Khunde

Mein Freund Karma Rita Sherpa aus Phortse war unsere Rettung. Nachdem ich ihn erreicht hatte, ging alles ziemlich rasch. Er sagte mir zu, dass er versuchen werde, so schnell es geht, ein Pferd zu besorgen. Ich wusste, dass ich mich darauf verlassen konnte. Ich kenne Karma Rita von meiner Everest-Expedition 2005. Er arbeitete für eine Agentur, die ihr Lager direkt neben unserem aufgeschlagen hatte, und deshalb besuchte er uns öfter  in unserem Küchenzelt. Er war mir mit seiner bescheidenen und ruhigen Art sofort sympathisch. Und darum bin ich nun jedes Jahr mit meinen Trekkinggruppen bei ihm in seiner Lodge zu Gast.

Doma ist erfahren. Sie ist sozusagen eine der Instanzen oberhalb von Namche für den Transport von Kranken, insbesondere Höhenkranken.

Und tatsächlich tauchte noch vorgestern spät am Abend Kantsa Sherpa mit seiner Stute Doma bei uns in Dragnag auf. Kantsa ist ein Freund und Seilgefährte von Karma Rita. Ich hätte  eigentlich verwundert sein müssen, dass Karma Rita es tatsächlich möglich machen konnte, jemanden mitsamt Pferd den wirklich langen Weg von Phortse nach Dragnag noch am gleichen Tag hinauf zu schicken. Doch bei den Sherpas wundert mich gar nichts mehr. Sie tun Dinge, die andere für vollkommen unmöglich halten.

Gestern morgen bestieg Urs in Dragnag sein Pferd. Wir hatten seine Füße in dicke Biwakschuhe gesteckt, die wir mit zwei Wärmflaschen ständig warm hielten. Nach sechs Stunden Abstieg auf der tapferen Doma kamen wir alle fünf wohlbehalten in Phortse bei Karma Rita an. Die erste der beiden recht langen Etappen bis ins Hospital nach Khunde hatten wir gut hinter uns gebracht. Und auch heute trug die brave Doma Urs ohne Probleme den zweiten Wegabschnitt von Phortse nach Khunde und dann weiter nach Namche Basar.

Kantsa, Doma und Urs auf der Etappe zwischen Dragnag und Phortse. Ein beeindruckender Weg zwischen himmelhoch aufragenden Bergriesen und tausend Meter tiefer gelegenen Tälern.

In Khunde hatte ein Sherpa Dienst. Ein älterer erfahrener Arzt, zu dem wir alle vom ersten Augenblick an Vertrauen fassten. Wer, wenn nicht jemand wie er konnte Erfahrung mit Erfrierungen haben. Die sind hier am Fuße des Everest leider an der Tagesordnung. Und was mich persönlich am meisten gefreut hat: Er machte nichts anderes, als ich auch getan habe. Desinfizieren, verbinden und jegliche mechanische Beeinflussung verhindern. Er meinte, es bestünde keine Gefahr, dass Urs seinen Zeh verliert, wenn eine Infektion vermieden werden kann. Deshalb nimmt Urs jetzt sieben Tage lang Antibiotika.

Dr. Kami Temba Sherpa aus Thame ist derzeit der diensthabende Arzt im Hospital in Khunde. Er wird unterstützt von einer Medizinstudentin aus Neuseeland.

Verbandswechsel alle drei Tage wurde uns verordnet und in Kathmandu abermals eine Konsultation bei einem Arzt. So wie es aussieht, sieht es schlimmer aus, als es ist. Alles spricht dafür, dass Urs mit einem blauen Auge davon kommt. Das ist die erste gute Nachricht.

Die zweite ist, dass ich gestern mit dem anderen Teil meiner Gruppe telefoniert habe, die derzeit mit Kumar am Everest unterwegs ist. Alle saßen gerade gut gelaunt in einer Lodge im 5200 m hoch gelegenen Gorak Shep und hatten soeben den Besuch des Everest Basislagers und die Besteigung des Kalar Pattars absolviert. Jeder hatte sein persönliches Ziel erreicht, erzählte Kerstin. Darüber bin ich natürlich auch sehr froh, und nun dauert es nur noch zwei Tage, bis wir uns alle hier in Namche Basar wieder treffen.

Ja, und nun hoffe ich natürlich darauf, dass mich vielleicht mal einer von den Kalar-Pattar-Bezwingern beim Neuigkeitenerzählen ablöst. Denn ich kann ja nun wirklich nicht berichten, was Kerstin, Lothar, Ulrike und Bernd erlebt haben…

6 Antworten

  1. Janina sagt:

    Toll, wie gut das alles klappt! Gute Kontakte sind eben überall auf der Welt total viel Wert. Schön, dass es nicht all zu schlimm ist mit der Zehe! Lieber Urs: dieser Trip wird dir sicher noch lange gegenwärtig sein. Aber abschrecken lässt du dich bestimmt nicht davon!?
    Alles Gute noch und liebe Grüße an alle, besonders an meinen Olaf!!! 😉

  2. Oli sagt:

    Hallo Katrin,
    wir denken viel an dich und hoffen,
    dass ihr letztendlich wieder gesund nach Hause
    kommt. Die ganze Praxis samt Patienten vermisst
    dich !!!!!!!!!!!!
    Flachlandgrüße Oli

  3. Opa K.-H. sagt:

    Bin froh, vom anderen Teil etwas erfahren zu
    haben, wünsche allen alles Gute,
    gute Besserung für Urs !!

    Gruß Opa khw.

  4. Hilke sagt:

    Ich bin froh, dass Urs einigermaßen gut davonkommt und hoffe, dass auch alle Anderen wohlauf sind. Ein großes Dankeschön an Kantsa und Doma für die schnelle Hilfe. Für die restlichen Tage noch gutes Wetter und viele schöne Erlebnisse. Liebe Grüße, vor allem an Katrin und Urs
    Hilke

  5. andre und susi sagt:

    liebe bergfreunde, wir sind froh, daß ihr allesamt gesund und munter seid, mal von der zehe abgesehen, aber die wird wieder, ganz sicher.
    Toll das jeder sein ziel erreicht hat, (von der anderen Truppe), wir sind schon ganz gespannt auf die Berichte von Kerstin und Theo!!!!!
    jetzt euch allen noch eine schöne erholsame Woche und kommt gut nach hause!!
    Liebe Grüße von susi, Andre u Toni!!

  6. simone brade sagt:

    Hallo Uli,
    ich bin beeindruckt. Ich freue mich, dass es dir und deinen Mitstreitern gut geht und wünsche euch noch schöne Tage und eine gesunde Heimreise.
    Liebe Grüße und bis auf ein Wiedersehen, Simone aus Wilthen

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