Expeditionslogistik

Das wird wohl die eigentliche Herausforderung bei meiner nächsten Expedition. Wie bekomme ich die Ausrüstung an vier verschiedene Gipfel? Unter anderem darum ging es bei unserem vorletzten Expeditionstreffen bei Thomas. Er hatte für uns gekocht. Was Jungs heutzutage so alles können müssen.

Das wichtigste Ergebnis meiner Vorarbeit als Verbindungsmann zu unserer Agentur in Nepal ist, dass wir unsere nepalesischen Freunde davon überzeugen konnten, einen längeren Anmarsch zu unserem Berg zu wählen. Die ganze Sache wird nun zwar für alle Beteiligten schwieriger. Der Aufwand wird größer und damit steigen die Kosten. Doch es nützt niemandem, wenn wir höhenkrank an unserem Berg ankommen. Die Flugtermine stehen fest, der Finanzbedarf ist so gut wie möglich kalkuliert. Die Eckpunkte der 42tägigen Tour zum Baruntse sind damit also fixiert. Nun konnten wir mit der Besprechung der Details beginnen. Und da vergehen vier Stunden wie im Flug.

Janina, Kathleen, Christoph und ich bei Thomas in der guten Stube. Thomas hat fotografiert. Kathleen, die Freundin von Thomas, wird uns bis zum Basislager des Baruntse begleiten. (Schon die Suppe war wirklich lecker.)

Was es da nicht alles zu klären gibt: Finanzen, Grußpostkarte, Verantwortlichkeiten, Hochlagernahrung, Versicherungen usw. Doch vor allem stand bei diesem Treffen die persönliche Ausrüstung im Vordergrund. Was ist unbedingt nötig, was ist zweckmäßig, was ist Luxus? Je mehr Gepäck wir haben, desto teurer wird die ganze Sache. Für mich ist es immer wieder von Neuem interessant, zu erleben, wieviel Erfahrung sich bei mir gerade hinsichtlich der Ausrüstung am Berg angesammelt hat.

Auf einer Trekkingtour, bei welcher jeder Tag an einem Ofen in einer Lodge endet, ist es nicht so schlimm, wenn mal etwas fehlt. Muss man aber wochenlang in Lagern am Berg ausharren, sollte sich jeder tunlichst Gedanken machen, wie er seine Füße und seinen Hintern in einem Messzelt stundenlang warm hält, ohne Ofen und bei einer Aussentemperatur von 10 Grad unter Null. Welche Daunenjacke er wählt, für welches Schuhwerk er sich entscheidet auf dem Anmarsch, im Basislager, im Zelt, am Berg, in Kathmandu? Hosen sind auch immer so ein Problem. Ist eine Daunenhose nötig? Eine wasser- und vor allem winddichte Goretexhose? Ein, zwei oder drei Unterhosen? Kann die Hose auf dem Anmarsch dieselbe sein wie auf dem Berg? Dann kommen die Handschuhe, die Brillen, der Rucksack usw.

Dieses Bild soll verdeutlichen, dass die persönliche Ausrüstung nur der viel kleinere Teil des Ausrüstungsproblems ist. Ach so und der unwichtigere auch, wenn man gegen die Unwägbarkeiten an einem Himalayariesen gewappnet sein möchte.

Man kann die einzelnen Ausrüstungsgegenstände eins ums andere durchgehen und bei jedem stundenlang diskutieren. Und das haben wir auch gemacht und sind damit natürlich nicht fertig geworden. Und ständig bewege ich mich bei meinen Ratschlägen auf dünnem Eis. Alles hängt schließlich von den Verhältnissen ab, von den eigenen Vorlieben, von der individuellen Kälteempfindlichkeit usw. Eigentlich helfen nur die selbst gemachten Erfahrungen, um herauszufinden, was man bei einer solchen Unternehmung nun wirklich braucht und worauf man verzichten kann.

Am 28. Januar gibt es das nächste Treffen, diesmal bei mir. Es wird unser letztes Treffen sein. Jedenfalls das letzte mit mir. Denn schon wenige Tage später werde ich mit meinen Gästen nach Nepal aufbrechen. Ich freue mich sehr darauf, fast schon ein bisschen zu sehr. Warum ist das so? Bald habe ich fast 100 Tage Zeit, in Ruhe darüber nachzudenken.

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