Abschied ? Teil 2

Aber dafür mussten wir weiter ohne Pause Seile verlegen. Überhaupt war der ganze schöne Besteigungsplan nur dann realistisch, wenn wir eine ununterbrochene Seiltrasse am Berg haben würden. Die Zeit saß uns im Nacken. Wir mussten dran bleiben. Deshalb sah uns der nächste Tag wieder hoch oben am Berg. Während Helmut und Bernd endlich einen wohlverdienten Ruhetag genossen, war nun der ausgeruhte Teil der Gäste an der Reihe. Andreas, Michael, Daniela sowie Sven und ich machten uns auf den Weg, um nun die beiden Steilstufen des etwa 300 m hohen Eisgrates zu versichern.

Michael erreicht den Cho La-Col. Die letzten paar Meter hinauf hatte ich sicherheitshalber auch ein kleines Seil verlegt. Alles wird hier immer steiler, weil auch der Nirekha in gewaltigen Größenordnungen Eis verliert.

Allerdings lautete das Ziel für Andreas und Michael an diesem Tag vor allem, sich mit dem Gelände und den zu erwartenden Herausforderungen des Gipfeltages vertraut zu machen. Deshalb kehrten die beiden gemeinsam mit Sven nach dem Erreichen des Eisrandes wieder um.

Es war an Daniela, mit mir weiter aufzusteigen, Seile zu tragen und mich vor allem beim Vorstieg abzusichern. Das hatten wir beide beim Eisklettern ja eine ganze Woche lang ausgiebig geübt.

Wir blicken auf den Westgrat hinunter. Die drei Jungs steigen ab, ich beobachte meine Sicherungsfrau am Stand nach der ersten Seillänge im Eis. Noch weiter unten ist der eisbedeckte Cho La-Col zu erkennen.

Wir haben solange versichert, bis uns die Seile ausgingen. Allerdings war das schon so weit oben, dass ich es für durchaus realistisch hielt, die letzten zwei- bis dreihundert Meter Seilversicherung noch am Gipfeltag und dann ganz allein zu bewerkstelligen.

Daniela sichert und fotografiert gleichzeitig, multitaskingfähig eben. (Foto: Daniela Göhler)

Aus über 6000 m, also nur etwa 170 Höhenmeter unterhalb des Gipfels kehrten wir um und stiegen ins Basislager ab. Es war mein fünfter Kampftag in Folge. Nun war ich derjenige, der einen Ruhetag gebraucht hätte.

Doch es kam anders.

Falls sich schon jemand gefragt haben sollte, warum dieser und der vorangehende Beitrag Abschied mit Fragezeichen heißt, der kann sich mal dieses Bild anschauen:

Auf diesem Bild, aufgenommen vom Gokyo Ri mit meiner 5D und einem Teleobjektiv erkennt man sehr deutlich, dass der höchste Punkt vollständig durch eine gewaltige Spalte (roter Pfeil) vom Rest des Eisschildes abgetrennt ist. Es sieht zumindest von weitem so aus, als ob es schwierig bis unmöglich werden könnte, dort hinüberzukommen. Die Route bis zu dieser Spalte (gelbe Linie) wiederum erscheint durchaus kletter- und versicherbar.

Beim Anblick dieses Bildes kam mir unmittelbar in den Sinn, dass nach drei erfolgreichen Touren an den Nirekha diese vierte meine letzte sein könnte und ich mich von diesem Berg verabschieden muss.

2 Antworten

  1. Jens sagt:

    …phuu Olaf – Du machst es, es ist diesmal wirklich spannend. Ich für meinen Teil hatte schon bei dem Yak-Drama kein gutes Gefühl mehr. Und nun ein weiteres Fragezeichen?! Passt bloss auf Euch auf!! LG

  2. Jacob Andreas sagt:

    Spannuuuuung!!!
    Ich will mehr! Mehr News!!
    🙂
    ..oder ich platze!

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