Privilegiert

Vier schöne aber auch anstrengende Tage liegen hinter uns. Aber Anstrengung gehört in diesen Höhen unweigerlich dazu. Doch gestern Abend und heute morgen war es zweifellos ganz besonders anstrengend und gleichzeitig auch besonders schön, denn wir haben mit dem Gokyo Ri unseren ersten richtigen über 5000 m hohen Gipfel bestiegen.

Und ganz besonders freut mich natürlich, dass alle gesund und munter oben ankommen sind.

Die letzten Meter hinauf zum auf 4000 m gelegenem Mong La. Im Hintergrund der Taboche.

Doch der Reihe nach: Von Namche sind wir in einer noch relativ entspannten Etappe in das kleine Örtchen Mong La gelaufen. Ich mag diesen Platz besonders, weil er wie Adlerhorst auf einem Felssporn errichtet wurde. Man hat von dort einen wunderschönen Rundblick. Mit Ama Dablam, Taboche, Thamserku, Kusum Kanguru und Kongde sind gleich fünf 6000er zum Greifen nah wie an einer Perlenkette um den Betrachter aufgereiht.

Am nächsten Tag war es dann allerdings nicht mehr so entspannt. Unser Ziel, Machermo, liegt schon auf 4400 m. 600 Höhenmeter im Abstieg, 1000 im Aufstieg. Und die Strecke ist insgesamt auch ziemlich lang.

Gleich an mehreren beeindruckenden Eisfällen führt die Strecke von Mong La nach Machermo vorbei.

Vor allem für unsere Träger bedeutet diese Etappe eine große Anstrengung. Oft kommen sie deshalb deutlich später als wir in Machermo an. Doch diesmal trafen sie mit uns gemeinsam an unserem Tagesziel ein. Ein sicheres Zeichen, dass wir sie nicht überfordert haben.

V.l.n.r: Uthar Lak, Badhur, Ganesh, Milan, Chauthi, Bedhir. Ohne sie geht hier gar nichts. Ob einen Etappe machbar ist oder eben nicht, dass bestimmen immer sie!

Gestern nun sind wir nach Gokyo (4750 m) aufgestiegen. Diese ehemalige Yak-Alm liegt am dritten von insgesamt fünf Seen, welche sich im Tal des Ngozumba-Gletschers gebildet haben. Und es liegt am Fuß des vielleicht wichtigsten Aussichtsberges hier in der Khumbu-Region. Nun wird vielleicht so mancher nepalerprobte Leser ganz und gar nicht meiner Meinung sein. Aber über subjektive Eindrücke und Geschmack sollte man bekanntlich lieber nicht streiten.

Der Blick beim Aufstieg auf den Gokyo Ri zurück auf den dritten See, die Lodgen von Gokyo und die beiden Sechstausender Taboche und Cholatse.

Vom Gokyo Ri hat der Schauende einen grandiosen 360° Rundblick auf gleich mehrere Dutzend Sechs- und Siebentausender. Und er kann vier Berge sehen, die über 8000 m hoch sind: Den Everest (8848 m, höchster Berg der Erde), den Lhotse (8516 m, vierthöchster Berg der Erde) den Makalu (8485 m, fünfthöchster Berg der Erde) und den Cho Oyu (8201 m, sechsthöchster Berg der Erde).

Mir jedenfalls fällt kein anderer Ort ein, wo der Wanderer mit den Händen in den Taschen hinauf kommt und eine derartige Fülle an grandiosen Berggestalten bestaunen kann. Und bei uns kam dann auch noch ein ganz besonderes Glück hinzu.

Felix macht das Beweisfoto: Anita und Janett waren tatsächlich auf ihrem ersten Fünftausender.

Als wir gestern gegen Mittag hier eintrafen, zeichnete sich ab, dass wir womöglich Abendlicht bekommen würden. Keine Wolke weit und breit. Den Everest und die anderen Weltberge in glutrotem Abendlicht zu sehen, wäre schon ein ganz besonderes Privileg. Und deshalb schickten sich sieben meiner Gäste an, kaum das sie die nicht gerade kurze Etappe von Machermo nach Gokyo hinter sich gebracht hatten, auch gleich noch den Gipfel des Gokyo Ri zu bezwingen.

Und wir hatten das Glück der Tüchtigen. Uns erwartete dort oben tatsächlich das ultimative Abendlicht. Dementsprechend groß war die Freude und natürlich der Stolz darüber, sich zu diesem Aufstieg noch überwunden zu haben.

So ein grandioses Abendlicht auf den höchsten Bergen der Welt hat man nicht alle Tage.

Heute morgen sind dann auch die anderen die 600 Höhenmeter auf den Gipfel gestiegen. Und wieder hatten wir beste Bedingungen und einen spektakulären Ausblick.

Der erste große Höhepunkt unserer Tour liegt nun hinter und so eine Art Ruhetag vor uns. Denn die kurze Etappe morgen führt über den Ngozumba-Gletscher nach Tagnag, welches auf der gleichen Höhe wie Gokyo liegt und nur etwa zwei Gehstunden entfernt ist. Und dieses wird der Ort sein, wo die Gruppe sich übermorgen trennen wird. Einige von uns wollen ja die Herausforderung annehmen, mit dem Nirekha Peak ihren ersten Sechstausender zu versuchen.

Die anderen werden gemeinsam mit Kumar den fast fünfeinhalbtausend Meter hohen Cho La (Pass) überschreiten, um das Everest Basislager zu besuchen und dann weiter in das Imja-Tal zur Lhotse- Südwand zu trekken.

Mein ganz offensichtlich gut gelauntes Team auf dem Weg von Namche nach Mong La.

Dass heißt also, ich kann in den kommenden Tagen nur über die Erlebnisse am Nirekha berichten und das auch nur via Satellit und nicht mehr, wie gerade jetzt noch, über WLAN. Das bedeutet, dass die Bildqualität in den nächsten Beiträgen sehr deutlich abnehmen wird, solange wir am Berg sind.

Unser Wiedersehen werden wir am 11. März in Namche feiern. Dann gibt es an dieser Stelle auch wieder Neuigkeiten über uns alle zu lesen. Doch heute Abend genießen wir noch einmal gemeinsam das wunderbare Privileg, hier gewesen und gesund geblieben zu sein.

2 Antworten

  1. Jens Klawonn sagt:

    …priviligiert scheint auch die Wetterlage zu sein. Lasst bloß noch etwas übrig – vom Sonnenschein! 😉
    Passt auf Euch auf!!

  2. Axel Püschel sagt:

    5000 m das verdient auf jeden Fall immer Respekt. Aber die Aussichten werdet ihr bestimmt ein Leben lang nicht mehr vergessen. Sehr beeindruckend!!
    Viele Grüße aus dem regnerischen und kalten Berlin

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