Aufgeschmissen

Das wären wir wirklich, wenn wir Sebastian und Cristian nicht hätten. Ohne profunde Spanischkenntnisse und ohne sich in die Mentalität der Leute hier einfühlen zu können, wären wir vollkommen chancenlos, den Behördenwust zu stemmen. Und so können wir uns sehr glücklich schätzen, diese beiden Jungs überhaupt auf unserer Seite zu wissen. 

Da war die Welt noch in Ordnung. Links Sebastian, der Leipziger, der hier in Punta Arenas mit seiner Frau ein Hostel führt, in der Mitte Falk und rechts Cristian, der hier ein kleines Touristikunternehmen führt.

Grillabend nach 40 Stunden auf den Beinen. Dafür sieht Falk (Mitte) noch richtig gut aus. Links Sebastian, der Leipziger, welcher in Punta Arenas mit seiner Frau die Hospedaje Magallanes betreibt und rechts Cristian, der hier das Unternehmen Kayak Agua Fresca führt, welches Kajaktouren anbietet.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass vier verschiedene Behörden davon überzeugt werden müssen, dass wir sämtliche geforderte Ausrüstung dabei haben, die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten für unser Projekt besitzen und natürlich die Papiere der jeweils anderen Behörden vorweisen können.

Aber dies sind nicht unsere einzigen Probleme. Wir werden, und dass ist leider unvermeidlich, nicht ohne ein Beiboot die Magellanstraße queren können. Aber ein Boot zu chartern, welches uns begleiten kann, ist hier in Punta Arenas einfach nicht möglich. Denn die unerbittliche Vorgabe der Marine ist, dass dieses Boot groß genug sein muss, um uns UND die Kajaks aufnehmen zu können. Die Fischer aber haben keine Lizenzen für solche Aktionen und andere Boote, die groß genug für die Vorgaben der Marine wären, gibt es hier derzeit nicht.

Er ist hier allgegenwärtig und thront natürlich im Zentrum der südlichsten Großstadt der Welt. Ferdinand Magellan.

Er ist allgegenwärtig in Punta Arenas und thront natürlich im Zentrum der südlichsten Großstadt der Welt: Ferdinand Magellan.

Den Grund dafür hätte ich im Traum nicht für möglich gehalten. Punta Arenas besitzt keinen gut geschützten Hafen. Deshalb warten die Segler mit ihren Booten in anderen Häfen auf Kundschaft. Doch wir konnten nicht damit rechnen, dass wir dieses Problem einmal bekommen würden. Erstens hatten wir uns ja in den Kopf gesetzt, zu paddeln und zwar ohne Netz und doppelten Boden. Und zweitens konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, dass es hier keine als Beiboot geeigneten Wasserfahrzeuge geben würde.

Wir müssen nun, damit es überhaupt losgehen kann, ein Boot aus dem 250 Kilometer entfernten Puerto Natales über den Landweg kommen lassen. Der Wasserweg würde zu lange dauern. Eine andere Möglichkeit gibt es deshalb nicht.

Die Hauptarbeit bei der ganzen Sache hier leistet übrigens Cristian. Er ist unermüdlich für uns unterwegs und hat versichert, dass er selbst das Beibootproblem lösen kann.

Die Hauptarbeit bei der ganzen Sache hier leistet übrigens Cristian. Er ist unermüdlich für uns unterwegs und hat versichert, dass er selbst das Beibootproblem lösen kann.

Das nächste Problem sind die kommenden für uns äußerst ungünstig fallenden Sonn- und Feiertage. Morgen, am 31. Dezember rechnen wir nicht damit, dass die Behörden arbeiten. Am 1. Januar sowieso nicht und dann ist Wochenende. Der 2. Januar ist ein Samstag und der dritte ein Sonntag. Wir müssen also unbedingt heute alles erledigen, sonst verlieren wir vier volle Tage. Dies tatsächlich zu schaffen, ist nur schwer vorstellbar.

