Aliro Marquez

Georg lässt sich nicht gern aufhalten. Deshalb hat er alles daran gesetzt, es trotz des gestrigen Feiertages anlässlich der Entdeckung Amerikas, heute noch zum Jorge-Montt-Gletscher zu schaffen. Ich war ja aus bekannten Gründen diesbezüglich weniger enthusiastisch. Trotzdem waren wir beide heute sehr zeitig auf den Beinen. Gleich unser erster Termin bei der Polizei lief auch ganz reibungslos. Das Permit wurde begutachtet, nach den Versicherungen gefragt. Man bat uns noch, alle Karten und sämtliche Unterlagen im Rathaus von Tortel zu fotokopieren. Schon nach einer knappen Stunde waren wir wieder draußen. Auch der zweite Termin bei der Marine ging ähnlich flott über die Bühne.

Steckbrief in Tortel

Falls wir verloren gehen sollten, wissen die überaus freundlichen Carabineros von Tortel wenigstens, ob sich die Suche auch lohnt.

Wir hatten gestern natürlich unsere Sachen fix und fertig gepackt, damit wir auch sofort nach den Behördengängen abmarschbereit wären. Auch mit Aliro Marquez, unserem Bootsführer, der ja gleichzeitig unser Hüttenwirt und sicher der dickste Mann des Dorfes ist, hatte Georg alles klar gemacht. Wenn wir mittags loskommen sollten, dann wäre das vollkommen ausreichend, hatte uns Aliro gestern versprochen. Denn er würde mit uns am Jorge-Montt-Gletscher die Nacht verbringen und erst am nächsten Tag die Rückfahrt antreten.

Aliro

Aliro Marquez verkörpert Tortel wie aber noch mehrere Dutzend andere hier ebenfalls. Und vielmehr Tortelaner gibt es gar nicht. Er gehört zum Inventar dieses Ortes, und nichts kann ihn aus der Ruhe bringen, schon gar keine Touristen.

Es ist aber eben doch etwas Unvorhergesehens passiert, völlig unspektakulär zwar, aber wohl äußerst typisch für dieses Land. Als wir noch vor 10.00 Uhr von den Carabineros zurückkamen, war Aliro nicht dabei, sein Boot klar zu machen, wie erwartet, sondern seine Kettensäge zu reparieren. Er lachte uns freundlich an. Viel zu viel Wind, meinte er. Heute wäre es unmöglich, uns zum fast 60 Kilometer entfernten Gletscher zu bringen. Zu gefährlich! Nur wann bitte ist hier weniger Wind? Für meinen Geschmack gibt es immer zu viel davon in Patagonien. Ich konnte keinen Unterschied zu gestern feststellen.

Wir sind also noch hier und harren der Dinge die da kommen. Was anderes bleibt uns auch gar nicht übrig. Gegen den Wind ist selbst Georg machtlos!

5 Antworten

  1. Janina sagt:

    Ich finde, es würde sich sehr lohnen nach den beiden zu suchen…! 😉

  2. Jörg sagt:

    Vermutlich ist der Herbergsvater nicht nur ein guter Kettensägenreparateur, sondern auch ein ebensolcher Geschäftsmann. Ich argwöhne, der Wind passt vielleicht erst, wenn der Herbergsumsatz stimmt 😉

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