Eiskurs für den Island Peak 2010

Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei diesem Training für unser großes Ziel im nächsten Jahr in Nepal hat wirklich alles gestimmt. Ein tolles Team, beste Bedingungen, gutes und auch schlechtes Wetter zur rechten Zeit und eine schöne Hütte mit hervorragendem Essen ließen diese Trainingstage zu einem sehr eindrucksvollen Event werden.

Vom 2434 m hoch gelegenen Taschachhaus geht es in nur 45 min zum Taschachferner, der immer noch ideale Bedingungen für unser Training bietet. Allerdings ist der Rückgang dieses Gletschers enorm. Man kann ihm regelrecht dabei zu schauen. Er bietet aber sicher auch noch für die nächsten Jahre weiter oben genügend Möglichkeiten, um alle Spielarten im Eis auszuprobieren und zu trainieren.

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Das wichtigste Anliegen für mich bei diesem Training ist der richtige Umgang mit dem Pickel und den Steigeisen. Also haben wir zuerst das Gehen geübt. Vertikalzackentechnik, Frontalzackentechnik, Kopfstützpickel, Schaftzugpickel, Charlie-Chaplin-Gang und vor allem das richtige Bergabgehen sind Grundvoraussetzungen, um den Island Peak sicher rauf und auch wieder herunter zu kommen.

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Erst wenn das ganz profane Gehen richtig klappt, wagen wir uns im zweiten Teil des Trainings in steilere Gefilde. Nun ging es an die Seile. Aufstieg am Fixseil, Abseilen am Einfachseil, Querung am Grat. Alles genauso wie es auch der 6189 m hohe Island Peak von uns abverlangen wird.  Wer das nicht gut beherrscht, wird dort oben wenig Chancen haben und sich akut in Gefahr begeben. Nur leider hat sich das noch nicht so recht herum gesprochen.

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Der dritte Teil des Tages wurde dann ganz spannend. Nun wollten wir es wissen. Wer schafft es, eine nahezu senkrechte Eiswand zu klettern? Dazu baute ich ein toprope an zwei Abalakow-Eissanduhren und dann konnten sich die ganz mutigen mal so richtig auspowern. Dies allerdings, also das Klettern im Steileis, muss man am Island Peak nun auf gar keinen Fall beherrschen. Aber es macht natürlich den meisten Spaß hier an seine Grenzen zu gehen.

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Vor allem ist jetzt gutes Stehen auf den Frontalzacken der Steigeisen gefragt. Und das Setzen der Eisgeräte erfordert Augenmaß und Gefühl. Ja nicht zu doll reinhauen! Das kostet zu viel Kraft, besonders wenn man sie wieder aus dem Eis lösen will. Es stellte sich übrigens heraus, dass alle aufgepasst hatten bei meiner Lehrvorführung und eine sehr gute Figur abgaben bei dieser doch schon ziemlich anspruchsvollen Aufgabe.

Alle waren begeistert von diesem Tag im Eis, hatten viel gelernt und wissen vor allem nun viel besser, was am großen Berg im Himalaya auf sie zukommt.

Am zweiten Tag sollte nun die Kondition getestet werden. Was machen 1000 Höhenmeter mit einem? Dazu stiegen wir vom Taschachhaus auf den 3440 m hohen Hinteren Brunnenkogel. Eine einfache Wanderung, nichts weiter. Aber uns wurde die Sache dann doch nicht ganz so leicht gemacht, denn eine Kaltfront war in der Nacht durchgezogen, und es hatte weiter oben kräftig geschneit.

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Es ist immer wieder beeindruckend, wie grundsätzlich sich die Bedingungen in den Bergen ändern können. Gestern noch Hochsommer, heute tiefster Winter mit Neuschnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ich fand das gut, denn solche Erfahrungen können nur positiv sein. Auf dem Gipfel angekommen, fuhren wir 2000 m mit der Gondel wieder runter und kehrten auf dem Fuldaer Höhenweg wieder in unsere Hütte zurück. So hatten wir nicht 1000 sondern fast 2000 Höhenmeter an diesem Tag im Aufstieg gemacht, und ich war beeindruckt von der Fitness und dem Willen meiner neuen Gäste.

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Bleibt also im kommenden Jahr wieder nur die eine große Unbekannte. Was wird die Höhe aus unserem Enthusiasmus machen? Wie werden wir mit ihren Auswirkungen umgehen? Wird sie unseren Auftrieb stoppen? Man kann sich noch so gut vorbereiten, diesem Problem können wir nur mit Leidenschaft und Leidensfähigkeit begegnen und natürlich mit einem soliden Ausdauertraining. Aber das hat natürlich auch eine Menge mit diesen beiden Eigenschaften zu tun. Viel Erfolg dabei!

Ehe ich es vergesse. Dieses Training kann man selbstverständlich jederzeit mit mir absolvieren. Auch wenn das Ziel nicht der Island Peak in Nepal ist.

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