Das große Fressen

Wenn ich so an mir heruntersehe, wenn ich nackt in der Abwaschschüssel in unserem Messzelt eine sogenannte Pocketshower (Schüssel mit Wasser plus Tasse) genieße, dann bin ich zufrieden. Ich schätze, so um die acht Kilo sind weg. Sogar die Schwalle am Bauch muss gewisse Einbußen verkraften.

Aber es lauert Gefahr. Die letzten Tage auf Expedition, also die Tage bevor die Träger eintreffen, wird entweder gehungert, wenn zu knapp mit der Nahrung kalkuliert wurde, oder das genaue Gegenteil. Besonders dramatisch wird es, wenn Hochlagernahrung übrig ist. Und in unserem gegenwärtigen Fall ist das so. Wir verbrachten weniger Nächte pro Person in den Hochlagern als geplant. Thomas, zum Beispiel, konnte gar nicht im Lager 2 übernachten und war nur drei Nächte im Lager 1. Ausserdem hatte Janina, die für das Essen verantwortlich war, überreichlich kalkuliert.

Mein Zelt im Basislager. Im Hintergrund der herrliche noch unbestiegene 6800 m hohe Amphu Peak. Ein absolutes Traumziel, wenn ich es mir recht überlege. Und was das Beste an ihm ist: Er steht auf der Liste der freigegebenen Berge.

Das bedeutet nun, dass extrem leckere Sachen ziemlich dringend aufgegessen werden müssen. Vieles, wie die besonders schmackhaften Sachen, also Schwarzbrot, Wurst, Käse, Nüsse, Trockenfrüchte, diverse Tuben mit Nuss-Nougatcreme, Majonaise, Käse usw., kann nicht bis zum nächsten Jahr aufbewahrt werden.

Auch Maila, unser Koch, ist sehr daran interessiert, dass noch möglichst viel von seinen Vorräten aufgebraucht wird. Die gesamte Mannschaft muss mit Sack und Pack über den 5800 m hohen Amphu-Pass. Jedes Kilo ist da zuviel. Also tischt auch er derzeit Unmengen an teilweise sehr leckeren Sachen auf.

Lunchzeit in unserem blau-gelben Messzelt. Es gibt gebratenen Reis mit Gemüse, dazu Käse und gebratenes Frühstücksfleisch. Dazu verabreichten wir uns noch Knäckebrot und Pumpernickel mit Majonaise aus der Tube.

Tja und dann das: Mein Körper, und bei den anderen scheint das ganz genauso zu sein, verlangt jedes der verlorengegangenen Kilos doppelt und dreifach zurück. Und zwar mit Macht! Ich wache nachts auf, weil ich solchen Hunger habe. Das Gefühl, permanent essen zu können oder gar zu müssen, ist ständig präsent. Und gerade jetzt, wo ich das schreibe, sowieso…

Ständig muss ich hier gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen. Sei es nun am Berg oder im bequemen Basislager an diversen Futtertrögen.

Maila ist ein großer Kartenspieler. Überhaupt ist Kartenspielen die Hauptfreizeitbeschäftigung unserer Basislagermannschaft.

Heute abend soll es nun soweit sein. Wir erwarten die Träger. Aber werden sie auch kommen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie die enorme Distanz von Lukla bis zu uns in drei Tagen bewältigen sollen.

Wenn sie es schaffen, dann werden wir morgen einen überlangen Tag haben. Von unserem Basislager wollen wir über den Pass bis nach Chukhung laufen. Vorher müssen wir aber noch das gesamte Lager räumen. Ich bin sehr gespannt auf diesen Tag und vor allem auf den Pass. Ich habe schon hunderte Male vom Basislager des Island Peaks zu ihm hinüber geschaut und mich gefragt, wie und wo er wohl zu überwinden sei. Wenn alles gut geht, dann ist es bald soweit mit der Antwort.

4 Antworten

  1. Katrina sagt:

    Hallo, Ihr Lieben,

    Amphu Peak?? Erahne ich da die nächste Expedition?? – er ist wunderschön, das muss ich sagen. Musste gerade soooo lachen über Eure (Fr)esserei – ja ich kann mir gut vorstellen, dass der Körper sich nun alles zurückholen will. Schön, Euch so entspannt zu sehen und dass alle gesund und wohlauf sind. So wünsche ich Euch, dass alles weitere ebenso planmäßig und gut organisiert verläuft, herrliche Ausblicke in die Welt der Eisriesen, gute Wetterverhältnisse und eine tiefe innere Einkehr in Euer Selbst,

    mit herzlichem Gruß und auf bald,
    Katrina

  2. Thomas Schmidt sagt:

    Hallo allerseits,

    Ich freue mich für euch und hoffe, ihr könnt das schöne Essen troztdem genießen !!
    Was den Amphu Pass angeht, so rate ich euch das auf 2 Tage aufzuteilen. 2 Gründe sprechen dafür:
    1) Die Träger werde, von Lukla kommend, reichlich ko sein und der Pass ist gerade für sie (ohne Steigeisen?) sehr anspruchsvoll
    2) Den Pass ist (war letztes Jahr) überwiegend einfach, weil es gibt eine schöne Spur, die nach und nach die Eisterassen herauf führt und technisch (bis auf eine kleine Stelle ziemlich am Anfang) einfach zu gehen ist. Aber auf der anderen Seite ist es sehr steil und es muss am Fixseil alles runter. Das dauerte bei uns damals schon relativ lange und bei eurem Gepäck wird es noch länger brauchen. Von daher würde ich es nicht machen, falls ihr später als 11 Uhr an den Eisterassen ankommt…

    Bin mal gespannt, ob du (wo du doch schon so oft dort warst) den Island Peak vom Pass aus erkennen kannst. Wir haben ihn damals nicht gesehen, obwohl er doch direkt zwischen uns und Lhotse war 🙂

  3. Jörg sagt:

    Schön wieder von euch zu hören nach dem “Funkloch”!
    Schatz, dass hast du richtig gemacht mit dem Essen! von wegen überreichlich! In der Saukälte ewig Ausrüstung bis sonstwohin schleppen und wieder zurück und sich bei der gleichen Saukälte die Nächte um die Ohren schlagen! – Da muss man doch wenigstens die Gewißheit haben, dass das Futter nicht ausgeht und auch genügend Leckerli am Start sind. Und außerdem braucht ihr ja für den Rückweg auch noch ordentlich Körner im Tank. Also noch einen entspannten und schönen Rückmarsch, viele Grüße Vati

  4. Wolfhard Hammer sagt:

    Hallo Olaf, meinen verspäteten Glückwunsch zum Gipfelsturm. Ich habe fest an euern Erfolg geglaupt, deshalb mein vorheriger Glückwunsch nach dem gescheiterten 1. Versuch. Ihr könnt voller Stolz nochmal nach der Sättigung auf den Gipfel hinaufschauen. Erholt euch gut und sammelt Kraft für den Rückweg. Ein Spruch von Gikuyu hat eben Bestand:“ Versuchen heißt Erfolg haben“ Übrigens Dankeschön für die schöne Grußkarte, liebe Grüße an alle Wolfhard

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