Kathmandu

Ich bin ein Herdentier. Es ist also nicht so, dass ich froh bin, nun endlich allein zu sein, und machen zu können, was ich will. Es wird ganz oft in den nächsten Tagen passieren, dass ich mich umsonst nach Euch umsehe, oder mit dem Frühstück vergeblich auf Euch warte. Mit anderen Worten, ich werde Euch vermissen.

Die Tage in Kathmandu waren für meine Gäste noch einmal randvoll mit Eindrücken. Dass zu verarbeiten und auszuwerten, dauert Wochen oder sogar Monate. Jedenfalls brauche ich immer ziemlich lange dazu. Da muss ich nur an die Masse der Fotos denken, die gewöhnlich hier in Nepal so entstehen.

Kathmandu ist gewöhnungsbedürftig. Ich kann mich genau an meine erste Ankunft in dieser Stadt erinnern. Das ist inzwischen 19 Jahre her. Und ich war nicht völlig unbeleckt, was Asien anbelangte. Ich kannte mich schon ganz gut in Usbekistan und Tadschikistan aus. Doch Kathmandu übertraf das alles bei weitem: Die Menschenmassen, der Lärm, die Luft, das Elend und der Schmutz. Ich bekam nach zehn Minuten Kopfschmerzen und wollte einfach nur schnell wieder weg.

Inzwischen ist das völlig anders. Ich freue mich auf Kathmandu, weil ich selbst das gelernt habe, was ich meinen Gästen immer versuche, nahezubringen. Hier muss man die Maßstäbe ablegen, die wir unseren Ansprüchen und unseren lieb gewordenen Gewohnheiten zu Grunde legen. Wir müssen mit anderen Augen sehen und versuchen tolerant zu sein. Denn immerhin schaffen die Menschen hier in Nepal immer noch, was uns zu Hause zunehmend abhanden kommt. Sie haben sich eine Gemütsruhe, eine Fröhlichkeit und ein inneres Leuchten bewahrt. Ich habe hier jedenfalls andauernd das Gefühl, dass ich von meinen nepalesischen Freunden eine Menge lernen kann. Und was könnten sie von mir lernen?

Vorgestern von früh bis zum Abend Sightseeing und anschliessend noch Livemusik. Gestern der Affentempel, heute der Königspalast von Kathmandu und jeden Tag Einkaufen, bis der Arzt kommt. Das kann man hier aber auch gut. Gestern Abend unser letztes gemeinsames Dinner, und heute nun heißt es auch schon Abschied nehmen. Aber ich kann mir nicht helfen. Der eine oder andere von Euch wird wiederkommen. Das hab ich inzwischen so im Gefühl.

Nepal Folk and Fusion war der Abend im New Orleans überschrieben. Aber was gab es denn in der anderen Richtung so spannendes zu beobachten?

Also macht´s gut, kommt gut wieder nach Hause. Und vielen Dank für die harmonische Tour! Das hat mir großen Spass gemacht mit Euch. Und vielleicht setzen wir ja den Plan für 2016 tatsächlich in die Tat um?

Swayambhunath oder wegen der vielen Affen auch Affentempel genannt, ist nicht nur eines der schönsten Baudenkmäler Nepals. Es ist auch eine der ältesten buddhistischen Tempelanlagen ganz Asiens. Die älteste Inschrift stammt aus der Zeit Mana Devas, der von 464 bis 491 herrschte. Die ersten Gebäude sollen dort aber schon 500 v. Chr. gebaut worden sein.

Das Ende dieser Tour ist für mich aber nichts anderes als der Anfang der nächsten. Schon morgen werde ich in die Berge nach Namche zurückkehren und dann zu meinem zweiten Sechstausender aufbrechen. Und in weniger als einem Monat treffen die Mitglieder der Baruntse-Expedition ein, und dann geht es eigentlich erst so richtig los. Mit anderen Worten: Es bleibt weiter spannend hier auf olafrieck.de

Sie sind nett anzusehen, aber aufgepasst! Wer hier seine Sieben Sachen nicht fest im Griff hat, dem werden sie geklaut. Und zwar von den Affen. Sie können hier oben sorglos von den Opfergaben der Gläubigen leben, befinden sich aber in ständigem Clinch mit den hier auch sehr zahlreichen Hunden.

 

Der Blick vom Affentempel hinunter auf Kathmandu umfasst nahezu das gesamte Tal. Sehr plastisch ist, dass das Atmen hier oben, also oberhalb der unvermeidlichen Dunstglocke über der Stadt, viel leichter fällt.

4 Antworten

  1. Jutta sagt:

    Ein schöner Abschluss und ich bin sicher, dass für viele Nepal nicht nur mit einem Besuch abgeschlossen ist.

    Für Deine weiteren Ziele viel Erfolg und Gesundheit.

  2. deine Nepal-Gruppe 2013 sagt:

    Hallo und guten Morgen Olaf,

    auch wir vermissen dich jetzt schon. Danke fuer die schoene Tour und alles Gute fuer deine Baruntse-Expedition. Kommt gesund hoch und wieder runter.
    Wir warten z. Zt. in Doha auf unseren Anschlussflieger nach Frankfurt.

    Viele Gruesse von Katrin, Ulrike, Kerstin, Bernd, Urs und Lothar

  3. Jutta sagt:

    Ich wünsche Euch eine schöne Heimkehr – ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich wieder in die tägliche Routine einzufinden. Obwohl ich nur kurz in Nepal war, hat es doch Spuren hinterlassen.

    Ganz liebe Grüße an Euch alle
    Jutta

  4. Veronica sagt:

    Hallo Olaf,
    wegen einer (ungeplanten) Augen-OP am 19.02. habe ich deine ganzen News verpasst …. Erst heute traue ich mich wieder etwas mehr als eine Überschrift zu lesen und habe als erstes alles über die Tour, die ja inzwischen schon zu Ende ist, gelesen! Das hat wieder viel Spaß gemacht! Und wie immer gab es wieder superschöne Fotos zu betrachten!
    Für deine zweiten Sechstausender wünsche ich dir viel Erfolg und schönes Wetter! Ab jetzt werde ich die News wieder zeitnah lesen 🙂
    Herzliche Grüße
    Veronica

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