Fachübungsleiterausbildung Hochtouren abgeschlossen

Learning by doing ist sicher eine gute Sache. Das habe ich nun schon fast 20 Jahre so gemacht. Mein erster Lehrmeister war Volker Andreas 1988 und 1989 im Tienschan und auf dem Pik Energie im Fan Gebirge. Von Reinhardt Tauchnitz durfte ich 1995 am Gasherbrum II lernen und am allermeisten von Dieter Rülker 1999 am Cho Polu. Das Klettern und Schlingenlegen in der Sächsischen Schweiz haben mir Lydia und Frank Schubert beigebracht. Viele andere, von denen ich abschauen durfte, kann ich hier gar nicht aufführen.

Hajo Netzer (li) und Mathias Huber (re), unsere beiden Bergführer vom Bundeslehrteam, während der Prüfung im steilen Eis.

Ganz viel habe ich mir auch selbst durch Versuch und Irrtum angeeignet auf meinen unzähligen Touren im Himalaya und Karakorum, in den Alpen und in der Arktis. Und manchmal hatte ich einfach nur enormes Glück, dass meine Irrtümer nicht folgenreicher ausgingen. Hätte ganz am Anfang meiner bergsteigerischen Laufbahn eine fundierte Ausbildung gestanden, wäre mir vieles erspart geblieben. Dummerweise wird aber vom DAV in München ein sehr ausführlicher und mit anspruchsvollen Touren versehener Tourenbericht verlangt, ehe man überhaupt zu einer Fachübungsleiterausbildung Hochtouren zugelassen wird. Für mich ist das ein fast schon unauflösbarer Widerspruch!

Vorstieg im Steileis auf dem Taschachferner.

Ich hätte also schon viel eher diese Ausbildung beginnen sollen, die ich nun gerade abgeschlossen habe. In vier sehr anspruchsvollen Lehrgängen habe ich mich im vergangenen und diesem Jahr zum Fachübungsleiter für Hochtouren ausbilden lassen. Von der Ausrüstungs- und der Wetterkunde, über Orientierung, Sicherungstheorie, Bergrettung, Erster Hilfe, Lawinen- und Gletscherkunde bis hin zum Tuning seiner Eisgeräte wurden wir von den Bergführern des Bundeslehrteams in hervorragender Qualität unterrichtet. Sowohl im alpinen Felsklettern, im Steileisklettern, in der Vertikalzackentechnik als auch ganz besonders während einer Reihe ganztägiger Übungstouren in Fels und Eis, gab es unzählige Tipps und Tricks und hohe Ansprüche während der viertägigen!! Prüfungen. Ganz besonders groß war der Bammel vor den zwei Touren, während derer unsere Führungstechnik geprüft wurde. Sicherheitsfehler im Absturzgelände passieren schneller als gedacht und schon darf man noch einmal antreten. Aber es hat alles gut geklappt.

Die theoretische Prüfung erinnerte mich an alte Zeiten. Alles wurde sehr ernst genommen. Aber Fotografieren war natürlich erlaubt!

Besondere Motivation für mich, diese Ausbildung zu beginnen, war vor allem auf den neuesten Stand zu kommen, was die technische Ausrüstung und die derzeit gültige Lehrmeinung des Deutschen Alpenvereins anbelangt. Das ist mehr als gelungen. Denn nebenbei habe ich auch sehr viel von den Bergführern lernen beziehungsweise abschauen können. Das geht schon los, bei dem, was sie so an ihrem Gurt hängen haben, was sie anziehen oder was sie alles an Sicherung weglassen, wenn es mal sehr schnell gehen muß. Das Fazit ist also äußerst positiv, und ich kann mich nur bei meiner Alpenvereinssektion hier in Leipzig bedanken, dass sie mich bei dieser Ausbildung unterstützt hat.

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