Sichtbare Zeit

Im Jahre 1650 berechnete James Ussher, Erzbischof von Armagh, aus den in der Bibel enthaltenen Informationen das Alter der Erde. Seine zweifellos sorgsame Berechnung hatte das Ergebnis, dass die Erde am Montag, den 26. Oktober im Jahr 4004 vor Christus um 9 Uhr morgens erschaffen wurde.

Wäre der ehrwürdige Erzbischof so wie wir nach Thame gelaufen, so hätte er sich zweifellos gewundert. Wer hat diese bizarren Formen in den harten Granit gemeißelt. Vielleicht wäre ihm ein Licht aufgegangen bei dem Blick in die Tiefe der Zeit.

Für mich ein magischer Ort auf dem Weg nach Thame. Der Bhote Khosi hat hier in Jahrmillionen nicht nur eine 80 m tiefe Bresche geschlagen, sondern auch ganz bizarre Formen in den Granit geschliffen. Wäre der ehrwürdige Erzbischof so wie wir mit offenen Augen nach Thame gelaufen, so hätte er sich zweifellos gewundert. Vielleicht wäre ihm bei dem Anblick sogar ein Licht aufgegangen.

Dieses Datum für die Geburtsstunde der Erde wurde in den englischen Bibeln noch bis in das frühe 19. Jahrhundert abgedruckt. Die Erde hatte also keine allzu lange Geschichte. Sie war von Gott erschaffen und seit dieser Zeit auch nicht wirklich gealtert. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts begann man, an der Jahrhunderte gültigen Doktrin der jungen Erde zu zweifeln.

Vorgestern auf unserer Akklimatisationrunde rings um Namche Basar haben wir Khumjung, den größten Ort hier im Sherpaland besucht. Und uns natürlich den letzten noch erhaltenen Yetisklap angeschaut.

Vorgestern auf unserer Akklimatisationsrunde rings um Namche Basar haben wir Khumjung, den größten Ort hier im Sherpaland, besucht. Und natürlich schauten wir uns den letzten noch erhaltenen Yetiskalp an.

Ein mutiger Abweichler war der französische Naturhistoriker Georges Buffon (1707-1788). Er schlug vor, die sieben Schöpfungstage als Metapher zu sehen und unterteilte die Erdgeschichte in sieben wesentlich längere Epochen. Er traute sich zu seinen Lebzeiten allerdings nie, seine wahre Meinung zu veröffentlichen. Doch nach seinem Tod fand man in seinen Notizen Schätzungen für das Alter der Erde von mehreren Milliarden Jahren.

Superberge hier rings um Namche wohin man schaut. Hier im Bild einer von ihnen, der bildschöne Sechstausender Thamserku. Schön und sehr schwer zu besteigen.

Superberge hier rings um Namche wohin man schaut. Auf dem Foto der bildschöne Sechstausender Thamserku. Schön und aber sehr schwer zu besteigen.

Ich finde es nicht besonders verwunderlich, dass erst der Blick auf die Berge endgültige Klarheit in die Diskussion brachte und vor allem die nötigen Beweise für das ungeheuerliche Alter unseres Planeten. Ein begeisterter Bergwanderer, der Schotte James Hutton (1726-1797), stellte die These auf, dass die augenscheinliche Dauerhaftigkeit von Bergen eine Illusion ist. Sie ist nichts anderes als die Folge unserer verschwindend kurzen Lebensdauer.

Nebenbei haben Kumar, Sven und ich unsere Ausrüstung für den Nirekha Peak gepackt. Sechs 60 Liter-Tonnen sind es geworden, insgesamt knapp 150 Kilo für die Yaks. Expeditionsfeeling kommt auf. Vielen Dank Sven, für Deine Hilfe!

Nebenbei haben Kumar, Sven und ich unsere Ausrüstung für den Nirekha Peak gepackt. Sechs 60-Liter-Tonnen sind es geworden, insgesamt knapp 150 Kilo für die Yaks. Expeditionsfeeling kommt auf. Vielen Dank Sven, für Deine Hilfe!

Mit dem Erscheinen seines Hauptwerkes „Theory of the Earth“ begründete er unter anderem die moderne Geologie. Wenn wir Millionen von Jahren leben würden, könnten wir Zeuge sein, wie gewaltige Berge durch die Erosion völlig abgetragen und als Sedimente auf dem Meeresgrund abgelagert werden. Und abermals Jahrmillionen später, würden wir erleben, wie durch den Zusammenprall der Kontinentalplatten wieder neue Gebirge entstehen. Wenn dem nicht so wäre, wie könnte man sonst erklären, dass in den höchsten Gipfeln des Himalaja Muscheln und Korallen zu finden sind?

Unser Ziel gestern, das 3800 m hoch gelegene Thame. Hier verbingen wir eine nacht und laufen dann nach Namche zurück. Zwischendurch mal wieder eine Nacht tiefer zu schlafen, wirkt wahre Wunder.

