20 Jahre Himalaya-Trekking Teil 2

Wie stressig waren die ersten Jahre für mich! Ich konnte meine Maßstäbe nur schwer ablegen und als derjenige, der die Verantwortung trug, einfach nicht akzeptieren, dass mein Bedürfniss nach Einflussnahme in Nepal oftmals verlorene Liebesmüh sein musste. Ich tat mich schwer, zu unterscheiden, wo es Sinn hatte und wo stoische Gleichgültigkeit und die Fähigkeit, sich in Geduld zu üben, das einzig Vernünftige war. Geduld und Gelassenheit waren damals meine Stärke nicht.

Übrigens lege ich das Abstreifen der heimischen Maßstäbe meinen Gästen grundsätzlich wärmstens ans Herz. Ich weiß aber auch, wie schwer das manchmal ist. Ich muss mich immer noch selber sehr dazu zwingen. Aber es wird besser.

Ich habe mich selten mehr gefreut über eine Geste meiner Gäste als über diese Karte von Wolfgang. Einmal bekam ich von einem Gast sogar eine Medaille zur 25. Besteigung des 6189 m hohen Island Peaks!

Ich hatte ein Problem damit, wenn manche meiner Gäste nicht, so wie ich auch noch nach 25 Jahren, voller Begeisterung von den Superbergen schwärmen und jede Minute die Veränderungen ihres Anblickes durch Wolken, Licht und Schatten kommentieren, sondern stattdessen am Ofen sitzen und keinen Schritt mehr nach draußen tun und mochte das Abendlicht auch noch so großartig sein.

Aber diesbezüglich bin ich tatsächlich schon viel ruhiger geworden. Doch es bleibt ein Lernfeld für mich, demgegenüber völlig emotionslos zu sein!

Sie sind das Rückgrat jeder Tour, ob nun Trekking oder Expedition. Und dieses Mal war ich besonders begeistert und voller Hochachtung für die Leistung unserer Träger.

Ich verinnerlichte, die Natur als diejenige Instanz zu achten, die hier den Ton angibt. Sie lehrte mich, zu erkennen, wann es Sinn hat, den Kampf aufzunehmen und wann genau das lediglich dumm und obendrein gefährlich ist. Und die Sherpas sind in dieser Hinsicht auch sehr gute Lehrmeister.

Ich lernte, und das dauerte einige Jahre, die Touren so zu konzipieren, dass es die Regel ist, keinen einzigen Höhenkranken in meinen Gruppen zu haben. Auch dieses Mal ist das wieder so. Sicher gab es Ausnahmen in den vielen Jahren. Aber die kann man an einer Hand abzählen, und sie hatten mehrheitlich damit zu tun, dass eine verminderte Höhentauglichkeit vorgelegen hat.

Diesen Tag bzw. Abend wird keiner von uns so schnell vergessen. Auf dem Foto steigen Daniela, Sabine und Karin dem Kalar Patthar aufs Haupt. Im Hintergrund präsentiert sich die gewaltige Kulisse von Everest und dem sogar noch beeindruckenderen Nuptse schon im besten Abendlicht!

Vor allem habe ich gelernt, und das gehört zu den wichtigsten Dingen, wie privilegiert wir sind. Wir können uns in einen Flieger setzen, auf die andere Seite unseres Globus jetten und uns die höchsten und schönsten Berge der Welt anschauen, fremde Kulturen bestaunen, andere Denk- und Lebensweisen studieren.

Unsere Großeltern konnten das nicht und unsere Enkel werden das auch nicht mehr können. Und den allermeisten anderen Menschen, die mit uns auf dieser Erde leben, bleibt das ebenfalls verwehrt, weil sie arm sind. Genau diese trifft man hier auch jeden Tag. Manchmal erschüttert mich ihr Anblick bis ins Mark!

Wie um alles in der Welt kann man diese Tortur nur Tag für Tag aushalten? 90 Kilogramm und noch mehr trägt ein professioneller nepalesischer Lastenträger im Durchschnitt!!!

Eigentlich sollte oder besser müsste uns das Anlass sein, nicht nur zu den reichsten sondern auch zu den glücklichsten und zufriedensten Menschen zu gehören. Dankbar zu sein über diese ungeheuren Möglichkeiten, demütig gegenüber den von uns bestaunten Werken der Natur. Doch wer kann das schon von sich behaupten? Ich jedenfalls nicht. Diesbezüglich bin ich also noch lange nicht am Ende mit dem Lernen.

Yaks auf dem Rückweg vom Basislager des Everest nach Namche Basar, wo die nächsten Lasten aufgenommen werden. Noch bis etwa Mitte April wird es dauern, bis das größte Basislager der Welt eingerichtet sein wird.

Und natürlich habe ich viel von meinen Gästen gelernt. Oft haben sie mir den Spiegel vorgehalten. Sie haben mir geholfen, mich besser zu erkennen, eigene starre Denkweisen zu überwinden und eine andere Perspektive auf die Dinge des Lebens zu bekommen. Auch auf dieser Reise war das wieder so.

Und es kam nicht selten vor, dass mir auf meinen Touren Gäste begegnet sind, die ich mir zum Vorbild nahm. Die so waren, wie ich sein wollte. Einige von ihnen darf ich heute sogar zu meinen besten Freunden zählen. Das gehört sicher zu den allerwichtigsten und schönsten Posten in der Bilanz dieser vergangenen 20 Jahre.

Ein solches obligatorisches Gruppenbild mit unseren großartigen Portern auf dieser Treppe in Lukla beendet seit vielen Jahren jede meiner Trekkingtouren in der Everest-Region des Himalaya.

Diese Berge, durch welche wir gerade 21 Tage lang gewandert sind und die Menschen, welche zwischen ihnen leben, sind also ganz offensichtlich ein gutes Lernumfeld für uns Menschenzwerge. Für mich jedenfalls gilt das uneingeschränkt, und das ist sicher ein Grund, warum ich auch in Zukunft weiter genau hierher kommen werde.

Ein anderer ist, dass ich einfach Lust darauf habe, mit netten Menschen die großartigste Gebirgslandschaft der Erde zu erkunden. Und zwar mit Leuten, die sich mir anvertraut haben. Das macht einfach Spaß, so wie das auch dieses Mal großen Spaß gemacht hat. Vielen Dank Euch allen für die wunderbare Zeit!!

Und wenn Sie jetzt vielleicht Lust bekommen haben, sich auch mal mit mir in dieses Lern-Abenteuer zu begeben, dann würde mich das freuen.

Mehr Infos dazu finden Sie hier!

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