Holzberg – Die Wende?

Der Holzberg ist leider immer noch nicht gerettet. Wieder muss ich sagen: Ganz im Gegenteil. Das Damoklesschwert zumindest einer Teilverfüllung hängt nach wie vor drohend über dem Biotop im Holzberg. Doch ging es auf dem mühsamen Weg der Bewahrung des Holzberges in den letzten Wochen ein ganzes Stück voran. Und das ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz einiger weniger zu verdanken, die mit großem persönlichen Engagement und einem immensen Zeitaufwand die Sache des Holzberges so weit vorangebracht haben.

Ich kann mir nun eigentlich kaum noch vorstellen, dass dort plötzlich Tausende von Kippern das unersetzliche Biotop zuschütten. Aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass man ins Grüne Gewölbe hereinspazieren und unschätzbar wertvolle Kunststücke August des Starken unbehelligt klauen kann, ohne das der über die Überwachungskameras zuschauende Sicherheitsdienst eingreift. In Deutschland ist scheinbar alles möglich. 

Mario klettert an der Sonnenplatte am Holzberg die neue Route von Lutz Zybell: “Gib niemals auf”, 8+. Griffe sucht man in diesem Weg oft vergeblich.

Es gab in den letzten Wochen drei Veranstaltungen, die in meinen Augen eine mögliche Wende in der Holzbergfrage markieren könnten. Es gab natürlich viel mehr. Aber diese drei haben meiner Ansicht nach das meiste Gewicht. 

Die erste war im September ein Gespräch der beiden Holzbergfreunde Lutz Zybell (Chef des Landesverbandes Sachsen des DAV) und Gerald Krug (Vorstandsvorsitzender der IG Klettern Halle/Löbejün sowie Inhaber des Geoquest-Verlages) mit Jens Karnahl, Inhaber der Firma Kafril und damit Eigentümer des Holzberges.

Links Gerald Krug, Mitte Jens Karnahl und rechts Lutz Zybell. Toll, dass es dieses Treffen gab. Gespräche sind immer besser als Dienstaufsichtsbeschwerden. Diplomatie war schon immer erfolgreicher und vor allem weniger zerstörerisch als das Brecheisen.

Allein schon, dass dieses Gespräch stattgefunden hat, ist ein sehr positives Zeichen. Dazu war es noch ein konstruktives und entspanntes Gespräch, in dem sich Jens Karnahl klar geäußert hat, dass er einer Alternative für den Holzberg nicht grundsätzlich und unter allen Umständen ablehnend gegenüber steht. Dass er womöglich umzudenken beginnt, ist uns allen zu verdanken, die sich nun seit mehr als einem Jahr mit zunehmender Intensität und großer Vehemenz für den Holzberg und die dort lebenden Pflanzen und Tiere einsetzen. Jens Karnahl hat mit diesem gut organisierten und massiven Widerstand der Verfüllungsgegner wohl nie gerechnet und inzwischen gelernt, dass er mit dieser Immobilie auf Jahre hinaus große Probleme haben wird.

Die zweite Veranstaltung war ein Treffen beim Landrat am 12. November. Hier waren auch wieder wir, also die Holzbergfreunde und viele andere der agierenden Parteien vertreten, wie das Oberbergamt, die Untere Naturschutzbehörde, die Gemeinde Thallwitz, der Landkreis, die Bürgerinitiative Böhlitz und natürlich die Firma Kafril. Im Vorfeld dieser Veranstaltung war es Holzbergfreund Gerald Krug, der mit seiner profunden Ortskenntnis 14 Alternativstandorte in die Diskussion eingebracht hat. Und nun gibt es doch tatsächlich eine Fachgruppe, bestehend aus Frau Sommer vom Landkreis, Herrn Karnahl als Kafrilchef, Lutz Zybell von den Holzbergfreunden und Christian Krönert von der Bürgerinitiative Böhlitz, die in den kommenden drei Monaten Gespräche mit den jeweiligen Flächeneigentümern führen und eine Bewertung der Eignung der auf der Liste aufgeführten Alternativstandorte erstellen sollen. Dies ist sicher der einzig wirklich erfolgversprechende Weg, welcher echte und dauerhafte Rettung für den Holzberg bedeuten könnte.

