Abschied ? Teil 1

Yaks sind bemerkenswerte Tiere: Stoisch, zäh, genügsam, beim Fressen auch streitbar. Sie gehen ihren Weg unbeirrt, ohne Pause immer mit dem gleichen Tempo. Nicht schnell aber auch nicht langsam. Ich habe Yaks nur in einer einzigen Situation panisch und völlig unkontrollierbar gesehen.

Über die vielen Jahre hatte ich immer wieder andere Yaktreiber. Die Gründe waren ganz verschieden, warum es immer wieder neue sein mussten. Nun ist es wieder soweit. Kharma Rita hat seine Tiere abgegeben und einen Bekannten geschickt, der mich nicht kannte.

Im Schnee! Schnee der ihnen bis an die Brust reicht, in den sie einsinken ohne festen Boden unter den Klauen zu haben. Aber genau dass ist unseren Yaks auf dem Weg von Tagnag ins Basislager des Nirekha widerfahren. Dass der Schnee hier oben noch so hoch liegen würde, damit konnte ich nun wirklich nicht rechnen. Und von einem auf den anderen Augenblick hatten wir gleich einen ganzen Sack voller Probleme.

Hier kann kein Yak gehen. Das war mir klar. Und auch Menschen sind bei diesen Bedingungen bald heillos überfordert. Aber nachdem wir uns unter Einsatz aller Kräfte bis zum Basislager gepflügt hatten, wäre es sehr wohl möglich gewesen, unser Camp mit den Yaks zu erreichen.

Der Yaktreiber war wütend. Vor allem auf mich. Ich hatte ihn und seine Tiere in diese Lage gebracht. Noch Stunden vom Basislager entfernt, lud er unsere Tonnen ab, forderte sein Geld und schwor, auch nicht wiederzukommen, um uns abzuholen. Und als ich ihm dann eröffnete, dass es in diesem Fall auch kein Geld geben würde, drohte die Situation zu eskalieren.

Ich war nun zum vierten Mal hier am Fuße des Nirekha Peaks und bin regelrecht verliebt in diesen einsamen und wunderschön gelegenen Ort.

Ich versprach ihm, dass wir einen Weg durch den Schnee bis zum Basislager graben würden. Dass er sich darauf verlassen könne. Doch nichts half. Er verschwand mit dem Versprechen, garantiert nicht wiederzukommen, wohl aber in Namche auf mich zu warten, um sein Geld einzufordern.

So standen wir nun auf halben Weg zum Basislager mit 17 Gepäckstücken in tief verschneitem, weglosem Gelände und ohne Aussicht, mit unserem Gepäck von dort auch wieder wegzukommen.

Unser Basislager mit dem Blick nach Nordosten. Ganz rechts der Nirekha-Gletscher, der uns zum Einstieg in unsere Route am Cho La-Col führen würde.

Lange Rede kurzer Sinn. Wir kämpften uns bis ins Basislager. Unsere fünf verbliebenen Träger auch. Den Teil unserer Ausrüstung, den wir für die Übernachtung brauchten, trugen wir. Am darauffolgenden Tag holten das Team gemeinsam mit den Trägern den Rest, und ich machte mich auf einen zehnstündigen Marsch nach Machermo und wieder zurück, um bei Freunden neue Yaks zu organisieren.

Kurze Rast auf dem Nirekha Gletscher beim Seiltransport auf den Col.

Meine Freunde in Machermo versprachen, mir zu helfen. Aber selbst sie wollten sich erst mit eigenen Augen davon überzeugen, dass wir tatsächlich einen auch für Yaks gangbaren Weg angelegt haben. Deshalb wollte uns der neue Yaktreiber zwei Tage vor unserer Rückkehr vom Berg nach Tagnag einen Besuch abstatten. Ich war mehr als gespannt, ob das dann eine Woche später auch alles so ablaufen würde.

Doch jetzt plagten uns erst einmal andere Sorgen. Und zwar mit unserem Zeitplan.

Nach diesen ersten beiden doch etwas anstrengenden Tagen wäre eigentlich ein Ruhetag fällig gewesen. Wir aber mussten den verlorenen Tag wieder reinholen. Also schleppten wir alle gemeinsam Seile auf den Cho La-Col, von dem aus die eigentliche Kletterei beginnt.

Hier auf dem Foto ist fast unsere gesamte Aufstiegsroute zu erkennen. Sie führt immer auf dem klar erkennbaren West-Grat entlang, der auf das Eisschild unseres Berges führt und der hier direkt ins Bild hinein zeigt. Nur der eigentliche Cho La-Col ist nicht zu sehen.

Ab hier würden wir etwa 1000 m Fixseile verlegen. Am nächsten Tag musste ich gemeinsam mit meinem Co-Guide Sven damit beginnen, wenn wir unseren Zeitplan einhalten wollten. Und trotz der vorangegangenen harten Tage ließen sich Helmut und Bernd nicht davon abhalten, uns zu begleiten und beim Seiltransport zu helfen.

Durch diese Hilfe schafften wir es, in einem Ruck eine ununterbrochene Seiltrasse bis zum Eisschild zu installieren. Mehr als die Hälfte der Route war also schon an unserem zweiten Tag am Berg versichert und unsere Planung für die kommenden Tage schien wieder halbwegs realistisch zu sein…

 

 

3 Antworten

  1. Simona sagt:

    Das klingt ja alles nach einem spannenden Abendteuer und große Achtung vor Eurer Leistung, ich kann gut einschätzen was Ihr da geleistet habt. Hut :-))) ab vor Dir Olaf, wie Du es immer wieder schaffst, eine Lösung zu finden und diese auch mit dem Team umzusetzen. ….Wie geht es weiter… ich hoffe, Euch geht es gut und Ihr habt Erfolg am Gipfeltag…
    Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf unsere Pakistanreise ….. mit solch mutigen Bergsteigern wird am Ende alles gut und das Erlebnis bleibt fürs Leben. Kommt ja gesund wieder !!!!

  2. Helmut Hartmann sagt:

    Bei der Yak-geht-nach-Hause-Aktion ist bei mir vor allem der Respekt vor den Trägern immens gewachsen. Wie selbstverständlich tragen sie täglich unsere Sachen, teilweise Lasten von 50 und mehr Kilogramm. Immer freundlich und zuverlässig. Jetzt durften wir mal einen Teil unserer Ausrüstung für das Basecamp selbst schleppen, da der Yak-Treiber sich ja entschlossen hatte die Tonnen auf halber Strecke abzuladen. Lächerliche 20-30 KG zusätzlich zu unserem Tagesgepäck: Das war schon eine Herausforderung, zumindest für mich. Aber wir konnten dadurch wenigstens die erste Hürde nehmen und unser Basecamp einrichten. Leider folgten jedoch noch weitere Hürden und Herausforderungen…

    • Susanne Zehe sagt:

      Mit riesengroßem Interesse, Begeisterung und vor allem Respekt verfolge ich Euren Trip. Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen auf Eurer Reise !! Bleibt alle gesund und saugt alle Erfahrungen sowie Eindrücke auf. Denn diese kann Euch niemand mehr nehmen. Ganz speziell Helmut !!!
      Grüße Susanne

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