Gokyo Ri

Ich sollte vielleicht nicht immer alles aufschreiben, was mir so in den Sinn kommt. Die Gefahr ist groß, mich lächerlich zu machen. Aber inzwischen kann ich das gut aushalten. Chomolungma schaut uns zu. Ihr gefällt, was sie sieht, und deshalb ist sie uns inzwischen wohlgesonnen.

Wir kämpften uns im Schneetreiben den langen Weg von Mong nach Machermo hinauf. Am nächsten Tag ließen wir uns nicht beirren, als es hieß, dass der Weg nach Gokyo gar nicht offen sei. Wir eröffneten ihn einfach wieder neu. Und das war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben es uns verdient, dass seit drei Tagen von morgens bis abends die Sonne von einem stahlblauen Himmel scheint. Jeden Tag Morgen- und Abendlicht! Einfach großartig, denn wir waren gerade an einem der eindrucksvollsten Orte auf der Welt.

Der Gokyo Ri ruft beim ersten Anblick bei vielen meiner Gäste eine Art von Enttäuschung hervor. Ihren ersten Fünftausender haben sich die meisten anders vorgestellt. Spektakulärer vielleicht? Er ist im Vergleich zu den ihn umgebenden Eisriesen ein Zwerg, eine Quacke, wie wir Sachsen sagen würden. Eine Quacke zu deren Besteigung man noch nicht einmal die Hände aus den Hosentaschen nehmen muss. Aber auf dem Weg hinauf überschreitet man die Fünftausend-Meter -Marke schon deutlich. Und die etwa 600 Höhenmmeter von Gokyo aus wollen in dieser Höhe auch erst einmal bewältigt sein.

Gipfel des Gokyo Ri

Meine Gäste auf dem ungefähr 5300 m hohen Gipfel des Gokyo Ri. Im Hintergrund gleich drei der höchsten Berge der Erde: Everest, Lhotse und Makalu. Ulrike fand es unten in der Lodge in der Sonne sitzend aber auch schön.

Doch wenn man dann oben ist, verschlägt es mir jedenfalls immer wieder aufs Neue die Sprache. Es ist einfach überwältigend, welches Panorama sich einem hier bietet. Ich jedenfalls kenne keinen anderen Ort auf der Welt, der das übertreffen kann. Keinen! Vier 8000er, viele Dutzend Sechs- und Siebentausender und einen unverstellten 360 Grad Rundblick. So, und nun das Beste. Wir haben es drauf ankommen lassen und sind erst am Nachmittag hoch gestiegen. Normalerweise macht man das nicht. Sehr oft ist es am Abend neblig und sehr windig. Doch wir hofften auf Abendlicht. Und wir hatten Glück! Fast windstill, glasklare Luft, von der Abendsonne angestrahlte Berge. Es war traumhaft. Ich liess geschlagene drei Stunden dieses Panorama im sich verändernden Licht auf mich wirken. Und ich fotografierte natürlich, was das Zeug hielt. Und meine Gäste selbstverständlich auch. Es war sicher für alle ein unvergessliches Erlebnis.

Nirekha Peak

Der Nirekha Peak, laut Schneider-Karte 6169 m hoch, hier links im Bild. Gewaltige Eismassen bedecken (noch) seinen Gipfel. Rechts daneben der alles überragende Mount Everest.

Heute nun hiess es Abschied nehmen. Urs, Kathrin und ich sind mit vier Trägern nach Dragnag aufgebrochen, um den Nirekha Peak zu klettern. Bernd, Kerstin, Lothar und Ulrike werden in den folgenden fünf Tagen gemeinsam mit Kumar bis in das 5200 m hoch gelegene Gorak Shep aufsteigen. Von dort aus wollen sie das Everest-Basislager besuchen und, wenn alles nach Plan läuft, den Kalar Pattar besteigen. Von ihm aus oder besser gesagt auf ihm ist man als Himalayatrekker dem höchsten Berg der Welt am nächsten. Auf ihrem Rückweg nach Namche werden wir wieder mit ihnen zusammen treffen.

Das heisst, in den nächsten Tagen gibt es leider neue Nachrichten nur von uns dreien hier vom Nirekha Peak. Aber die werden auch spannend, dass kann ich jetzt schon versprechen. Denn wir sind wieder mal gestartet mit dem Hinweis, dass unser Vorhaben bei den Schneemassen völlig unmöglich sei.

8 Antworten

  1. Frrr sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank für die tollen Fotos und die regelmäßigen Reiseberichte. Wir in der Heimat verfolgen gespannt eure Reise.

    Mutti & Vati, Gratulation zum ersten 5000er :-)!

    Alles Gute noch für die weitere Reise!

    Viele Grüße,

    Franka

  2. Opa K.-H. sagt:

    Hallo
    große Gratulation zum 5000 er, wir freuen uns über jeden Bericht und verfolgen die Tour von
    zu Hause mit.
    Noch viele schöne Erlebnisse wünschen wir aus
    Sachsen der gesamten Manschaft um Capitano
    Olaf R.

    Opa khw.

  3. Hilke sagt:

    Glückwunsch zum ersten 5000er und ganz viel Glück und gutes Wette euch für den Nirekha Peak. Ich klettere in Gedanken mit. Liebe Grüße
    Hilke

  4. Andre und Susi sagt:

    Glückwunsch zur 5000! Wir verfolgen gespannt euren Weg, und wissen ihr schafft das, besonders Kerstin und Theo, ihr seid zäh,
    (Andre hat schon Angst das ich auch Blut lecke)
    und ganz sicher: wenn ihr wieder in Deutschland seid,wird euch ganz bestimmt was fehlen!
    Viel Kraft weiterhin, LG susi u Andre

  5. Rudi u. Jana sagt:

    Danke für die tollen Berichte und Bilder, wir verfolgen gespannt eure Reise. 🙂
    Wir freuen uns mit euch gar sehr,
    der erste 5000er musste ja irgendwann mal her.
    Die Luft nicht zu dünn, die Aussicht gar fein
    – ja so muss das für die Steiger sein!
    (Lisa war mal ein bisschen kreativ) 😀
    Liebe Grüße und weiter viel Bergsteigererfolg,
    Rudi, Jana & Anhang 🙂

  6. Annett, Anke u. Egbert sagt:

    Hallo, Lothar und Kerstin Glückwünsche zum 5000er wünschen Deine 3 einsamen Zimmerkollegen, weiterhin viel Kraft und frohen Mut.
    Liebe Grüße von Annett, Anke und Egbert

  7. Kollegen aus Terpitz sagt:

    Wir sind begeistert. Wünschen euch weiterhin
    eine schöne Zeit.
    Liebe Grüße vom Rest der Kollegen

  8. Benno & Nici sagt:

    Hallo BERND! Auch wir wünschen euch noch viel Spaß und eine schöne Zeit. Gibts dort auch soviele Hütten wie in Österreich???:-) Wir hoffen deine Luft wird nicht knapp….Viele Grüße aus Oschatz Benno & Nici

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