Höhere Aufgaben

Die Khumbu-Region des Himalaya, man kann sie getrost als das Herz des gewaltigsten Gebirges der Erde bezeichnen, gliedert sich in vier große Täler. Im westlichsten Tal fließt der Bhote Khosi. Er erhält sein Wasser vom Lumsumna Gletscher. Das Tal endet am berühmten Nangpa Pass, der einen Übergang auf die tibetische Hochebene darstellt.

Auf dem zweiten Teil unserer Tour müssen wir uns nicht nur vom Rhododendron verabschieden. Hier oben gibt es nur noch Fels und Eis.

Hat man ihn überquert, dann hat man den Himalaya überschritten. Durch dieses Tal sind wir bis zu der Alm Lungden aufgestiegen, um hier einen Akklimatisationsruhetag einzulegen und anschließend unseren ersten großen Pass anzugehen.

Das zweite weiter östlich liegende Tal wird vom Dudh Khosi entwässert. Mehr als die Hälfte des mit fast 30 Kilometer längsten Tales des Khumbu nimmt der Ngozumba-Gletscher ein. Er ist der mächtigste Gletscher der Region. Um vom Bhote Khosi- in das Dudh Khosi-Tal zu gelangen, kann man unten herum über Mong und Machermo laufen oder den knapp 5400 m hohen Renjo-Pass überschreiten. Macht man das in östliche Richtung, gelangt man nach Gokyo.

Auf dem Weg nach Lungden liefen wir zwei Tage auf dem uralten Handelsweg, welcher über den Nangpa La nach Tibet führt. Und wir haben natürlich auch wieder die obligatorische Puja bei meinen Nonnen in Thamo zelebriert.

Das dritte Tal ist das berühmteste des Khumbu. Hier treffen wir auf den gleichnamigen Gletscher, nach welchem die ganze Region benannt wurde. Er wird direkt über die gewaltigen Flanken von Everest, Lhotse und Nupste gespeist. Durch dieses Tal steigt auf, wer zum Everest Basislager und zum Aussichtsberg Kalar Pattar möchte.

Dieses wichtige Tal besuchen wir natürlich auch und deshalb werden wir von Gokyo aus den Ngozumba-Gletscher kreuzen und dann von dem Örtchen Tagnag auf der anderen Talseite über Pass Nummer 2, den Cho La (5370 m), nach Dzongla und dann weiter zum Everest-Fuß laufen.

Einer der ganz besonders schönen Aspekte gerade dieser Reise ist die Begegnung mit den Menschen, die abseits der Hauptrouten leben.

Das vierte, östlichste Tal des Khumbu trägt den Namen des Imja-Gletschers. Dieser Eisstrom wird von den gewaltigen Abstürzen des Lhotse Shar, Shartse und Cho Polu mit Nachschub versorgt. Es ist, ganz nebenbei bemerkt, von den vier Tälern der Region mein persönlicher Favorit. Ein Berggigant neben dem anderen steht regelrecht Spalier für den über soviel Berggroßartigkeit sprachlosen Besucher.

Um ins Imja-Tal zu gelangen, wollen wir den dritten der drei großen Khumbu-Pässe überschreiten. Mit 5535 m ist der Kongma La der höchste dieser drei, die vier Täler miteinander verbindenden Übergänge. Durch das Imja-Tal werden wir, wenn alles nach Plan läuft, wieder zurück in Richtung Namche Basar absteigen. Soweit unser Plan.

Wir haben bisher wirklich großes Glück mit dem Wetter: Auch bei unserer Akklimatisationstour beste Verhältnisse und großartige Bergsichten! Etwas links der Bildmitte ist das kleine Dörfchen Lungden sichtbar.

Nachdem wir unseren siebentägigen, recht sportlichen Anmarsch ins Khumbu hinter uns gebracht haben, sind wir nun zwei Tage lang das Bhote Khosi Tal bis nach Lungden hinauf gewandert. Hier haben wir gestern einen wunderschönen Akklimatisationruhetag eingelegt und sind auf einer entspannten Film- und Fotowanderung bis auf 4800 Meter aufgestiegen.

