Leider nicht geschafft

Da hat das ganze Training im Steinbruch und in den Alpen nichts genutzt. Höhe, Kälte, eisiger Wind und tagsüber unerträgliche Hitze im Zelt, sozusagen der Normalzustand an einem Himalayariesen, können einem so sehr zusetzen, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Bei Thomas war das leider von Anfang an so. Die harten Bedingungen haben ihn dermaßen außer Gefecht gesetzt, dass er am heutigen Gipfelversuch nicht teilgenommen hat.

Doris dagegen stand heute morgen um 4.00 Uhr zum Abmarsch bereit, doch sie kam von Beginn an zu langsam voran. Nach etwa 350 Höhenmetern war absehbar, dass wir es bei dem Tempo nicht bis zum mit 6189 Metern höchsten Punkt schaffen konnten. Deshalb entschloss sie sich nach vierstündigem Aufstieg ohne mein Eingreifen zur Umkehr. Wie schwer es fällt, eine solche Entscheidung zu treffen und sich eingestehen zu müssen, an diesem Tag nicht stark genug für den Berg zu sein, weiß ich nur zu gut. Und doch sind es die mutigsten und vernünftigsten Entschlüsse, die an einem Berg getroffen werden können.

Basecamp Island Peak

Unser Basislager am Island Peak bietet nach allen Seiten einen großartigen Blick.
Hier der in westliche Richtung mit Cholatse und Taboche sowie der Gipfelaufbau der Ama Dablam.

Ein Misserfolg ist das Nichterreichen eines Gipfels, von dem man über ein Jahr lang geträumt hat, allemal. Sich ihn schön reden zu wollen, bringt einen nicht weiter. Ein zählbarer Erfolg blieb meinen Februar-Gästen diesmal versagt. Doch die Erfahrungen, die sie hier gemacht haben und die Einblicke in das harte Geschäft des Höhenbergsteigens, die hätten kaum größer sein können. Vielleicht tröstet diese Tatsache ein bisschen.

Morgen geht es nun wieder hinab und zwar gleich 800 Höhenmeter bis hinunter nach Dingboche. Alle Strapazen und körperlichen Einschränkungen werden fast augenblicklich vergessen sein. 800 m Abstieg wirken wahre Wunder. Und dann gibt es ja auch noch das Wiedersehen mit Susanne und Stephanie, die mit Kumar am Kalar Pattar und im Basislager des Mount Everest waren. Ich bin jetzt schon auf deren Erlebnisse gespannt.

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