Wieder einmal läuft der Countdown

Ab heute sind sind es noch genau 14 Tage bis wir zur Durchquerung des patagonischen Inlandeises aufbrechen. Und es ist wie jedesmal. Davor schützt einen leider weder Erfahrung noch Routine. Viele Dinge müssen jetzt beinahe gleichzeitig erledigt werden. Es ist wie ein Tsunami, der gerade auf Land trifft. Die Welle dessen, was  erledigt werden muss, wird immer höher. Einerseits soll alles so geordnet sein, dass eine sechswöchige Abwesenheit nicht irgendwelchen Schaden anrichtet. Das geht beim Finanzamt los und hört bei der Organisation des Blumengießens auf.

Der andere Schauplatz ist die Expeditionsvorbereitung. Es wäre schön, wenn der Werbeslogan einer großen Supermarktkette stimmen würde. Aber von wegen einmal hin, alles drin. Ich pendele vom Bergsportladen tapir, zu Conrad Elektronic, über die Apotheke zur Drogerie, dann zum Baumarkt und wieder zurück. Ich staune manchmal selber, was man plötzlich alles noch besorgen muss und wie aufwendig das ist. Man sollte doch meinen, dass ich alles habe. Aber weit gefehlt. Ich besitze gerade keine Trillerpfeife, keine Feuchttücher, keine Medikamente. Ich brauche Batterien, neue ganz leichte wasserdichte Funkgeräte und ein Buch, dass auch Georg lesen will. Die neue Technik unserer Stromversorgung wird leider in Berlin gebaut und muss dort getestet werden. Und um unsere neuen speziellen Skistiefel von Scarpa unseren Füßen anzupassen, müssen wir nach München. Ach ja, ganz viele Freunde rufen an und fragen, ob wir nicht noch mal ein Bier trinken gehen wollen, bevor es losgeht. Na klar will ich, unbedingt sogar! Und trainieren muss ich jeden Tag und meine Freundin braucht jetzt natürlich besonders viel von meiner Zeit. Es sind aber nur noch 14 Tage!!

ausladenPulkakraxe

Als Georg gestern seine Sachen zu mir brachte, hatte er seine Pulka und die schon fast komplette Ausrüstung zu einem tragfähigen Gebilde zusammen gepackt. Er sah so aus, als könnte es von ihm aus gleich losgehen.

Die wichtigste Tätigkeit der Vorbereitung auf das patagonische Inlandeis ist aber das Packen. Gestern gings los. Ich habe dafür einen Raum besorgt, wo wir uns ungestört ausbreiten können. Gemeinsam wird jedes einzelne Ausrüstungsteil auf seine Zweckmäßigkeit überprüft. Was hält jeder für das Optimum? Außerdem wollen wir verhindern, das wir Dinge doppelt mit haben. Schon gestern, beim ersten Termin, gab es eine Menge Diskussionsbedarf. Das begann bei der Wärmeleistung des Schlafsackes und endete bei der Anzahl der Unterhosen, die wir beide mitnehmen wollen. Bei letzterem Problem gingen unsere Ansichten übrigens weit auseinander. Dass Georg ein Leichtgewichtsfanatiker ist, habe ich ja schon gemerkt. Aber wie weit er in dieser Hinsicht gehen will, hat mich dennoch erstaunt. Eines weiß ich jedenfalls schon jetzt: Der Stoff für unterhaltsame Geschichten wird mir in den kommenden beiden Monaten garantiert nicht ausgehen.

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