Abschied von Nepal

Irgendwann geht alles einmal zu Ende. Heute ist der letzte Tag meiner ersten Gruppe in Nepal. Das ist allerdings kein Grund zur Traurigkeit, denn die Vorfreude auf das eigene Bett, auf die Familie und die vielen Verführungen eines gut gefüllten Kühlschrankes ist nach 28 Tagen Nepal in der Regel riesengroß.

Auf dem Weg von Tengboche nach Namche Basar hatte sich die gewohnte Landschaft komplett verändert. Manchmal ist es kaum zu fassen, wie radikal solch ein scheinbarer Jahreszeitenwandel vonstatten geht.

Außerdem kann man ja Wiederkommen. Und es gibt gleich mehrere Teilnehmer in dieser Gruppe, die wiederkommen werden. Da bin ich mir ganz sicher, und das freut mich natürlich.

Mich freut auch, dass es wieder mal eine Reise war, bei der alles so gelaufen ist, wie ich mir das vorstelle. Und zwar auch bei den Umständen, die ich nicht beeinflussen kann. Das sind in der Regel vor allem zwei Dinge:

Auf unserem Weg von Phortse nach Tengboche schneite es so stark, dass es mir Himmelangst wurde. Da braucht es nur mal 48 Stunden so zu schneien, dann geht mitunter tagelang gar nichts mehr. Aber zum Glück hörte es nach ein paar Stunden wieder auf.

Einmal das Wetter. Hier hatten wir Glück. Sowohl auf dem Trek als auch bei den Inlandsflügen hat das Wetter mitgespielt. Und dass wir ganz zum Schluss noch in einen recht eindrücklichen Wintereinbruch gerieten, trug höchstens dazu bei, dass wir nun sagen können, bezüglich des Wetters fast alles erlebt zu haben, was der Himalaya so anbieten kann. Außerdem sind frisch verschneite Berge natürlich besonders schön anzusehen.

Schön anzusehen war auch das tiefverschneite Kloster in Tengboche bei Nacht.

Das zweite, welches sich meinem Einfluss weitgehend entzieht, ist die Harmonie innerhalb der Gruppe. 28 Tage von morgens bis abends mit wildfremden Menschen auf einem anstrengenden Trek unterwegs zu sein, eröffnet schon den ein oder anderen Einblick auf den Charakter und das Seelenleben seines Mitwanderers.

Nur ein paar Meter weiter unten, also lediglich eine einzige Gehstunde Abstieg entfernt, war nichts, aber auch gar nichts vom Wintereinbruch weiter oben zu sehen und zu spüren. Hier die höchste Hängebrücke Nepals unterhalb von Namche Basar.

Nicht immer ist es möglich, seinen Gleichmut zu bewahren, wie ein weiser tibetischer Mönch. Manchmal gilt es, tolerant und nachsichtig mit demjenigen zu sein, dem es gerade nicht so leicht fällt. Und ich finde es besonders schön, dass das bei dieser Tour allen sehr gut gelungen ist, übrigens auch deshalb, weil mir diese Reise und vor allem unser Aufenthalt am Nirekha diesmal ziemlich zu schaffen gemacht hat. Auch ein Guide ist eben nicht davor gefeit, auf einer solchen Tour mal so richtig krank zu sein.

Für jeden Musikliebhaber ein Leckerbissen. Improvisation auf Flute, Geige, Didgeridoo und Trommel. Die Fünf hattens echt drauf. Und sehr gut essen kann man im New Orleans ganz ohne Angst vor einer Nacht auf dem Klo.

Nun liegen auch die Tage in Kathmandu hinter uns. Wir haben den kulinarischen Genüssen gefrönt, was man, wie ich finde, hier besonders gut kann. Und wir genossen die Annehmlichkeiten unseres Hotels. Natürlich wurde auch kräftig eingekauft. Genauso etwas, das in Kathmandu richtig gut geht. Ich frage mich immer, wie die Leute das alles wegbekommen wollen. Mir drängt sich dieser Gedanke gerade beim Anblick der riesigen Einkaufstasche auf, die da neben Marios Bett aufragt. Aber komischerweise gelingt das irgendwie immer.

Swayambunath oder einfacher der Affentempel ist ein Muss auf der Liste der unbedingt zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten von Kathmandu. Außerdem läuft man dorthin vom Hotel nur 30 Minuten.

Und natürlich haben wir in Nepals Hauptstadt unter fachkundiger Anleitung auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut. Sightseeing ist das Dritte, was man in Kathmandu gut kann. Doch es gibt auch einige Dinge, die man hier eben gar nicht so gut kann. Und das zu verschweigen, würde der Sache nicht gerecht. Atmen zum Beispiel. Und in diesem Zusammenhang frage ich mich immer, wie es die vielen hundertausend Nepalis hier aushalten, die nicht nach drei Tagen Kathmandu ins vergleichsweise blitzsaubere Deutschland zurückkehren können…

Mich fasziniert an Nepal auch immer wieder die große Toleranz, welche die Religionen einander hier entgegenbringen. Gerade Swayambunath ist ein Symbol dafür. Hierher pilgern Hindus und Buddhisten gleichermaßen und niemand kommt auf die Idee, diesen besonders heiligen Ort nur für sich zu beanspruchen.

Nun hoffe ich, dass meine Gäste mit ihrer Nepaltour genauso zufrieden sind wie ich mit ihrer. Doch eines steht fest. Der Hauptgrund, eine solch lange und anstrengende Wanderung in Nepal durch das mächtigste Gebirge unseres Planeten zu machen, kann für mich nur sein, Eindrücke zu sammeln und Erfahrungen zu machen: Mit sich, mit seinen Mitstreitern, mit der Natur in den Bergen, also eine sehr intensive Zeit zu verbringen.

Das ist auf jeden Fall gelungen! Und nun kommt alle gut heim…

Die Gruppe mal wirklich vollständig. Denn zu uns zwölf gehörten natürlich noch Birey, Ganesh, Milan, Chauthi, Badhur, Uttar Lak und natürlich mein Freund und Helfer Te Kumar Rai.

4 Antworten

  1. Imke sagt:

    Was für ein schöner Bericht! Schön zu hören, dass es euch allen gut geht und die Reise ohne größere Zwischenfälle langsam zu Ende geht. Ich habe euch im Stillen bei der Reise begleitet und mich über jedes Lebenszeichen gefreut 🙂 Kommt alle gut nach Hause, viele Grüße, Imke

  2. Veronica sagt:

    Eine schöne Reise! Ich habe die ganze Zeit mitgefiebert und jede News genossen! Ich wünsche euch allen (bis auf Olaf, der ja noch ein bisschen bleibt) eine gute Heimreise! Herzliche Grüße, Veronica

  3. Anne sagt:

    Lieber Olaf, wir haben jeden Eintrag von Dir gelesen. Unsere Taschen sind gepackt, in 3 Stunden geht es los. Wir freuen uns auf Dich, die Reise, die Landschaft und das Neue. Erhol Dich noch etwas, denn dann hast Du uns an der Backe…
    Bis morgen! Herzliche Grüße auch (noch unbekannter Weise) an die Trägermannschaft. Anne und Jens

  4. Wunderschön geschrieben, Olaf! Auch Deine Bilder sind wieder einmal mehr äußerst gelungen. Ich bleibe in freudiger Erwartung darauf zu erfahren, wie es weiter geht!

    Liebe Grüße aus Plaue,

    Mayk!

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