Der erste Streich

Nach unserem Luxus-Kurzaufenthalt in Namche mit Shopping, Bäckerei und gleich zwei (!) Geburtstagsschlemmereien (Carsten Bakery, Henry Frühstücksrunde) sind wir am 17. März nach Thame marschiert.

Henrys Frühstücksrunde kam besonders gut an: Salami auf halbwegs dunklem Brot aus der Bäckerei, ein Stückchen Apple  Pie und eine Käsestange. Außergewöhnlich im Sinne des Wortes war die Gemeinschaftsrunde von Ulli und Judith. Kuchen, der es aus Deutschland mit dem Flieger nach Kathmandu, dem Bus nach Jiri, dann über vier Pässe bis nach Lungden geschafft hat. Weltrekord für Kuchen???

Ein geradezu lieblicher, kleiner Halbtagesmarsch unterbrochen von der traditionellen Puja im Khari-Kloster bei meinen tibetischen Nonnen. Wir hatten die Zeremonie tags zuvor bei ihnen bestellt, und als wir im Kloster eintrafen, hatten die Nonnen schon mit der Puja begonnen.

Meine Nonnen im funkelnagelneuen Kloster in Thamo. Meine vielen Gäste haben einen enormen Beitrag geleistet, dass es nun endlich nach fast 20 Jahren Bauzeit eine neue Gompa gibt, in der Platz für alle ist.

Zwei Dinge überraschen und freuen mich immer wieder aufs Neue. Die Nonnen kennen mich nun schon seit meinem allerersten Aufenthalt in Nepal. Schon damals, 1994, besuchte ich das Kloster, und seit dem habe ich die Puja in der Khari Gompa sowohl bei meinen Gästetouren als auch auf meinen Expeditionen kein einziges Mal versäumt.

Es gibt jede Menge Nachwuchs im Kloster. Doch dieses Kloster ist ein tibetisches. Alle Nonnen, die hier leben, sind vor den Chinesen geflohen. Wenigstens wird die uralte tibetische Kultur hier überdauern.

Die älteren kennen mich also fast 25 Jahre und freuen sich wie die Kinder, wenn ich komme. Sie halten mich fest, strahlen und jede will mir die Hand geben, obwohl sich das für eine Nonne gar nicht schickt.

Das zweite, was mich vor allem überrascht und nicht weniger freut, ist die Tatsache, dass sie die Durchführung unserer Pujas sehr ernst nehmen, obwohl wir keine einheimischen Glaubensgenossen sind.

Dieses Foto wird sehr viele meiner Gäste in Erinnerungen schwelgen lassen. Denn es gibt sehr viele solcher Gruppenfotos.

Die Berggötter machen ihrer Meinung nach keine Unterschiede, ob jemand an sie glaubt oder nicht. Sie müssen unserem Unternehmen wohlgesonnen sein. Nur dann werden wir gutes Wetter haben und auch sonst von Problemen verschont bleiben.

Von Thame aus sind wieder nur etwa vier Gehstunden notwendig, um nach Lungden am Fuß des Renjo-Passes zu gelangen.

Das 3820 m hoch gelegene Thame ist wirklich traumhaft schön gelegen.

Etwas über 4300 m gelegen, war hier ein Ruhetag fällig. Von Namche aus bis Lungden sind wir fast 1000 Höhenmeter aufgestiegen und immer nach dieser Distanz wird auf meinen Touren gerastet. Allerdings bedeutet Ruhetag genau genommen alles andere als Ruhe. Wir behalten lediglich unsere Schlafhöhe bei.

Von der Passhöhe des Renjo hat man, ohne zu übertreiben, einen der spektakulärsten Bergblicke, den unser Globus zu bieten hat.

Ruhetag heißt aktiv akklimatisieren. Aufsteigen, wenn möglich mindestens 300 oder 400 Höhenmeter, gern auch noch ein paar mehr, aber das dann tatsächlich mit großer Ruhe. Am besten ist es, wenn man in dieser Höhe einige Stunden verbringt, bevor wieder abgestiegen wird. Genau das haben wir in Lungden auch gemacht, sowohl am Ankunftstag als auch während des Ruhetages gestern.

