Der Berg hat anders entschieden

Wir Menschen leben die meiste Zeit in einer Umgebung, die von uns selbst gemacht und kontrolliert wird. Hier kennen wir uns mehr oder weniger gut aus, beherrschen zu meist die Spielregeln, die wir uns ja selber ausgedacht haben. Aber die wirkliche Welt wurde nicht vom Menschen für den Menschen gemacht. Die meisten von uns haben das vergessen. Berge zum Beispiel reagieren nicht auf uns und unsere Regeln. Unsere Wünsche und Vorstellungen von ihnen haben mit der harten Wirklichkeit dort oben allzu oft überhaupt nichts gemein. Berge von denen wir hören oder lesen, die wir sehen, von denen wir träumen und die wir begehren, sind nicht diejenigen, die wir dann womöglich besteigen. Sie bedeuten unbarmherzigen Kampf gegen die Höhe, den eisigen Wind und die Kälte. Ausgesetztheit und der Abgrund vor unseren Augen machen uns Angst. Das ist die Realität, auf die wir uns einstellen müssen und auf unbeschreibliche Schönheit und großartige Eindrücke.

Crampons Point mit Blick auf Amphu Laptsa Middle

Am Cramponspoint (5900 m) hat man einen phantastischen Blick auf den Amphu Laptsa Middle links neben dem Steinmann, rechts davon die Ama Dablam mit der Ostwand.

Berge verlangen häufig mehr, als wir zu geben bereit und in der Lage sind. Ein über sechstausend Meter hoher Himalajariese ist immer eine schwierige Aufgabe und nicht mal eben im Vorbeigehen zu besteigen. Seit einem Jahrzehnt bin ich mit Gästen hier unterwegs, jedes Jahr hat es mit einer Besteigung geklappt. Bisher sind im Durchschnitt sogar 50 % derer, die es mit mir versucht haben, auf dem Gipfel angekommen. Das liegt weit über dem, was sonst hier so die Regel ist. In diesem Jahr hat es nun nicht geklappt, obwohl meine Gäste alle samt hoch motiviert waren. Aber das reicht eben noch nicht. Glück muss dazu kommen, gute Höhentauglichkeit, eine belastbare Kondition sowie die nötigen Fähigkeiten im Umgang mit Pickel, Jümar und Steigeisen und natürlich eine gehörige Portion Leidensfähigkeit. Ohne die ist das hier nicht zu machen.

News schreiben

Es kann ganz gemütlich sein im Zelt beim News-Schreiben. Auch wenn das Thermometer 13° Frost anzeigt!

Für uns geht es nun abwärts in Richtung Lukla. Ohne Verzögerung werden wir im Sinne des Wortes unsere Zelte abbrechen und in drei langen Etappen ohne Aufenthalt absteigen. Am 27. März fliegen wir nach Kathmandu zurück und treffen dann auf eine hoffentlich gut gelaunte und gesunde Manuela und ihren Mann. Auf dieses Wiedersehen freue ich mich persönlich sehr und bin gespannt was die beiden zu berichten haben.

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