbrochen bei sehr moderaten Temperaturen um die Null Grad. Auch die beiden ersten Tage auf dem Jorge-Montt-Gletscher hatten wir für Patagonien relativ gutes Wetter, obwohl es auch hier ständig regnete bzw. weiter oben schneite. Zwar machte der nasse, sulzige Schnee das Pulkaziehen zu einer sehr anstrengenden Angelegenheit. Aber wir kamen wenigstens voran, weil wir immer etwas sehen konnten. Das ist nun seit gestern vorbei.

White Out

Auf diesem Bild ist gut nachzuvollziehen, womit wir es zu tun haben. Wenn etwas nicht weiß ist, wie Georg mit seiner Pulka, dann kann ich es auch über 200 oder 300 m ausmachen. Auch seine Spur kann ich erkennen. Aber ob es einen Meter neben mir rauf oder runter geht, das sehe ich nicht.

Wir können nicht weiter, es hat einfach keinen Zweck. Zum einen ist es zu gefährlich, bei null Sicht auf einem spaltenreichen Gletscher unterwegs zu sein. Das ist gegen die Regeln. Zum anderen ist die Gefahr groß, sinnlos Kraft zu vergeuden. Deshalb üben wir uns gerade darin, unsere Ohnmacht den Verhältnissen gegenüber anzuerkennen. Das fällt verdammt schwer.

Georg hat sich mein Montaigne geschnappt und studiert ganz aufmerksam dessen Ausführungen über die Kunst zu leben. Ich arbeite schon den ganzen Morgen in meinem Kommunkationsbüro. Gerade eben hatte ich Telefonzeit mit der Leipziger Volkszeitung. Zweimal in der Woche telefoniere ich mit unserem Medienpartner. Anschließend habe ich begonnen, diese News zu schreiben.

News schreiben

Die neue Kommunikationsanlage funktioniert tadellos. Ebenso wie die Solarladeanlage. Es macht mir großen Spaß, damit zu arbeiten auch wenn es nach einem langen anstrengenden Tag oft schwerfällt, sich abends noch hinzusetzen, Bilder hochzuladen, auszuwählen und zu schreiben.

Geduld ist jetzt gefragt. Das ist sicher nicht unser beider Stärke. Aber Patagonien ist eben auch deshalb so gefürchtet, weil man die hier so oft aufbringen muss. Und der Luftdruck fällt und fällt…

3 Antworten

  1. Christiane sagt:

    Festsitzen bekommt bei dieser Expedition ganz sicher eine neue Bedeutung. Ich drücke die Daumen, dass es nicht so lange dauert.

  2. Veronica sagt:

    Gott sei Dank seid ihr vernünftig und versucht nicht, ohne Sicht weiterzugehen! Ich hoffe sehr, dass ihr so geduldig bleibt, wenn’s nicht besser wird. Aber natürlich hoffe ich noch mehr, dass ihr bald wieder etwas seht und es weitergehen kann!

  3. Andrea J. sagt:

    Wenn der Luftdruck fällt und fällt …
    Optimismus und Geduld erreichen eine neue Dimension. Ich hoffe sehr, es gibt recht bald besseres Wetter!

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