Auf dem Abstieg vom Renjo schauen wir links auf den Makalu (8485 m), den fünfthöchsten Berg der Erde und rechts auf den 6440 m hohen Cholatse.

Und heute nun klingelte um halb fünf der Wecker. Mit dem Renjo (5350 m) stand erste große Khumbu-Pass auf dem Programm. All die vielen Höhenmeter der vergangenen zehn Tage waren die Vorbereitung auf diesen ersten Pass. Wenn wir diesen meistern, warum sollten wir an den anderen beiden scheitern?

Das gigantische Dreigestirn von Everest (links), Nuptse (Mitte) und Lhotse (rechts mit der Wolkenhaube)  erscheint auf dem Weg hinunter nach Gokyo zum Greifen nah.

Doch wenn wir ehrlich sind, mussten wir uns heute schon ganz schön zusammenreißen. Die mehr als 1000 Höhenmeter zur 5350 m hoch gelegenen Passhöhe wollen hinaufgestiegen werden. Doch wir haben das geschafft und sind nach neuneinhalb Stunden in Gokyo eingetroffen. Wir waren mehr als froh darüber. Aber genauso soll es ja auch sein. Wir wollen unsere Grenzen kennenlernen und sie, wenn möglich, sogar verschieben. Einige von uns haben genau das geschafft. Darauf können sie stolz sein. Ich jedenfalls bin stolz auf diese Gruppe, die heute über sich hinausgewachsen ist.

Gokyo, an der rechten Seitenmoräne des Ngozumba-Gletschers bzw. am Ufer des dritten Sees gelegen. Unser Shangri La heute.

7 Antworten

  1. Frank Bolle sagt:

    Lieber Olaf,
    die Puja war ja ein voller Erfolg, so wohlgesonnen wie euch die Berggötter sind. Traumhaftes Bergwetter, fantastische Bilder und meine Bergfreunde Günni und Wolfgang mittendrin. Sogar das Sachsenfähnchen ist wieder mit dabei, einfach herrlich. Nachdem ich meine frisch besohlten Bergstiefel am vorletzten Wochenende in der Sächsischen Schweiz warm gelaufen habe würde ich am liebsten mit euch wandern. Ich arbeite auf jeden Fall daran. Viele Grüße, besonders an Günni und Wolfgang, möge eure Tour so weitergehen.

  2. Vera sagt:

    Hallo Olaf ,vielen Dank,dass Du immer noch Zeit findest uns die Eindrücke, schönen Aufnahmen und Berichte Zu kommen lässt.Wir sind mit den Herzen bei Euch,wünschen viel Erfolg und Gesundheitszustand euren nächsten Zielen.Grüße an Wolfi und gunni

  3. Veronica sagt:

    Ich lese schon ziemlich lange die News über die Nepal-Touren im Frühjahr, aber jedes Mal aufs Neue ist es ein Genuss sie zu lesen und die Bilder zu betrachten. Ganz herzliche Grüße an alle!

  4. Olaf Rieck sagt:

    Vielen Dank Vera und Veronica für die freundlichen und wohltuenden Worte. Sehr motivierend!

  5. Schit! Du machst immer, was ich selbst machen wollte! Bin verdammt neidig, sitze hier wie fast immer im nasskalten Leipzig und muss nun zur Vernissage “In Bewegung. Meilensteine der Leipziger Sportgeschichte” am 28.03. unseren Bergsport dort vertreten, statt Dir als berühmte renommierte erfolgreiche dynamische Person!
    Trotzdem: Kommt gesund und glücklich und als Freunde zurück.

  6. Hartmut Halang sagt:

    Ich sitze hier mit ausgebreiteten Nepalkarten und verfolge Euch. Herrliche Blicke auf Everest und die anderen. Vom Gokyo Ri hatten wir ja seinerzeit ähnliche Blicke. Aber das hier ist eine Nummer größer. Schade, wenn man alt wird und das nicht mehr geht! Drum nutzt das, so lange es geht.Kommt gut heim. Alles Gute!
    Hartmut Halang

  7. Thomas Schmidt sagt:

    Soooo schöööön :-)))))

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