Vom Winde verweht

Wurden wir nicht. Er war halb so schlimm mit dem Sturm, und wir hatten uns ja vorbereitet. Auch für den Regen waren wir gewappnet. Das Problem kam wieder aus einer anderen Richtung.

Doch dieses Mal wurden wir nicht einfach so überrascht. Der Wind kommt hier meist aus West oder Nordwest. Er weht also in den Agostini Fjord hinein. Und das führt dazu, dass die Wasserstände bei Flut plötzlich viel höher als normal sind.

Hier sieht man deutlich die höchste Flutlinie vor unserem Lager. Jetzt gibt es eine neue.

Wir schätzen das immer an den Ablagerungen am Strand ein. Manchmal gibt es vier oder fünf solcher Ablagerungslinien. Unser Zelt muss immer höher stehen als die höchste dieser Linien. Wenn allerdings plötzlich eine neue höchste Flutlinie aufgemacht wird, dann bekommen wir ein Problem.

Also haben wir uns in der Nacht den Wecker gestellt, um uns vom Fluthöchststand nicht überraschen zu lassen. Und tatsächlich gab es gestern Nacht Wasserstände, die um ein Haar an unsere Zelte heranreichten. Dazu gab es auch noch den starken Wind mit den entsprechenden Wellen. Aber wir mussten zum Glück nicht Hals über Kopf ins Hinterland flüchten, weil unser Platz gut gewählt war.

Es gab sie tatsächlich, die Ruhe vor dem Sturm. Bei einem Ausflug zum Barbara-Gletscher wehte buchstäblich kein Lufthauch.

Heute geht es wieder eine Etappe weiter. Wir wollen zum Monte Buckland, der womöglich zweitschönste Berg hier in Feuerland. Hoffentlich bekommen wir ihn auch zu sehen. Doch derzeit sieht es ganz gut aus. Es könnte, so wie es scheint, sogar ein halbwegs schöner Tag werden, zumindest ohne Sturm. Es regnet derzeit auch nicht. Nach 48 Stunden Dauerregen auch mal ganz nett.

Tja und dann geht unsere Zeit hier unaufhaltsam dem Ende zu. Die Nahrungsvorräte werden langsam knapp. Jedenfalls meine. Falk lebt ja irgendwie auch von Luft.

Lagerfeuerromantik gab es nur ein einziges Mal während dieser Reise. Der Grund ist leicht zu erraten: Zu nass und zu windig. Aber das Foto zeigt auch den Abend vor dem Sturmtief. Es war wirklich eine sonderbare Stimmung.

Ich weiß jetzt schon, dass ich sehr wehmütig sein werde, wenn es wieder Richtung Punta Arenas geht, denn diese Zeit hier draußen war etwas ganz besonderes. Gerade das einsame und einfache Leben in dieser wilden und rauen Urnatur entspricht mir irgendwie sehr. Ich komme hier sehr gut zurecht und kann mich an allem und jedem erfreuen. Und wenn ich tagelang im Zelt bleiben muss, dann macht mir das erst recht nichts aus, weil ich von morgens bis abends lauter Dinge tun kann, zu denen ich zu Hause immer seltener komme. Zum Beispiel lesen oder eben schreiben.

Und jetzt drängt sogar schon wieder die Zeit, denn es ist nach all dem Wind gerade recht ruhig draußen auf dem Fjord. Und das müssen wir natürlich nutzen…

3 Antworten

  1. Veronica sagt:

    Ja, schade, dass ihr “schon” zurück in die Zivilisation müsst. Dann gehen auch diese schönen “News” aus Feuerland zu Ende ….. Genießt die restlichen Tage!!

  2. elke sagt:

    Mit sollchen tollen, traumhaften Bildern, werde ich nun weiten arb…TRÄUMEN , euch, weiternhin noch viel, viel Glück und Kraft .
    LG Elke

  3. Ingrid Zink sagt:

    Hallo ihr beiden in weiter Ferne
    Gratulation ,dass ihr das alles so gut gemeistert habt. Auch wenn nicht alles euren Vorstellungen entsprochen hat, lasst den Kopf nicht hängen, Ihr hattet ein ereignisreiches Erlebnis mit beeindruckenden Fotos. Kommt gesund zurück !
    LG Ingrid und Tamas

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