Auch mit den Kajaks gibt es Verzögerungen, für die niemand wirklich etwas kann. Das wichtigste aber ist: Sie sind definitiv in Punta Arenas. Ich bin Manuela Junkers von der Firma CEVA Freight Germany GmbH überaus dankbar für ihre Mühe, die sie sich mit uns gegeben hat. Ich weiß nun umso besser, wie schwierig dieses außergewöhnliche Cargo gewesen sein muss.

Sie haben ein wirklich imposantes Schild an ihrer Tür. Soviel steht fest.

Sie haben ein wirklich imposantes Schild an ihrer Tür. Soviel steht fest.

Das Schiff ist allerdings etwas verspätet in Punta Arenas eingetroffen, so dass erst gestern mit dem Entladen begonnen wurde. Heute nun sollen unsere Boote dran sein, weil erst die Container vom Schiff kommen, die nicht noch einmal angefasst werden müssen. Die Container, welche selbst auch ausgeladen werden, sind als letzte dran. So jedenfalls unsere Informationen. Deshalb müssen wir auch das heute noch hinbekommen, weil vielleicht morgen Silvester gefeiert wird?

Jener, der entschieden hat, dass wir unsere Besteigung machen dürfen, war dieser schwerbewaffnete Elitepolizist. Alles ein wenig martialisch hier.

Jener, der letzten Endes entschieden hat, dass wir unsere Besteigung machen dürfen, war dieser schwerbewaffnete aber trotzdem sehr freundliche Elitepolizist. Alles ein wenig martialisch hier. Nur zum Verständnis: Hier ging es nur um die Bergbesteigung.

Es ist also alles schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Aber wenn irgendeiner das alles trotz der Probleme hinbekommt, dann Sebastian und Cristian. Und wir haben auch schon Erfolge beim Kampf mit der Bürokratie errungen, denn das wichtigste von den Papieren, nämlich unser Permit für den Monte Sarmiento, haben wir bereits. Denn auch wenn es manchmal vielleicht nicht so aussah. Er ist und bleibt unser eigentliches Ziel.

Normalerweise dauert die Bearbeitung bei der DIFROL (Direccion Nacional de Fronteras y Limites del Estado) mindestens einige Tage, wenn nicht Wochen. Wir vermuten, dass wir irgendeine Hilfe von außen hatten, von der wir nicht wissen, wer es war. Vielleicht der Botschafter, an den wir uns ja gewandt hatten? Auch den Termin bei den Carabineros, bei dem wir unsere Ausrüstung vorzeigen müssen, haben wir heute schon erfolgreich und ohne Stress absolviert. Bleibt der Nationalpark, die Marine und das Boot.

Unser Permit kam per Mail aus Santiago de Chile. Diese Behörde sitzt also gar nicht hier vor Ort. Dass wir dieses Permit haben, ist ein großes Glück, weil wir das für alles andere brauchen. Und alles andere ist eben hier vor Ort ansässig.

Unser Permit für den Berg kam per Mail aus Santiago de Chile. Sebastian hat es ausgedruckt. Die ausstellende Behörde sitzt also gar nicht hier vor Ort. Dass wir dieses Permit nun haben, ist ein großes Glück, weil wir das für alles andere brauchen. Und alle anderen Anlaufstellen sind eben hier vor Ort ansässig.

Nebenbei versuchen wir, das noch fehlende Essen einzukaufen, Gaskartuschen aufzutreiben, Briefmarken für die Grußpostkarten zu besorgen und auch noch das ein oder andere Foto zu schießen, denn das Wetter ist noch immer geradezu unverschämt schön. Für letzteres fehlt momentan allerdings die Ruhe.

Wir können aber wenigstens versprechen: Es bleibt die nächsten Tage sowas von spannend…

 

 

1 Antwort

  1. Veronica sagt:

    Prima, die erste Hürde ist genommen, die anderen werdet ihr auch noch schaffen!! Ich drücke auf jeden Fall die Daumen dafür!

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