Unser Ziel gestern, das 3800 m hoch gelegene Thame. Hier haben wir eine Nacht verbracht und sind heute nach Namche zurück gelaufen. Zwischendurch mal wieder eine Nacht tiefer zu schlafen, wirkt wahre Wunder.

Die Berge hatten aufgehört, Sinnbild für die Ewigkeit zu sein. Diese Erkenntnis veränderte nicht zu letzt sehr nachhaltig das Verhältnis zu unserer eigenen Existenz. Plötzlich war unsere Lebenszeit nichts anderes mehr als ein mikroskopisch kleiner Punkt auf der „unendlichen Achse der Zeit“. Für mich ist die Versinnbildlichung dessen der Blick auf dem ersten Foto dieser News hinab in einen felsigen Abgrund, den Wasser in den Fels gesägt hat.

Ich hatte große Sorge, dass das erst im November vorigen Jahres geweihte Khari Kloster beim Erdbeben beschädigt oder gar zerstört worden ist. Aber nein, es hat nicht mal den kleinsten Kratzer abbekommen, was für die Nonnen aber ganz selbstverständlich war.

Ich hatte große Sorge, dass das erst im November 2014 geweihte Khari Kloster beim Erdbeben beschädigt oder gar zerstört worden ist. 20 Jahre hat der Bau des Klosters gedauert. Und ein nicht unerheblicher Teil des dazu nötigen Geldes haben meine Gästen in den vergangenen zwei Jahrzehnten gespendet. Aber nein, es hat nicht einmal den kleinsten Kratzer abbekommen, was für die Nonnen aber ganz selbstverständlich war. Nach der feierlichen Weihe durch den reinkarnierten Rimpoche kann diesem Gebäude nichts mehr etwas anhaben.

Man kann es albern finden oder sentimental, aber mich treibt dieser Gedanke an unsere Kleinheit und Verletzlichkeit jedes Mal um, wenn ich in den Bergen bin. Wie vergänglich bin ich doch, wenn selbst ein riesiger Fels durch den Zahn der Zeit irgendwann zu Staub zerfällt!

Die erste Etappe unserer Höhenanpassung liegt mit den beiden Ausflügen nach Khumjung und Thame nun hinter uns und die erste Woche in Nepal damit auch. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Die derzeitige Vorsteherin des Klosters ruft die Nonnen für unsere Puja zusammen. Dazu wird wie seit Jahrhunderten

Die derzeitige Vorsteherin des Klosters ruft die Nonnen für unsere Puja zusammen. Dazu wird, wie seit Jahrhunderten, das tibetische Schneckenhorn benutzt. Dieses Schneckenhorn wird aus der Schale einer Meeresschnecke gefertigt (Turbinella pyrum).

Ein Höhepunkt dieser ersten Tage hier im Sherpaland war sicher der heutige Besuch bei meinen Nonnen in Thamo. Was haben die sich gefreut! Und obwohl heute Sonnabend ist und deshalb Markttag in Namche und gleichzeitig Feiertag (Sonnabend ist hier der arbeitsfreie Tag der Woche, wie in Europa der Sonntag), haben sie für uns eine schöne Puja in ihrer nagelneuen Gompa (Kloster) abgehalten. Eigentlich wollten sie auf den Markt, um für die kommende Woche einzukaufen. Die bösen Geister sind uns nun aller Wahrscheinlichkeit nach milde gestimmt und die guten auf unserer Seite.

Das obligatorische Gruppenfoto mit den Nonnen ist immer ein großer Spaß. Die Nonnen lassen sich zu gern fotografieren und wollen natürlich alle das Bild auch haben!

Das obligatorische Gruppenfoto mit den Nonnen ist immer ein großer Spaß. Die Nonnen lassen sich zu gern fotografieren und alle wollen das Bild natürlich auch haben!

Morgen nun geht es nun auf den eigentlichen Trek. Wir steigen nach Mong La auf und überschreiten das erste Mal die 4000-Meter-Grenze. Übermorgen wartet dann die vielleicht längste Etappe unseres Treks auf uns, wenn wir nach Machermo wandern. Und wenn alle gesund bleiben und das Wetter mitspielt sind wir einen Tag später in Gokyo, wo der erste 5000er auf uns wartet.

Es wird nun von Tag zu Tag spannender und die Höhe fordernder. Und deshalb können wir gute Wünsche sehr gebrauchen!

14 Antworten

  1. Veronica sagt:

    Hallo Ihr da in Nepal!
    Soooo schön, das Foto von euch und den Nonnen!!
    Natürlich beame ich die besten Wünsche zu euch und drücke die Daumen, dass alle gesund bleiben und das Wetter schön!!!
    Herzliche Grüße! Veronica

  2. Günter Friedrich sagt:

    Hallo Jens, ich wünsche dir und der ganzen Gruppe eine glückliche Fortführung eures Abenteuers.Ich glaube die Fotos spiegeln nur ein Bruchteil der beeindruckenden Natur wieder.Trotz aller Anstrengung, geniese diese Natur.Ich drücke die Daumen,das alle ihr Ziel erreichen.Weiter alles Gute.Grüße von Günter und Brigitte