Die Veranstaltung Nummer drei fand am 19. November statt. Diese bekommt von mir das Prädikat “DENKWÜRDIG”. Die Leipziger Sektion des Deutschen Alpenvereins hatte zu einer Informationsveranstaltung geladen. Es waren nur Mitglieder zugelassen. Allen anderen Interessierten wurde durch einen Sicherheitsdienst der Zutritt verwehrt!! Selbst auf das Bitten der anwesenden DAV-Mitglieder blieb es beim Hausverbot, so dass einige Holzbergfreunde und die Bürgerinitiative VOR dem Veranstaltungsort mit einem Flyer und Plakaten über den Stand der Entwicklungen informierten. Darüber kann man sich aufregen oder die Schulter zucken, vielleicht auch belustigt sein. Für mich ist diese Vorgehensweise des geschäftsführenden Vorstandes ein trauriges Armutszeugnis. Sich den Argumenten der Verfüllungsgegner zu stellen, macht immer einen besseren Eindruck, als sie auszusperren. Das konnte den Verantwortlichen nur mächtig auf die Füße fallen.

Auch drinnen ging es trotz Aussperrung hoch her! Buchstäblich wie ein Mann haben sich die Anwesenden gegen alle wie auch immer gearteten Pläne des geschäftsführenden Vorstandes gestellt, Kompromisse wie beispielsweise die Tolerierung einer Teilverfüllung einzugehen, um so die Wand für uns Kletterer zu retten. Kompromisse wurden abgelehnt, weil auch eine Teilverfüllung das Biotop zerstören und uns Kletterern ein für alle mal die Freude am Klettern an den herrlichen Wänden des Holzberges gründlich vermiesen würde. Es gab eine solch massive Einvernehmlichkeit der Mitglieder bezüglich der Ablehnung jeglicher auch (Teil)Verfüllungspläne, dass nun niemand mehr im Vorstand des Leipziger DAV gegen diesen Mitgliederwillen agieren kann, ohne einen Aufstand zu riskieren.

Den vor der DAV-Veranstaltung verteilten Flyer könnt Ihr hier ansehen:

Holzberg Flyer BI November 2019

Um dass auch sicherzustellen, wird jetzt ein Arbeitskreis innerhalb der Sektion durch engagierte DAV-Mitglieder ins Leben gerufen. Auch ich habe mich auf die Liste der Mitarbeitswilligen in diesem Arbeitskreis eingetragen und möchte gern das Bindeglied zwischen der Leipziger DAV-Sektion und den anderen Verfüllungsgegnern sein. Denn nach wie vor müssen wir alle Kräfte bündeln und sollten uns auf keinen Fall in Sicherheit wiegen und unseren vermeintlichen Erfolgen zu viel zutrauen. Das habe ich inzwischen in vielen Gesprächen vor allem mit Insidern gelernt.

Was gibt es sonst noch für Neuigkeiten? Nicht so wichtig aber dafür auf ganzer Linie erfreulich ist die Tatsache, dass ich am kommenden Freitag um 19.00 Uhr im Leipziger Komm-Haus in der Selliner Straße 17 meinen Nepal-Vortrag “Königreich der Götter” noch einmal präsentieren darf. Der Kartenvorverkauf läuft schon eine ganze Weile im Komm-Haus und im Stadtteilladen Grünau, Stuttgarter Allee 19. Es werden einige meiner zukünftigen und auch ein paar meiner ehemaligen Nepalgäste kommen, und darüber freue ich mich wirklich sehr. Ich finde es großartig, dass sich über die Jahre so viele freundschaftliche und auch sehr langlebige Beziehungen zu meinen Nepalgästen entwickelt haben. Eine schönere Motivation kann es für mich einfach nicht geben.

Die Tickets kosten im Vorverkauf 8 €, an der Abendkasse 10 €. Ermäßigte Karten kosten auch an der Abendkasse 8 €.

Wir sehen uns also vielleicht am Freitag in Leipzig-Grünau. Ich würde mich freuen.

Sehr freuen würde mich auch, wenn wir noch mehr Unterstützung bei der Holzbergrettung bekämen. Je mehr Leute sich engagieren, umso schwieriger wird es, heutzutage ein wertvolles Biotop zuzuschütten. Wer sich umfassender informieren will, der ist auf unserer Holzbergfreunde-Homepage bestens aufgehoben, oder er kommt am 6. Dezember um 19.00 Uhr in die “Königslinde” nach Böhlitz zur Podiumsdiskussion zum Thema Holzberg und demonstriert dort mit seiner Präsenz seinen Willen, an der Rettung des Holzberges mitzuarbeiten. 

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