Salbitschijen

Genau drei Jahre ist es nun schon wieder her, dass ich meine Fachübungsleiterlizenz für Hochtouren erworben habe. Jetzt war es an der Zeit, sie zu verlängern. Dafür muss alle drei Jahre ein Auffrischungskurs absolviert werden. Ohne diese obligatorische Weiterbildung erlischt die Lizenz und man ist nicht mehr berechtigt, sich Fachübungsleiter zu nennen. Die eigentliche Ausbildung zum Fachübungsleiter Hochtouren besteht insgesamt aus drei unterschiedlichen Teilen: Grund-, Fels- und Eiskurs. Alles in allem waren das 24 Tage. Der Aufrischungskurs umfasste dagegen nur zweieinhalb Tage. Angenehm ist, dass man aus verschiedenen Themenbereichen wählen kann, die aber alle mit der Problematik Hochtouren zu tun haben müssen. Das Thema der Weiterbildung, welches ich mir ausgesucht hatte, lautete: Führen und Klettern in schwierigen Granittouren. Der Ausbildungsort war die Salbithütte am Fusse des 2981 Meter hohen Salbitschijen in der Schweiz. Wahrlich nicht gerade der nächste Weg für einen so kurzen Kurs.

Der Salbitschijen ist genau das, wonach er auch aussieht: Ein Klettergipfel erster Güte. Und ringsherum gibt es noch viel mehr Möglichkeiten. Nur zwei Tage hier sein zu dürfen, machte mich ganz krank.

Am Sonntag, den 14. August um 18.00 Uhr ging es los. Insgesamt neun Teilnehmer und zwei Bergführer trafen sich auf der Hütte. Der erste Abend wurde zum Bekanntmachen genutzt. Ausserdem besprachen wir das Programm der kommenden Tage. Dabei war der Montag das Problem, denn für diesen Tag war Dauerregen angesagt. Leider hatte der Wetterbericht, wie so oft bei einer miserablen Vorhersage, genau ins Schwarze getroffen. Es regnete wirklich den ganzen Tag. Also haben wir den dann auch auf der Hütte bei der Sicherungs-Theorie verbracht. Und wieder einmal wurde mir vor Augen geführt, wie viel ich eigentlich wissen müsste. Ich persönlich fand diesen Teil unserer Weiterbildung eigentlich am aufschlussreichsten, obwohl ich, wie die anderen auch, am liebsten ausschließlich geklettert wäre.

Jörn Heller, einer der beiden Kursleiter, bei der Besprechung, wie man heutzutage am besten und vor allem nach Lehrmeinung Standplätze baut. Das rechte Bild zeigt die Brücke ins Nirgendwo zu der wir am ersten Tag im strömenden Regen noch gewandert sind. Wir wollten dann doch nicht den ganzen Tag in der Hütte hocken. Diese nagelneue Brücke überwindet eine Schlucht in der Nähe der Salbithütte und erleichtert es den Wanderern nun ganz erheblich, von dieser zur nächsten Hütte zu kommen. Sie hat allerdings nur einen wahren Zweck: Im Wettstreit der Regionen und Hütten zu punkten, um zahlungskräftige Leute anzulocken.

Schon wegen dieser Route, "Mocca", 6 Seillängen, 6a+ (franz. Skala) muss ich unbedingt noch mal auf die Salbithütte. Und von der Sorte gibt es dort noch Dutzende!

Das Klettern haben wir dann am nächsten Tag nachgeholt. Zehn Seillängen in herrlichem Granit. Es war wirklich ein ganz besonders schöner Klettertag, an dem wir auch noch das ein oder andere wichtige lernen konnten. Viele Dinge macht man eben doch nur alle paar Jahre mal und da hab ich dann mit meinem erbärmlichen Gedächtnis besonders schlechte Karten. Was ich nicht täglich tue, vergesse ich in aller Regel ziemlich schnell. Aber dieses Mal wird mir das Gelernte zumindest die nächsten zwei Wochen gegenwärtig bleiben und auch täglich angewendet werden, denn ich bin nach einem Kurzbesuch im Spreewald wegen eines Vortrages schon wieder auf dem Sprung zurück in die Alpen, um rund um Chamonix zu klettern und wenn das Wetter passt, mit  den Mitgliedern der Hidden Peak Expedition auf den Mont Blanc zu steigen. Vielleicht ist nun ja mal Schluss mit dem lausigen Wetter. Dann gibt es hier womöglich bald schöne Bilder vom höchsten Berg der Alpen.

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