  3. M & M Decker sagt:

    Hallo Jens, natürlich sind wir alle wieder dabei:-) und bestimmt noch viel mehr Menschen. Wir freuen uns für Dich, dass du deinen Traum so schnell verwirklichen kannst. Wir wünschen Euch eine gute, aufregende und interessante Reise… bleibt alle gesund , passt auf euch auf und berichtet ‘fleissig’ von unterwegs. Gruß von Matze und Manu

  4. Hildegard Weigelt sagt:

    Hallo Holger und Gruppe. Es sind mal wieder beeindruckennde Bilder und strahlende Gesichter auf dem Gruppenfoto. Das gute Wetter ist bestellt. Alle guten Wünsche für eure weiteren Touren und natürlich ganz viel Gesundheit. Herzliche Grüsse von Hella, Hans und Hildegard

  5. Mayk Zieschang sagt:

    Hallo an alle! Sieht ja gut aus für Euch! Schön, dass alles wieder zu sehen. Ich drück weiter die Daumen!

    Mayk aus Plaue!

  6. Eike Franke sagt:

    Hallo Jens, wir verfolgen sehr gespannt eure Reise und sind froh, dass bisher alles so gut geklappt hat. Wir wünschen Dir und der ganzen Gruppe weiterhin viele tolle Eindrücke (auf den Reisebericht freuen wir uns jetzt schon), gute Gesundheit und gutes Wetter. Aber da nun auch alle Geister auf eurer Seite sind, wird das Glück euch gewogen bleiben.
    Viele Grüße von Axel und Eike

  7. Annett sagt:

    Es ist einfach echt toll, das wir eure Tour aus der Ferne so mit verfolgen können. Und es sind wunderschöne Bilder. Das Bild mit den Nonnen ist toll und der Besuch bei Ihnen soll euch weiterhin Glück bringen. Genießt es und bleibt alle gesund und fit. In Gedanken bin ich bei euch. Liebe Grüsse aus der Heimat besonders an meine Eltern, und macht euch keine Sorgen, bei uns ist alles in Ordnung. Eure Annett und Oma

  8. Sina sagt:

    Mit einem Gefühl von Demut nachdem man von den gewaltigen Bergen liest, die zu Staub zerfallen wünsche ich euch von Herzen, dass alles so weiter verläuft wie es angefangen hat ihr kleinen Ameisenmenschen. Liebe Grüße von Svens Stecknadelameisenmädchen

  9. Rauny und Micha sagt:

    hallo jens und alle anderen gipfelstürmer! Wünschen allen ein gutes gelingen und erfolg für euer vorhaben. stahlblauer himmel, herrliche an- und ausblicke und scheinbar frostunempfindliche damen, na wenn das kein gutes omen ist! verfolgen auch so ein wenig den wetterbericht… hoffen, die temperaturen setzen euch nicht allzu sehr zu! drücken euch die daumen, dass alles so klappt, wie ihr euch das vorstellt! sind schon gespannt auf die weiteren berichte! seid herzlich gegrüßt aus 60 m nN höhe (immerhin) von rauny und micha

  10. Hallo Tante Elke, ich hoffe du hast bei den Nonnen dein Frieden gefunden und du weiter viel Spaß hast auf der Tour. LG aus Eula Thomas, Klaus, Christine, Phil und Janet

  11. Bettina sagt:

    Hallo Jens,
    mit Spannung erwarte ich jeden neuen Bericht von Euch. Ich bewundere Euch alle. Kommt gesund zum Gipfel.
    Viele Grüße Bettina

  12. Elke sagt:

    Hallo meine liebe Elke. …wir sind mit den Gedanken voll bei dir/euch..ich sehe dir die Zufriedenheit an..wir hoffen du bist deinen Ziel schon näher gekommen. …lass dich drücken von der Blase und dem haasen l.g.an Müllers geniesst es

  13. Marion und Joachim Göpfert sagt:

    Hallo Jens und übrige Mitstreiter, auch wir verfolgen alles mit Spannung und drücken ganz doll die Daumen für Weiteres gutes Gelingen, tolle Eindrücke und bleibt vor allem gesund. LG Marion + Achim

  14. Hoffmeister, Gunhild sagt:

    Liebe Usi und die anderen, wie schön, dass es heute eine Technik gibt, die es den Zuhausgebliebenen ermöglicht, ein Teil der Erlebnisse fast hautnah mitzuerleben und dadurch das Mitfreuen für euch noch potenziert. Ich wünsch dir weiter Durchhaltevermögen, Kampfkraft und möglichst auch viel Freude mit den Menschen , in der Natur, beim Kampf mit den zukünftigen Gipfeln…du weißt ja , laß die Augen Urlaub machen…ich freu mich schon jetuzt auf deine Erlebnisberichte. 100 Umärmelungen .L.G.Guni Danke für die Grüße von Kerstin Kriebel, die gleichen zurück. Meine Kerstin sehe ich mit meinem Enkel( 15 ) zu Ostern, sie wird sich sehr darüber freun.

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