Trek zum Mera

Dass Christoph uns vergnügt und zumindest noch relativ frisch aussehend am Abend unseres zweiten Trekkingtages am Pangoma Pass eingeholt hat, war ja zu erwarten.

Was ich absolut nicht erwartet habe, und was mich jetzt seit vier Tagen sehr beeindruckt, ist der Weg, den wir gerade gehen. Für mich ist es der schönste Trek, den ich je in Nepal gemacht habe.

Unser Zeltplatz in Najing Dingma. Das Auf- und Abbauen geht jeden Tag schneller.

Wir sind von der Haupttrekkingroute auf eine Nebenroute ausgewichen. Wir verlängern damit zwar unseren Anmarsch deutlich, haben aber so auch mehr Zeit, uns an die Höhe anzupassen, und das ist ja vor allem für die Neuankömmlinge besonders wichtig. Selten verirrt sich ein Tourist auf diese Route. Sie führt durch teilweise dichten Dschungel und Rhododendronwälder. Seit Tagen sind wir kaum Menschen begegnet. Wir übernachten in winzigen Siedlungen, in denen manchmal nur zwei oder drei Sherpafamilien leben.

Najing Dingma hat mich wirklich besonders beeindruckt. Hier ist die Welt zu Ende. Aber eine Lodge mit Shop gab es noch.

Die Ursprünglichkeit und Abgeschiedenheit ist enorm. Aber das hat natürlich auch seine Schattenseiten. Nicht für uns, wir werden von unserem Küchenteam bestens versorgt, denn wir führen alles mit, was wir für unterwegs brauchen.

Aber die Menschen, die an unserem Weg leben, sind völlig auf sich allein gestellt. Die Infrastruktur besteht aus dem Weg, einer Wasserstelle und drei oder vier sehr einfachen Holzhäusern mit einer Feuerstelle. Wenn hier zum Beispiel ein Kind krank wird, muss es von allein wieder gesund werden.

In Najing Dingma hatten wir so ein Problem. Die drei Kinder einer Familie, die davon lebte, eine winzige Unterkunft für Träger zu unterhalten, litten an einer schlimmen, schon eitrigen Bindehautentzündung. Nicht auszuhalten war der Anblick. Ich musste also unsere Augensalbe opfern. Zweimal habe ich die tapferen Kleinen behandelt und der Mutter gezeigt, wie man das macht. Und ich habe die Tube dort gelassen. Probleme mit unseren Augen darf es jetzt also nicht mehr geben.

Die Kinder haben aufs Wort gehorcht. Stillhalten, Augen auf und nicht herumzappeln. Und genau das haben sie auch gemacht, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben. So tapfer!

Ein Umstand, den ich auf diesem Weg sehr genieße, ist neben der Einsamkeit vor allem auch die Wärme. Die Temperaturen sind hochsommerlich. Nach der Eiseskälte der beiden vergangenen Monate eine wahre Wohltat. Leider ist das Ende abzusehen. Heute sind wir deutlich über die 3000-Meter-Grenze aufgestiegen, und in wenigen Tagen wird auch die 4000 -Meter-Marke überschritten. Gerade eben ist die Sonne hinter den Bergen verschwunden, und es ist schon deutlich frischer als gestern. Ich muss mich also wohl oder übel wieder an die Kälte gewöhnen.

Wir sind schon jetzt ein großartiges Team mit dem besonderen Merkmal häufiger ausgelassener Heiterkeit. Hoffentlich bleibt das auch so. (v.l.n.r. Thomas Necke, Janina Graeber, Kathleen Merz, die uns bis ins BC des Baruntse begleitet, Christoph Descher und ich)

2 Antworten

  1. Jörg sagt:

    Hallo Janina, ich freue mich, dass bisher alles so gut geklappt hat und ich drücke euch die Daumen, dass ihr auch weiterhin möglichst gute Bedingungen für eure Unternehmungen habt und ihr guter Laune und bei Kräften bleibt. Es grüßt dich ganz lieb dein Vati und das gesamte Team ganz herzlich Jörg

  2. KK sagt:

    ausgelassene heiterkeit klingt fast loriotesk. kompliment an janina: flotte mütze. beide daumen hoch!
    viel erfolg wünscht k.k.

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