Auftrieb

Das werde ich nicht mehr los. Irgendwann wird mich das noch umbringen. Wochen- und monatelang beschäftige ich mich mit einem Berg, schaue Bilder von ihm an, lese noch recht unemotional Berichte von anderen Bergsteigern. Aber ist es dann soweit, und er ragt plötzlich leibhaftig vor mir auf, macht sich gefährliche Euphorie breit.

So geschehen am Montag (05.08.). Wenn sich eine Bergschönheit wie der Laila Peak wie ein Model auf dem Laufsteg präsentiert, dann ist es in diesem Moment um mich geschehen. Sie lockt mich sirenengleich, nur dass mich niemand an irgendeinen Mast gebunden hat. Mir ist als wäre ich in das Kraftfeld dieses Riesen geraten, welches mich nun unaufhaltsam anzieht.

Die Träger aus Hushe seien viel zuverlässiger, stärker und freundlicher als die aus Askole, meint Zahid. Sie haben unsere Sachen auf jeden Fall in nur einem Tag hierher getragen, und das ist selbst für diese Profis aller Ehren wert und ein stattliches Trinkgeld sowieso.

Doch der Reihe nach. Von Skardu aus sind wir am vergangenen Samstag (03.08.) mit zwei Jeeps in sechs Stunden nach Hushe gefahren. Kein Vergleich übrigens mit der Fahrt nach Askole. Eine regelrechte Erholung, vor allem für Fahrer und Jeep.

Die große Überraschung gab es dann am nächsten Morgen früh um 5 Uhr. 30 Träger standen vor unserer Herberge, schulterten die schon am Abend zurechtgewogenen Lasten und marschierten los. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt.

Normalerweise dauert das Wiegen und Aufteilen der Lasten auf die Porter viele Stunden. Aber, das habe ich nun gelernt, mit einer Portion guten Willens und einem charismatischen Basislagerboss wie unserem Zahid geht das auch anders.

Der nächste Grund zu großer Freude bei uns dreien war die Tatsache, dass die Träger ganz selbstverständlich an Saicho, wo normalerweise die erste Nacht auf dem Weg zum Gondogoro Pass verbracht wird, vorbei liefen.

Die Nordostseite des Laila zieht alle Blicke auf sich, wenn man vom Gondogoro Pass in Richtung Hushe absteigt. Wir allerdings haben unser Basislager genau auf der anderen Seite des Berges aufgeschlagen. Für dieses Foto bin ich weit gelaufen. Aber es hat sich gelohnt.

Klar ist es keine schlechte Sache für die Träger, an einem Tag zwei oder sogar drei Tagessätze zu verdienen. Der Rückweg wird selbstverständlich auch bezahlt. Unsere Träger mussten dazu auch nicht überredet werden. Nur fragte ich mich einmal mehr, wo diese Leute die Ausdauer und ihre eiserne Härte hernehmen.

Dalsampa ist von Hushe aus das Ziel der zweiten Etappe zum Gondogoro Pass, und hier haben wir auch unser Basecamp aufgeschlagen. Ein wunderschöner Ort mit Blick auf die Südostseite des gewaltigen Masherbrums und zwei kleinen Seen.

Doch zum Genießen und Ausruhen bleibt uns nun wirklich keine Zeit. Fast 14 Tage haben wir insgesamt mit dem Warten auf die Ausrüstung am Hidden Peak und dem verlängerten Anmarsch hierher verloren.

Nur etwas über 4000 m hoch gelegen ist dieser Platz hier geradezu märchenhaft. Ebene Zeltplätze, sauberes Wasser, atemberaubende Bergblicke, nur leider auch am Weg zum Pass gelegen.

Trotzdem wollten wir uns zu aller erst einen Überblick verschaffen. Es gibt verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten am Laila, die wir an unserem ersten Tag hier in Augenschein nehmen wollten. Dazu unternahmen wir einen langen Ausflug von der West- auf die Ostseite des Berges. Außerdem war ich natürlich scharf auf das Foto oben von der klassischen Nordostseite unseres Berges. Am Abend wurden dann noch die Rucksäcke gepackt, denn schon für den nächsten Tag (06.08.) hatten wir uns vorgenommen, dass fast 1500 m höher gelegene Lager 2 einzurichten und auch gleich eine Nacht dort oben zu verbringen.

Ein sehr langer, anspruchsvoller und leider nicht ganz ungefährlicher Weg stand uns bevor. Und wir waren uns auch alles andere als sicher, ob wir auf Anhieb den richtigen Weg finden würden.

Mehr als genug Stoff also für die nächste News.

3 Antworten

  1. Veronica sagt:

    Was für ein tolles Foto vom Laila Peak! Ich wünsche euch viel Erfolg und hoffe, dass ihr bald oben steht (kann man auf dieser spitzen Spitze überhaupt stehen?)

  2. Kai Bittner sagt:

    Hallo Ihr drei,

    es freut mich zu hören dass es am 2.Berg (welcher ja eigentlich der Erste sein sollte) zumindest erstmal bei den Basics…läuft wie am Schnürchen. Das Wetter sieht zumindest auf den Bildern auch tadellos aus. So hat das der geneigte Höhenbergsteiger doch sicher gern.
    Der Laila ist ein Traum…gibt es dort oben eigentlich eine Art kleines Gipfelplateau?…sieht eher so aus, als müsste jeder einzeln oben stehen…spektakulär.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg…diesmal hoffentlich zu dritt, stabilstes Wetter…und freue mich auf neue Nachrichten.
    Be carefully and came back healthy.

    Beste Grüße aus dem Erzgebirge

    Kai

  3. Daniela sagt:

    Der Anblick dieses Berges – und die Vorstellung wie ihr Drei ihn erobert – nimmt einem wirklich den Atem (bzw. situationsgerecht den Wind aus den Segeln). Ich kann die Leidenschaft sehr gut verstehen! Die Psychologie des Newsschreibens beherrschst du perfekt, lieber Olaf. Wenn es am Spannendsten ist, soll man aufhören… Fingers crossed! Daniela

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