Namche Basar

Der “Scharfrichter” soll dieser Aufstieg nach Namche sein. Wer diesen Mörderaufstieg schafft, wird auch den Rest der Tour durchhalten. Das hab ich in irgendeinem Reiseführer gelesen, ist also nicht auf meinem Mist gewachsen. Dem ist aber nun wirklich nicht so. Die meisten starten von Phakding aus, dass sind doch immerhin 800 Höhenmeter bis nach Namche. Schon eine ganze Menge. Deshalb gehen wir möglichst am ersten Tag bis Monjo. Von dort sind das bis Namche nur 600 Meter. Und diese Distanz ist eigentlich für jeden zu schaffen. Nichts mit Scharfrichter. Wichtig ist aber, dass man sich einfach genug Zeit lässt. Notfalls muss man sich eben dazu zwingen. Und weil wir das gemacht haben, sind immer noch alle bester Laune. Die erste Nacht hier oben liegt hinter uns. Keiner hatte heute morgen Kopfschmerzen, alle haben gefrühstückt wie die Scheundrescher, demzufolge geht es allen gut.

Namche Basar (3450 m) ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Everest-Region. Hier von unserer Lodge aus gesehen.

Den Dämpfer heute morgen gab es dennoch. Dichter Nebel beim Blick aus dem Fenster. Ich konnte kaum die Nachbarlodge erkennen. Und die Regel ist eigentlich, dass es auch hässlich bleibt, wenn es morgens schon schlecht ist. Und bei uns stand heute unsere Akklimatisationstour zum Everest-View-Hotel sowie nach Khumjung zum Yetiskalp und nach Khunde zum Hillaryhospital auf dem Plan. Die ersten unvergesslichen Bergblicke auf Ama Dablam, Nuptse, Lhotse, Kangtenga, Thamserku usw. Ich hatte meinen Gästen gestern Abend vorgeschwärmt. Die Enttäuschung war nicht zu übersehen.

Der Abstieg vom Everest-View-Hotel (gebaut von Japanern) nach Khumjung, der immer noch größten Sherpasiedlung (3800 m).

Doch siehe da, gerade als wir losgelaufen sind, wurde es heller und dann riss sogar die Wolkendecke auf. Thamserku und Kongde präsentierten sich. Der Rauhreif an den Bäumen glitzerte in der Sonne, die tiefverschneite Winterlandschaft wurde jeden Augenblick anders beleuchtet. Die Wolkenstimmungen wechselten von Minute zu Minute und zwischendrin lugte immer mal einer der gewaltigen Bergriesen wie eine Fatamorgana hervor. Ich war begeistert. Blauer Himmel ohne eine einzige Wolke ist langweilig, finde ich zumindest.

In der Gompa von Khumjung wird der Skalp aufbewahrt. Hier kommt man nicht so ohne weiteres rein. Aber ich hab ganz gute Beziehungen.

In Khumjung angekommen, gab es erst einmal eine Stärkung und anschließend ging es ins Kloster. Hier wird der letzte Yetiskalp aufbewahrt, den die Sherpas noch besitzen. Ein anderer im Kloster Pangboche ist gestohlen worden. Böse Zungen behaupten ja, dieser Skalp stamme gar nicht vom “schrecklichen Schneemenschen”. Aber das stimmt natürlich nicht. Zumindest nicht für die Sherpas. Sie verehren diese Reliquie, wie wir es von denen des Christentums auch kennen.

Die alten Sherpas können alle Geschichten über den Yeti erzählen. So soll er das Feuer meiden, dass man eigentlich keine Angst vor ihm zu haben bräuchte, obwohl er einen Yak mit bloßen Händen töten kann.

Anschliessend sind wir noch nach Khunde gelaufen, um einen Blick auf das Hillary-Hospital zu werfen. Dieses kleine Krankenhaus, welches vor allem von neuseeländischen Ärzten betrieben wird, war das erste in der Khumburegion überhaupt.

Nun sitzen wir wieder in unserer gemütlichen Lodge am warmen Ofen. Man würfelt. Wieder geht es einigermaßen hoch her. Und ich bin sehr froh, denn der Tag heute war so recht nach meinem Geschmack. Von früh um halbzehn bis abends um sechs waren wir 400 m höher unterwegs als unsere heutige Schlafhöhe in Namche. Mehr können wir nicht für unsere Akklimatisation tun. Und das zahlt sich immer aus.

Morgen geht es nach Thame. Wir wollen eine Nacht in der Höhe schlafen, in welcher wir heute unterwegs gewesen sind. Übermorgen kommen wir dann noch einmal nach Namche zurück, bevor es anschliessend richtig losgeht.

 

3 Antworten

  1. Simone sagt:

    Hallo Uli,
    wir wünschen Dir und auch der ganzen Gruppe viel Erfolg und viel Glück. Mit großem Interesse werden wir die Berichte der Tour verfolgen.
    Viele liebe Grüße
    Sylvia, Ilona und Simone

  2. Annett sagt:

    Liebe Bergfreunde (besonders natürlich Bernd)
    Wir sind froh das ihr so viel für die Akklimatisation tut. Wir wünschen euch noch eine schöne Reise.
    LG Annett, Richard, Lilly und Renate 🙂

  3. Peter (Heinz) sagt:

    Hallo alle zusammen,

    ich werde ab und zu mal bei Euch vorbeischauen und dabei von alten und neuen Zeiten träumen.
    Schön, dass alles gut läuft. Verratet mir mal Euren Schutzengel. Wenn der sogar die DB beeinflussen kann, muß er gut sein.

    Die Bilder von Olaf sind wie immer Spitze, allerdings habe ich Namche so nicht in Errinnerung, andere Zeit, anderes Wetter.

    Ich wünsche Euch viel Glück und vor allem bleibt gesund, der Rest kommt dann fast von selbst. Den phantastischen Ausblicken und der “unheimlichen” Ruhe könnt Ihr sowieso nicht entgehen.
    Ich bin etwas neidisch 😉

    Viele Grüße
    Peter

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