Ansichten

Ansichtssachen sind die Dinge, über die man sich nicht einigen kann. Zum Beispiel, welches der schönste Berg oder der schönste Bergblick der Welt sein könnte. Man muss natürlich viele schöne Berge gesehen haben, um sich diesbezüglich ein Urteil bilden zu können. Ich hab schon viele gesehen: K2, Mustagh Tower, Pumo Ri und allen voran die unvergleichlich schöne Ama Dablam. Zu jener hab ich auch noch eine besondere Beziehung, weil ich sie als Jahreserster 2006 bestiegen habe.

Aber heute morgen kamen meinen Ansichten, den schönsten Berg der Welt betreffend, ganz erheblich ins Wanken. Heute morgen hatten wir das wohl extrem seltene Glück, die Gruppe um den Fitz Roy frei und im allerbesten Licht des Tages bewundern zu können.

Fitz Roy

Wenn der Berg denn überhaupt sichtbar ist, gibt es nur für wenige Minuten ganz zeitig am Morgen dieses Licht. Von links nach rechts sind folgende Gipfel sichtbar: Saint Exupery, Rafael Juarez, Poincenot, Fitz Roy.

Die Gipfel hier kommen mir vor wie Frauen, die ihre Schönheit hinter dicken Schleiern verbergen müssen. Wenn überhaupt, ist es Zufall, wenn man etwas zu sehen bekommt. Wir hatten heute einfach ungeheures Glück, waren aber auch zur rechten Zeit am rechten Ort und haben uns nicht gescheut, zeitig genug draußen zu frieren.

Das besondere an diesen Gipfeln ist nicht nur ihre bizarre Form und Farbe sowie ihre extreme Steilheit. Man kommt relativ nah an sie heran und steht dann immer noch weit unten. 2800 Meter Fels ragen dann vor einem aus der Landschaft. Das ist ungeheuerlich. Der Fitz Roy ist nur 3406 Meter hoch. Aber trotzdem schlägt er sie alle. Für mich gibt es nun einen neuen Favoriten!

Fitz Roy mit strahlendem Sonnenschein

Aber auch am Abend im Gegenlicht ist die Gruppe um den Fitz Roy eine Offenbarung. Man kann nicht aufhören, auf den Auslöser zu drücken. Eine Stimmung ist dramatischer als die andere.

Wir waren die drei vergangenen Tage draussen und haben uns mit den Gegebenheiten bezüglich einer Besteigung des Fitz Roy beschäftigt. Nach einem Besuch im Basislager am Rio Blanco sind wir zu einem kleinen Gipfel aufgestiegen, von dem man den ersten Teil des Zustieges zum Wandfuss studieren kann.

Dann haben wir auch noch einen Abstecher zum Cerro Torre gemacht, den wir natürlich auch noch unbedingt sehen wollten. Aber er ziehrte sich natürlich. Außerdem muss man auch ihn, wenn man sich an seiner Ostseite aufhält, am Morgen sehen. Nur dann gibt es das ultimative Licht. Aber ich werde natürlich alles daran setzen, auch diese Schönheit noch unverschleiert vor mein Objektiv zu bekommen.

3 Antworten

  1. Brigitte Bayr sagt:

    Lieber Olaf, bin aus Nepal zurück und habe gerade Deine gesammelten Erlebnisberichte verschlungen, sehr eindrücklich….gratuliere zu dieser gewaltigen Energieleistung und wünsche Dir noch einige Tage schönes Wetter für viele schöne Fotos!

  2. Jörg und Ina sagt:

    Bilder bei denen einem die Luft wegbleibt, wie von einem anderen Planeten….

  3. Ines Freyer sagt:

    danke für die wundwerschöne Karte, die Bilder offenbaren, was wir alles noch nicht gesehen haben, deshalb immer auf zu neuen Ufern, wir wünschen Euch noch viele solche klaren Tage, so daß es uns die Sprache verschlägt……
    mit sportlichen Grüßen Ines Freyer

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