Wettersack

Es gibt Situationen beim Bergsteigen, die sind absolut frustrierend. Aber nicht etwa, weil es nicht möglich war, sein Ziel zu erreichen. Das ist wohl öfter, als einem lieb sein kann, unausweichlich.

Hochgradig unbefriedigend wird die ganze Sache dann, wenn die Entscheidung zum Abbruch einer Unternehmung eben nicht einhundertprozentig sein konnte. Das Für und Wider hielt sich fast die Waage. Vielleicht gab es einen nur leichten Ausschlag beim Wider. Die noch bestehende Hoffnung musste ignoriert werden. Vernunft und die Angst vor sich selbst als feiger Hasenfuß dazustehen, bekommen abwechselnd Oberwasser. Irgendwann weiss man überhaupt nicht mehr, ob man richtig oder falsch oder doch zumindest voreilig gehandelt hat. Sicher ist nur, dass man sich irgendwann sehr darüber ärgern wird, nicht mehr riskiert zu haben. Ich jedenfalls weiss diesbezüglich genau, wovon ich gerade spreche.

Unser Basislager heute morgen. Der Wind hat den Schnee verblasen, denn wir stehen auf einer kleinen Anhöhe. Es liegen jetzt etwa 30 cm bei gleichbleibend anhaltendem Schneefall.

Aber der Abbruch der Besteigung des Nirekha gehört nicht in die Kategorie der frustrierenden Entscheidungen. Natürlich ist es schade. Und zwar gerade für diese Gruppe, die sich mehr als alle anderen zuvor auf dieses Projekt vorbereitet hat. Doch der Abbruch ist hier und jetzt unausweichlich.

Seit drei Tagen schneit es. Die Bedingungen verschlechtern sich stündlich. Die Wetterprognose ist auf Grund des stark gefallenen Luftdruckes ziemlich miserabel. Und es gibt eben auf einer Tour, wie wir sie gerade machen, nur ein relativ kleines Zeitfenster. Dabei ist unseres mit vier, notfalls fünf Tagen noch relativ lang. Doch wir hätten gestern unbedingt schon Lasten ins Depot hinaufbringen und heute wenigstens teilweise Fixseile in den steilen Passagen der Route anbringen müssen. Beides war bzw. ist wegen Schneefalls, Wind und schlechter Sicht ausgeschlossen. Und selbst wenn sich das Wetter wider Erwarten schon morgen bessern sollte, müssten wir mindestens noch einen Tag vergehen lassen, damit sich der Schnee setzen kann.

Frank war bis vorhin mein Zeltpartner. Und er ist einer von der ganz besonderen Sorte. Selbst in einem vier Quadratmeter großen Zelt merkt man ihn kaum. Extrem rücksichtsvoll und pflegeleicht. Der ideale Nachbar auf der Isomatte!

Also habe ich heute morgen entschieden, dass Frank, Markus und Stephan gemeinsam mit Karma Rita und seinem Sohn Phura nach Dragnak absteigen. Ich selbst werde noch eine Nacht hier oben bleiben, um heute das Lager abzubauen. Morgen kommen mich dann die Träger abholen, wenn es die Verhältnisse gestatten. Die Yaks können zum Beispiel derzeit nicht mehr das Basislager erreichen.

Morgen Abend sind wir dann, wenn alles nach Plan läuft, wieder gemeinsam in Dragnak und werden überlegen, wie wir das Beste aus den uns noch verbleibenden Tagen machen können. Und wie wir uns entschieden haben, erfahren die news-Leser als erste. Ausserdem werde ich ja heute noch mit Kumar telefonieren, um zu erfahren, wie es der Cho La-Gruppe ergangen ist. Es bleibt also spannend!

6 Antworten

  1. Anja E. sagt:

    Liebe Gipfelstürmer, es tut mir so unendlich leid zu lesen, dass ihr euer Vorhaben abbrechen müsst. Aber wie es immer so heißt, das Wetter kann man sich leider nicht aussuchen. Ich wünsche euch von Herzen eine trotzdem weiterhin tolle Zeit, Spaß und Freunde, Land und Leute besser kennenzulernen. Denn allein dieses Abendteuer kann euch keiner mehr nehmen!
    LG Anja

  2. Elke sagt:

    Wie schade!!! Ich weiß, wie sehr Ihr Euch auf diesen
    Aufstieg zum Nireka gefreut habt und wie gut Ihr
    vorbereitet wart. Das Foto und die Wetterprognose zeigt schon, wie unwegsam der weitere Aufstieg geworden wäre; so war es bestimmt die richtige Entscheidung von Herrn
    Dr. Riek, dann abzubrechen.
    Auch dieser Tag wird ein Erlebnis für Euch bleiben.
    Seid nicht traurig, Ihr habt es versucht!!
    An alle Teilnehmer herzliche Grüße! Elke H.

  3. Bärbel & Albert sagt:

    Hallo Imke & Markus,
    schade, dass Ihr Euer gemeinsames Vorhaben wegen des schlechten Wetters nicht umsetzen könnt. Lasst Euch dadurch die gute Laune nicht verderben! Ich denke aber Sicherheit hat oberste Priorität. So gesehen Respekt vor der verantwortungsvollen und mutigen Entscheidung Eures Bergführers! Bei so einer tollen Truppe ist es allein schon ein Erlebnis, dabei sein zu können. Für die noch verbleibenden Tage hoffen wir, dass das Wetter in Euerem Sinne mitspielt und Ihr und Eure Truppe noch weitere schöne Erinnerungen mitnehmen könnt. Es drücken Euch allen die Daumen
    Bärbel & Albert aus Regensburg

  4. Dirk Juling sagt:

    Es ist wirklich sehr schade, aber besser so, als wenn noch irgendwas blödes passiert wäre bei dem Wetter und der Kälte.
    Man soll den Kachelmann eben nicht so ärgern, der hat einen Drat nach oben…
    Aber seid nicht traurig, wie wir den Olaf kennen, hat der bestimmt noch einen Trumpf im Ärmel.
    Berg Heil, der Dirk

  5. Veronica sagt:

    Da stimme ich dem Dirk zu, dass Olaf bestimmt noch einen Trumpf im Ärmel hat! Alle Gute für euch alle!

  6. Thomas Schmidt sagt:

    Ja, beim Wetter kann man nicht viel machen.
    2009 am Renjo La gab es nachts auch viel Neuschnee und wir mussten zurück nach Namche…
    Ich weiß noch genau: ich habe früh morgens einen Schneemann gebaut 😀
    Und wir haben anschließend unser Programm einfach geändert – statt nach Gokyo ging es zum Chuckung Ri und Kala Pathar – mindestesn ebenso schön, wenn man zum ersten Mal dort ist !!
    Also: macht euch nix draus, baut Schneemänner (oder -frauen) und genießt die restliche Zeit…

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