Noch kein Wunder!

Als ich heute morgen erwachte, hörte ich keinen Schnee auf das Zeltdach rieseln, Wind ging kaum, und deshalb schnipste ich wie ein Feder aus meinem Schlafsack. Draußen war Traumwetter, die Sonne schob sich gerade über den Horizont, aber es herrschte natürlich sibirische Kälte. Trotzdem bin ich sofort mit meiner Kamera aus dem Zelt, um die Bilder dieses wunderschönen Morgens einzufangen.

Sonne über dem patagonischen Inlandeis

Die Landschaft hier und das Licht können einen schon verzaubern und jede Strapaze vergessen machen.

Doch elektrisiert hat uns beide der Gedanke an unser Ziel. Sollten wir tatsächlich solches Glück haben und gerade heute, wo wir Fitz Roy und Cerro Torre erreichen würden, einen der superseltenen schönen Tage erwischen? Augenblicklich wurde es hektisch in unserem Zelt. Wir wollten natürlich so rasch wie möglich starten. Doch bremste unser Kocher die Schönwettereuphorie. Das erste Mal auf dieser Tour versagte er und musste repariert werden. Dennoch sind wir heute früher gestartet als sonst. Doch kaum, dass wir losgezogen sind, fing es an zu schneien, und wir liefen direkt in das white out hinein.

gehen im Sturm

Der Wind peitschte uns die Schneekristalle um die Ohren und das einzig Sichtbare war Georg und seine Pulka. Eigentlich war alles so wie fast immer.

Wir hatten uns heute eine 16 Kilometer lange Etappe vorgenommen, denn wir wollten genau auf der Höhe von Fitz Roy und Cerro Torre biwakieren. Weiter sollte es nicht gehen. So hätten wir den heutigen Nachmittag und den morgigen Vormittag die Chance, einen Blick auf diese beiden Bergschönheiten zu erhaschen.

Doch plötzlich besserte sich das Wetter wieder. Berge tauchten um uns auf. So langsam wurde ich nervös. Der Blick vom patagonischen Inlandeis auf diese beiden Granitriesen gehört sicher zu den spektakulärsten Bergsichten auf unserem Globus. Doch unsere beiden Gipfel hüllten sich eisern in dichte Wolken. Ich hab gebettelt und gefleht aber sie gaben ihren Anblick nicht preis.

Cerro Torre

Auf diesem Bild wären Fitz Roy und Cerro Torre eigentlich bildfüllend. Allein die Wolken lösten sich nicht auf, so sehr ich mir das auch wünschte.

Aber natürlich wollen wir die Hoffnung noch nicht aufgeben. Wir errichteten unser Lager direkt diesen beiden Berühmtheiten gegenüber und hoffen nun auf das Wunder. Heute Abend oder morgen Vormittag muss es passieren, sonst wird es vermutlich eine Weile dauern, bis ich wieder mal hier sein werde.

1 Antwort

  1. heidi krause sagt:

    Lieber Olaf, wir drücken schon die ganze Zeit die Daumen und wünschen Euch alle angepeilten Ziele in erreichbare Nähe! Tolle Fotos und spannende Berichte von Dir lassen uns im gemütlichen Stübchen mitfiebern! Alles Gute, liebe Grüße und weiter haltet durch, Heidi+Mario

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