Inferno

Ich benutze Superlative vermutlich deshalb gern und häufig, weil ich ein emotionaler Mensch bin. Vielleicht auch, weil ich mich gern und häufig zwischen den höchsten und schönsten Bergen der Welt aufhalte.

Aber sowas habe ich wirklich noch nicht erlebt! Gestern saßen wir zum Lunch mit freiem Oberkörper auf einer sonnenüberfluteten Lichtung in einem in voller Blütenpracht stehenden Rhododendronwald. Heute ist das Inferno über uns ausgebrochen.

Der Kontrast könnte größer nicht mehr sein. Zwischen der gestrigen Mittagsrast und unserem heutigen Lagerplatz liegen exakt 1000 Höhenmeter und 24 Stunden, aber Welten, was das Wetter anbelangt.

Janina vor zwei Stunden (19.00 Uhr) auf dem Weg zum Abendessen. Seitdem sind etwa 30 cm Schnee dazu gekommen.

Kurz nach dem wir heute gegen 13.00 Uhr an unserem Biwak in Panch Pokhari eingetroffen waren, begann sich ein Gewitter zu entladen. Es blitzte, donnerte und hagelte wie entfesselt und jetzt, nach sieben Stunden, tut es das immer noch.

Ich möchte nicht wissen, was in den anderen vorgeht. So ein Unwetter kann sehr einschüchternd sein. Ganze Sturzbäche von Schnee, Graupel und Hagel prasseln auf unser Zelt. Es ist so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann. An Schlaf ist nicht zu denken. Die Blitze erleuchten unseren Talkessel taghell, und die Donnerschläge lassen nicht nur uns, sondern sogar den Erdboden erzittern. Absolut beeindruckend, Dante lässt grüßen.

Der mit Graupel vermischte Schnee fällt mit einer beängstigenden Intensität.

Und was einem dabei selbst so für Szenarien durch den Kopf gehen, ganz und gar ohne das man das will, ist auch ziemlich beeindruckend. Wenn das nur bis morgen früh in dieser Intensität weiter so graupelt und schneit, dann werden wir schon Schwierigkeiten haben, aus unserem Zelt raus zu kommen, geschweige denn auch nur einen Schritt zu gehen. Wir werden hier für eine Reihe von Tagen festsitzen und von der Außenwelt abgeschnitten sein. Wenn es bis morgen früh so weiter schneit!

Alles erscheint plötzlich in einem sehr anderen, ziemlich deprimierenden Licht. Unsere Ziele rücken gerade von Stunde zu Stunde weiter in die Ferne…

8 Antworten

  1. Marianne Schröder sagt:

    Courage! Keep smiling …
    Positive thoughts flying your way.

  2. Stefanie sagt:

    Es liest sich beeindruckend…alles Gute und ich hoffe die Ziele lassen sich doch noch erreichen.

  3. Karl-Heinz sagt:

    Danke Dr. Rieck, dass Sie uns durch Ihre ausgezeichnete Berichterstattung die Bergtour
    miterleben lassen – toi, toi, toi für den heutigen Tag ! – liebe Grüße an alle besonders Kathleen und Thomas – M + P

  4. ulf sagt:

    der weg.der weg.der weg.

  5. Andrea J. sagt:

    Dann hoffen wir sehr, dass es nun nicht mehr schneit und wir würden im Gegenzug ein wenig Regen in Kauf nehmen. Euch allen viel Erfolg, lasst Euch die Laune nicht verderben und besonders liebe Grüße an Janina!

  6. Volker B. sagt:

    Oh je! Als ob es diesen Winter nicht schon lange genug Schnee gegeben hätte… Um so wichtiger ist es, dass Ihr alle gesund zurück kommt – denn in L ist zumindest schon mal (fast) Sommer. Und unsere Janina hat noch einen kleinen Grund mehr: Das neue Domizil ist wirklich toll geworden! (Freu Dich drauf!) Also passt auf Euch auf! Denn wie haben wir es von Olaf gelernt: Das Ziel ist letztlich nicht Gipfel.

  7. Wilfried sagt:

    Ich hoffe das Unwetter hat ein Ende gefunden und ihr könnt weiter voran kommen.
    Ist das aber auch aufregend!
    Herzliche Grüße an Alle, besinders an Christoph

  8. Schanedde sagt:

    Hallo, wahnsinn, so einen Wetterumschwung mitzuerleben. Aber Janina lächelt auf dem verschneiten Weg zum Abendbrot noch.

    liebe Grüße und bleibt stets optimistisch, hier in Deutschland hat es auch einen riesen Wetterumschwung gegeben, innerhalb von wenigen Tagen auf +26 Grad.

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