Heute nun wurde es ernst. Mit dem Renjo stand der erste große Pass auf dem Programm. Um 4.00 Uhr morgens klingelte der Wecker, eine halbe Stunde später stand unser Frühstück auf dem Tisch. Was für ein Luxus! Und punkt halb Sechs sind wir bei Traumwetter losmarschiert.

Bei unseren Rückweg von unserem Ausflug am Rasttag zogen Wolken das Bhote Khosi-Tal hinauf und erzeugten ein paar besondere Fotomotive.

Der Rest ist schnell erzählt. Das Wetter ist immer noch perfekt. Wir hatten also den ultimativen Bergtag. Den ganzen Tag kein Wind, bestes Licht, und ich habe schon wieder das Glück, mit einer bestens motivierten und sehr pflegeleichten Gruppe unterwegs zu sein. Mehr geht also nicht.

Nach exakt neuneinhalb Stunden sind wir in Gokyo eingetroffen, früh genug für ein Sonnenbad. Auch früh genug, um das Abendbrot zu ordern und noch vor dem Dinner mit literweise Tee unseren Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung zu bringen.

Der Blick vom knapp 5400 m hohen Renjo Pass hinunter nach Gokyo am unteren Bildrand etwas links der Mitte. Und darüber thront der höchste Gipfel des Planeten.

Morgen gibt es so eine Art Ruhetag. Die Etappe nach Tagnag dauert nur drei Stunden. Das Örtchen liegt auf gleicher Höhe wie Gokyo. Es geht also weder rauf noch runter. Ruhetag eben!

Übermorgen dann mit dem Cho La gleich der nächste Streich. Und wenn der gelingt und wir Verbindung aufnehmen können, dann melden wir uns schon bald aus dem Everestbasislager.

Sie sehen doch noch ganz fit aus nach 1000 Höhenmeter Aufstieg. Und ich bin guter Dinge, dass dies meine erste Gruppe werden könnte, die vollständig alle drei Pässe schafft. Das wird sie anspornen 🙂

 

5 Antworten

  1. Maria sagt:

    Das sind einfach wunderschöne Fotos – Danke!
    Ich freue mich, dass ihr so ein Glück mit dem Wetter habt & drücke weiterhin alle Daumen, dass es so bleibt.
    Passt auf euch auf & genießt alles! Es ist toll euch so „nah“ sein zu können. Seid ganz lieb gegrüßt, hier klopft ab morgen der Sommer an die Tür mit 25°C., Janina, Jörg & Olaf fühlt euch umarmt, Maria

  2. Veronica sagt:

    Herrliche Bilder – wie immer! Ich drücke die Daumen, dass das Wetter so schön bleibt!

  3. Steffen Sybrandt sagt:

    Ich habe die tollen Bilder und Berichte in Uruguay gefolgt und jetzt wieder in Dänemark. Es sieht wunderschön aus und ich bin sehr gespannt auf die nächste Folge. Viel Glück und besonders Jens und Anne liebe Grüße.

  4. Annett & Michael sagt:

    Wir wünschen Euch weiterhin eine herrliche Tour in dieser atemberaubenden Nachbarschaft! Viele Grüße, besonders an Jörg, von Annett und Michael.

  5. Freyer, Ines sagt:

    Rita & Ines
    Wir freuen uns über die guten Nachrichten und halten Euch die Daumen. Wir wünschen Euch weiterhin einen gnädigen Wettergott, das hat ja bisher traumhaft geklappt. Die Bilder sind beeindruckend und wir hoffen das Olaf irgendwann davon etwas zeigen kann, sozusagen für die Heimgebliebenen!
    An alle Trekkingfreunde inklusive Olaf, haltet durch und genießt es!

Vielleicht gefällt Ihnen auch…