Meteora Teil 1

Meteora kommt von dem Wort “meteoriza”, was soviel wie in die Höhe heben bedeutet. Doch heute heben wir uns nicht in die Höhe. Es regnet! Und zwar so, dass wenigstens keine Zweifel darüber bestehen, ob wir nicht vielleicht doch irgendwas klettern könnten.

Der Blick im Abendlicht auf das inmitten der Felsenlandschaft von Meteora gelegene Dörfchen Kastraki, unserem Basislager.

Stattdessen wäre das Bett, eine entspannte Wanderung oder eine Fahrt nach Kalambaka ins Kaffee eine Alternative. Oder eben der Platz vor dem Rechner. Aber nicht zu klettern, strapaziert meinen Langmut hier schon sehr, denn eines steht fest. Wir Kletterer müssen sehr lange suchen, um einen Ort zu finden, wo auf so engem Raum so großartige Routen zu finden sind wie in Meteora.

Die Westgruppe von Meteora umfasst mehr als zwei Dutzend Felstürme. Einer großartiger als der andere.

Ich bin zum ersten Mal hier. Und gleich der allererste Blick auf Meteora noch aus dem Auto auf der Herfahrt hat mich sehr begeistert. So hatte ich mir Meteora nicht vorgestellt. Die Ausmaße der Konglomerattürme, ihre Kühnheit, ihre eigenartigen Formen, die an versteinerte Fabelwesen erinnern und vor allem ihre Steilheit sind beeindruckend. Dort soll man hochklettern können? Aus der Ferne betrachtet wirken die Felsfluchten extrem abweisend.

Ein Paradebeispiel ist der 300 m hohe “Heilige Geist” mit seinen beiden grandiosen Pfeilern.

Das nächste, was überrascht, ist die Tatsache, dass die Häuser der beiden Dörfer, Kastraki und Kalambaka mitten zwischen den Felsen stehen. Hier braucht man kein Auto. Alles hier ist so nah beieinander, dass der Fußmarsch bis zu den Einstiegen häufig nur Minuten dauert.

Der Sankt Georg Fels ragt direkt neben bzw. über unserer Herberge auf.

Schon an unserem Ankunftstag nach einem ersten ausführlichen Spaziergang bei herrlichem Abendlicht, konnte ich es noch viel intensiver als sonst spüren. Hier hatte ich regelrecht das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein. Und gerade wo ich das hier schreibe, zweieinhalb Klettertage und 23 Seillängen später, habe ich dieses Gefühl noch viel mehr.

Ich bin selber gerade dabei, den Gründen dafür nachzuspüren.

Suchbild! Wo sind hier die Menschen? Regelrecht ameisenhaft muten die Menschlein an, wenn sie sich hier in die Vertikale begeben. Links Kletterer an der “Kleinen Heiligen”, die alles andere als klein ist, aber doch viel kleiner als ihre große Schwester, die “Große Heilige”.

Rechts eine Seilschaft am Ausstieg in der Südwestkante des “Heiligengeistwächters”. Diese 180 m lange Route ist auch eine von denen, die einem hier sofort ins Auge springen und die wir gleich am zweiten Tag geklettert sind.

Einer der Gründe sind zweifellos die einzigartigen, himmelhoch aus der Ebene aufragenden Felsgiganten. Ich mochte es immer schon möglichst hoch und möglichst ausgesetzt. 200 m über dem Boden an einem Stand in einer senkrechten Wand spüre ich wie nirgendwo sonst, was intensives Leben bedeutet und vor allem, wie sehr ich an ihm hänge.

Uns wird ja oft genau das Gegenteil unterstellt, nämlich, dass wir fahrlässig damit umgingen. Wenn die Leute, die sowas meinen, wüssten, wie falsch sie damit liegen. Lebenszeit verstreichen zu lassen, ohne das man es überhaupt merkt, ist in meinen Augen ein viel fahrlässigerer Umgang mit dieser knappen und deshalb so wertvollen Ressource.

Die “Linie des fallenden Tropfens” ist eine der besten und genussvollsten Wandklettereien, die ich je klettern durfte. Von weitem sieht die 300 m hohe Wand am Sourlotifelsen undurchsteigbar aus. Aber die Struktur des Kieselkonglomerats erlaubt dann doch den Durchstieg selbst solcher gewaltiger Wandfluchten.

Der zweite Grund ist das Sächsische Elbsandsteinflair. Die Felsen hier erinnerten mich sofort an meine Felsenheimat an der Elbe. Nur sind sie so viel mächtiger als dort. Und was das Beste ist, hier hat auch noch nicht die anderswo allgegenwärtige Klettergartenmentalität Einzug gehalten. Das liegt zum größten Teil daran, dass mit Dietrich Hasse und Lothar Stutte zwei der bedeutendsten Sächsischen Kletterer in den siebziger und achtziger Jahren dieses Gebiet erschlossen.

Das “Dicke Ende” am Doupianifels macht seinem Namen alle Ehre. Eine 8a nach Sächsischer Skala, in der man besser ein gut sortiertes Sortiment an Keilen dabei hat.

Bis heute haben die weitaus meisten der etwa 700 Kletterrouten an den 170 Gipfeln Meteoras einen sehr alpinen Anspruch. Der Einsatz mobiler Sicherungsmittel ist in vielen Routen zwingend. Und der Hakenabstand, so nehme ich an, wird so manchem kletterhallengestählten Schwerkletterer das Fürchten lehren. Apropos Haken! In den großen Klassikern sind das nach wie vor Ringe, wie wir sie aus dem Elbsandstein kennen.

Christian im Nachstieg an der Südwestkante des Heiligengeistwächters.

Doch die sächsischen Erschließer waren bei weitem nicht die ersten, die sich kletternd an die Riesentürme von Meteora gewagt haben. Schon vor hunderten von Jahren kamen Mönche auf die Idee, die in den himmelhohen Wänden liegenden Höhlen als sogenannte Eremitagen bzw. als Standorte für ganze Klöster zu nutzen. Und wir fragten uns natürlich sofort, wie man auf eine solche Idee kommen und vor allem wie die Leute dort überhaupt hochsteigen konnten. Doch mehr zu dieser einmaligen Kuriosität von Meteora im zweiten Teil dieses Beitrages…

Eremitagen am Pixarifels. Was hat die Mönche bewogen, sich auf dieses halsbrecherische Abenteuer einzulassen, um sich hoch oben in einer Felswand eine Höhle auszubauen oder auf deren Gipfeln sogar ein ganzes Kloster zu errichten?

3 Antworten

  1. Jens sagt:

    …wo in Griechenland könnte man als Mönch dem Himmel näher sein, die Einsamkeit mehr leben, spüren als in der luftigen Höhe der Meteorafelsen, der Meteoraklöster😉 Weiterhin viel Erfolg und liebe Grüsse, Jens

  2. Marco K. aus LE sagt:

    Großartig Olaf… ich wünsche Euch noch eine supergeile (neudeutsch 😉 ) Zeit und jede Menge toller Klettermeter. Grüße an Alle und viel Spaß noch

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