Außenstehende?

Ein langer Tag neigt sich dem Ende entgegen. Es ist zwanzig nach Sieben Uhr. Meine Gäste gehen ins Bett, was überhaupt nichts ungewöhnliches ist. Wir waren heute im Basislager des höchsten Berges der Welt, also auf den Höhen von Renjo und Cho La-Pass unterwegs. Das macht müde. Ich bin es auch.

Die letzten Schritte bis die Passhöhe des knapp 5400 m hohen Cho la endlich erreicht ist.

Aber eine neue News muss sein. Also sitze ich vor dem Rechner, und das erste was mir gerade einfällt, wenn ich an die vergangenen drei Tage denke, ist ein Kommentar. Die Tochter von Anne hat ihn unter den schönen Text ihrer Mutter geschrieben. Darin meint sie, dass unsere Reise für Außenstehende schwer zu begreifen sei.

Ganz oben am Sattel des knapp 5400 m hohen Cho La Pass überqueren wir einen kleinen Gletscher. Ganz unschwer und ohne Ausrüstung problemlos machbar.

Für Außenstehende? Wer ist damit gemeint? Gibt es jemanden, der sich nicht wünscht, die gewaltigsten und schönsten Berge unseres Planeten zum Greifen nah zu erleben? Vielleicht scheut man sich vor den Anstrengungen und will auf den gewohnten Komfort nicht verzichten? Das muss man hier. Und Anstrengung war und ist noch immer auf unserem Weg zu den Weltbergen das tägliche Brot. Manch einem ist dieser Preis zu hoch. Das kann ICH begreifen.

Auf dem Abstieg vom Cho La zur 4900 Meter hoch gelegenen Alm Dzongla gehen wir auf die Nordwand der unvergleichlichen Ama Dablam zu. Und dann noch bei bestem Fotolicht 🙂

Doch wenn man das alles auf sich nimmt, dann ist der Lohn groß. Was ich damit meine, kann ich nur schwer erklären. Dazu muss man sich selbst aufmachen, um ihn bekommen zu können. Aber vielleicht zeigen ja die Fotos in diesem Text so ein wenig, was ich meine.

Am nächsten Tag auf dem Weg nach Gorak Shep kommen wir an der Nordostwand des Taboche vorbei. Obwohl nur ein Sechstausender mindestens genauso beeindruckend wie der Everest selbst!

Wir haben mit dem Cho La inzwischen Pass Nummer zwei überschritten. Wieder waren das Wetter und die Bedingungen auf unserem Weg geradezu perfekt. Die Berggötter sind wahrlich mit uns. Und heute hatten wir den nach meinem Gefühl großartigsten Tag der gesamten bisherigen Reise.

Wir sind gerade in das Khumbutal eingebogen. Wieder neue Bergblicke vom allerfeinsten: Links der  Pumo Ri, dann Lingtren, Khumbutse, Changtse, Nuptse.

Wir sind von dem 5200 Meter hoch gelegenen Gorak Shep, wo wir Quartier genommen haben, in das Basislager des Everest gewandert. Ein magischer Ort! Nicht nur, weil man den Berg-Giganten so unglaublich nahe kommt. Auch nicht, weil dieses Lager ja fast schon heiliger Boden ist, wenn man bedenkt, dass die ganzen Titanen des Alpinismus von Edmund Hillary über Reinhold Messner bis zu den modernen Speedkletterhelden á la Ueli Steck diesen Boden betreten haben.

Sieht so der perfekte tibetische Grunzochse, auch Yak genannt, aus?

Hier kann man auch hautnah einem Gletscher begegnen, wie man dazu nur selten die Gelegenheit bekommt. Wir sind heute durch die makellosen, haushohen Eis-Pinnacles des Khumbugletschers gewandelt, und es war für mich einfach nur sehr beglückend, wie sich meine Gäste darüber gefreut haben. Es war vor allem deshalb für mich so ein toller Tag.

Hier ist man wirklich nicht alle Tage. Mitten im Labyrinth der makellosen Eistürme des Khumbugletschers.

Morgen nun wartet die letzte Herausforderung auf uns. Leider klappt es wieder nicht, mit der ganzen Gruppe und den drei Pässen. Aber wenn man sich traurigerweise erkältet hat, dann ist so eine Passüberschreitung eben keine gute Idee.

Wir melden uns das nächste Mal aus dem vierten Khumbutal und vielleicht auch als frischgebackene Chukhung-Ri-Bezwinger. Und ganz großartig wäre ja, wenn uns das schöne Wetter auch noch die letzten Tage treu bliebe…

 

1 Antwort

  1. Veronica sagt:

    Fantastische Bilder! Und natürlich drücke ich die Daumen, dass das Wetter hält!!!

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