Ohne Akku

Wir sind am heutigen Sonntag morgen um halb drei in der Hauptstadt Pakistans eingetroffen. Das Gepäck ist auch da, vollzählig und scheinbar unversehrt. Am Flughafen sind wir sehr freundlich von zwei Leuten unserer Agentur mit Blumen empfangen worden. Anschliessend ging es sofort in ein nettes, kleines Hotel. Mir könnte es theorethisch also ganz prima gehen. Doch dem ist nicht so, weil ich heute morgen festgestellt habe, dass mein Gepäck geöffnet und mein großer Bleigelakku herausgenommen wurde. Stattdessen lag dort ein feinsäuberlich verfasstes Protokoll eines deutschen Beamten. Die mit einem Zahlenschloss gesicherte Tasche, in dem der Akku drin gewesen ist, war kurioserweise ebenso wie das Schloss völlig unversehrt.

Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass ich mit so einem Akku durch die Gegend reise, und noch nie hatte ich irgendein Problem damit. Warum dieses Mal? Und warum zum Teufel sagt mir niemand bescheid, dass ich nun ohne das Teil auskommen muss.

Ich weiss schon, dass viele Dinge, mit denen ich unterwegs bin, den Argwohn der Beamten auf den diversen Flughäfen erregen. Deshalb erkundige ich mich immer bevor ich in die Maschine steige, ob mit meinem Gepäck auch alles in Ordnung ist und es mitfliegt. Und man versicherte mir, dass dem so sei. Doch der Akku ist trotzdem weg.

Dieses Schriftstück nützt uns jetzt auch nichts mehr. Aber erklären muss man mir das schon noch. Denn ein Akku darf man normalerweise im Gepäck dabei haben.

Nun sollte man meinen, dass wir sicher noch irgendwie so ein Ding hier in Islamabad auftreiben können. Doch heute ist Sonntag und morgen früh um 5 Uhr wollten wir in die Berge starten. Und genau an dieser Stelle löst ein neues Problem ein altes ab. Doch dazu später.

Nach dem Frühstück am späten Vormittag sind wir dann alle gemeinsam in die Agentur gefahren. Hier haben wir uns bei Cola und Kuchen mit dem polnischen Team bekannt gemacht. Und da gab es ebenfalls eine Überraschung, die eigentlich eine eigene news wert ist.

'Gemütliches Beisammensein mit der polnischen Gruppe in den Räumen unserer Agentur. Man gibt sich hier wirklich große Mühe mit uns allen.

Ich bin hier zum ersten Mal dem polnischen Expeditionsleiter begegnet. Ich hatte immer nur von der polnischen Expedition und dem polnischen Expeditionsleiter gehört. Sein Name war mir bewusst noch nicht untergekommen. Doch dann fiel es Christoph und mir wie Schuppen von den Augen. Derjenige, der da vor uns stand, ist Ryszard Pawlowski, einer der polnischen Superbergsteiger vom Schlag des Jerzy Kukuczka (zweiter Mensch auf allen 8000ern) Und was wirklich dem Fass den Boden ausschlägt: Pawlowski war auf der legendären polnischen Lhotse-Südwand-Expedition, auf der Kukuczka in Gipfelnähe auf tragische Weise durch Seilriss um Leben kam, sein Seilgefährte.

Er war jahrzehntelang mit der polnischen Nationalmannschaft in allen Gebirgen der Welt unterwegs und hat nicht weniger als zehn Achttausender auf dem Konto. Doch das er auf vielen Touren Kukuczkas Seilgefährte gewesen ist, macht mich schon sehr ehrfürchtig.

Ryszard Pawlowski hatte heute auch noch Geburtstag. Er ist 63 geworden und für dieses Alter in einer bestechenden Form. Hier zeigt er uns auf seiner improvisierten Geburtstagsparty, wie eine Mango richtig gegessen wird.

Am Nachmittag sollten nun so wichtige Dinge wie unser Problem mit dem Permitsharing und das sogenannte Briefing mit unserem Verbindungsoffizier angegangen werden. Zur Bezahlung des Permits kann ich es kurz machen. Es gab einen Kompromiss mit unserer Agentur über den wir nicht gerade froh sind und die Agentur ebenso wenig. Doch irgendeine Lösung musste her. Am besten, ich vergesse die Angelegenheit möglichst schnell.

Der Verbindungsoffizier dagegen wird mir wohl noch länger Kopfzerbrechen machen und zwar im Sinne des Wortes. Von offizieller Seite wurde unserer Agentur versichert, dass wir trotz des Sonntages unser amtliches Briefing machen könnten. Doch der Offizier war den ganzen Tag telefonisch nicht erreichbar. Es kam kein Termin zustande. Das bedeutet, wir können erst morgen dieses obligatorische Treffen durchführen. Für Christoph und mich ist das nicht so schlimm, wir haben genug Zeit. Doch meine Begleittrekkinggruppe würde so einen Tag verlieren, und das möchte ich nun auf gar keinen Fall. Sie sollen schon morgen starten, um sich möglichst gut zu akklimatisieren. Wir folgen dann hoffentlich nur einen Tag später und müssen sie dann einholen.

Wenn morgen mit dem Briefing alles klappt, dann melde ich mich das nächste Mal schon aus den Bergen. Doch jetzt wird erstmal geschlafen.

3 Antworten

  1. Veronica sagt:

    Hier sieht man mal wieder: Das Leben ist voller Überraschungen! Hoffentlich klappt das amtliche Briefing bald!
    Alles Gute für euch alle!
    Veronica

  2. Katja sagt:

    Alles Gute für Euch, und Lg an den Papa:-))

  3. ulf sagt:

    na halleluja, hoffe du kannst dich irgendwie von dem ganzen scheiß freimachen und einfach mal bergsteigen 😉

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