Gipfelglück und Basecampblick

Das ging schnell. Und einfach. Fünf von uns hatten keine Schwierigkeiten, sich für das Untenherumgehen zu entscheiden. Sieben wollten gerne über den 5420 m hohen Cho La Pass. Also haben wir uns geteilt.

Aufstieg zum Cho La Pass. Rechts oben im Bild ist die Passhöhe zu sehen. Kein Pappenstiel, dieser Tag!

Meine drei stärksten und erfahrendsten Träger begleiteten die Untenherumgeher, Kumar, ich und die verbleibenden fünf Träger die Passgänger.

Gegen 7.00 Uhr brachen die Passgänger in Dragnak auf. Insgesamt waren knapp 800 Höhenmeter im Auf- und etwa 650 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen.

Die Passgänger sind auf der Höhe und am Ziel ihrer Wünsche. Jedenfalls für diesen Tag.

Der Cho La ist technisch einfach, aber konditionell sollte er lieber nicht unterschätzt werden. Sechs bis acht Stunden muss man für die Überschreitung einplanen, die Pausen mit eingerechnet.

Die Geschichte unserer Passüberquerung ist rasch erzählt. Das Wetter ließ keine Wünsche offen. Perfekt den gesamten Tag. Und während ich das hier schreibe, haben wir seit zehn Tagen ununterbrochen makelloses Wetter von Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang. Jeden Tag zauberhaft schönes Morgen- und Abendlicht! Besser geht´s nun wirklich nicht mehr.

Fütterung der offensichtlich sehr zutraulichen und hungrigen Himalayan Cocks.

Die sieben Passgänger liefen wie ein Uhrwerk. Und auch die Bedingungen hätten über den gesamten Weg kaum besser sein können. Nach knapp sieben Stunden erreichten wir die Alm Dzongla, direkt am Fuße des Cholatse, der mit seiner gewaltigen Nordostwand über dem winzigen Örtchen thront.

Abstieg über den Cho-La-Gletscher nach Dzongla.

Am Freitag (6.3.) feierten wir den Tag der Wiedervereinigung in Lobuche. Doch bis es soweit war, haben wir Passgänger noch einen kleinen bergsteigerischen Ausflug auf einen 5200 m hohen Aussichtsberg oberhalb von Lobuche unternommen. Sozusagen als Überbrückung bis zum Eintreffen unserer Untenherumgeher.

Die absolut spektakulär gelegene Alm Dzongla mit dem 6440 m hohen Cholatse.

Als dann am frühen Nachmittag unsere fünf Mitstreiter aus Dingboche kommend eintrafen, hub ein ausgiebiges Händeschütteln und Umarmen an. Zu meiner großen Freude waren alle fünf bester Laune und sehr begeistert von dem schönen Weg der vergangenen drei Tage.

Auf dem Weg von Dzongla nach Lobuche. Im Hintergrund die Nordwand der unvergleichlichen Ama Dablam.

Und auch ich bin ja der Meinung, dass gerade der Abschnitt von Phortse nach Pangboche zu den eindrucksvollsten Wegabschnitten im gesamten Khumbu gehört.

Mit anderen Worten: Man kann getrost auf die Passüberquerung verzichten und wird trotzdem mindestens ebenso tolle Erlebnisse und Ausblicke haben wie die Passgänger.

Wiedervereinigung in Lobuche.

Am Sonnabend (7.3.) haben wir nun die definitiv letzte Etappe in Angriff genommen, an deren Ende eine neue Schlafhöhe stand. Gorak Shep mit seinen 5200 m ist der höchstgelegene Ort, an dem wir übernachtet haben. Anschließend ging es nur noch bergab mit den Schlafhöhen.

 Die Alm Lobuche mit Taboche  (6501 m) und Cholatse (6440 m) im Hintergrund.

Gorak Shep ist definitiv der Höhepunkt unserer Tour. Und zwar nicht nur hinsichtlich der Schlafhöhe. Von dieser Alm wird eine Graterhöhung am Fuß des Pumo Ri bestiegen. Dieser Aussichtspunkt liegt auf 5650 m, also 100 m höher als der Gipfel des Kalar Patthar.

Nirgendwo in Nepal kommt man als Trekkingtourist dem Mount Everest näher als hier. Vielleicht noch  im Basislager, aber von dort sieht man den Gipfel des höchsten Berges der Welt nicht.

Aufstieg zum Höhepunkt der Tour. Unten die Alm Gorak Shep.

Noch vor 12 Uhr trafen wir in Gorak Shep ein, dann gab es Mittagessen und anschließend wurde geruht, denn noch am gleichen Nachmittag stand der Aufstieg zum aussichtstechnischen Höhepunkt unserer Tour durch die vier Khumbutäler auf dem Programm.

Meine Gruppe besteigt den ultimativen Aussichtspunkt und der gewaltige Pumo Ri (7161 m) schaut zu.

Dass wir diesen Aufstieg am Nachmittag unternehmen, hat einen Grund. Wir wollen das Abendlicht genießen, welches den Everest und seine unmittelbaren Trabanten in einem grandiosen, glutroten Licht erstrahlen lässt.

Aber dafür braucht man natürlich das entsprechende Wetter. Und das haben wir nun schon seit zehn Tagen. Es gab keinen Grund anzunehmen, dass uns dieses unverschämte Wetterglück gerade an diesem Abend verlassen würde.

Große Umarmungssession auf dem Gipfel.

Und das Traumwetter blieb uns tatsächlich treu. Es wurde für uns ein unvergessliches Erlebnis, den höchsten Berg der Welt im perfekten Abendlicht erstrahlen zu sehen. Kein Wölkchen trübte den Ausblick, und so manche Augen wurden feucht vor Rührung über soviel Erhabenheit und Größe.

Das Glück der Tüchtigen! Traumlicht und beste Bedingungen zum Schauen und Staunen. Es war regelrecht warm dort oben in 5650 m Höhe und nicht das kleinste Lüftchen regte sich. Große Freude und große Emotionen!

Gleich am Tag darauf (Sonntag, 8.3.) stand das nächste Highlight auf dem Programm, die Wanderung zum Basislager des Mount Everest. Von Gorak Shep ist man zwei bis drei Stunden unterwegs. Zuerst geht es auf und ab über Geröll, später entlang der Seitenmoräne des Khumbu-Gletschers und zum Schluss auf dem geröllbedeckten Eis des Gletschers.

Das ultimative Licht auf Everest, Lhotse und Nuptse.

Obwohl es noch sehr früh im Jahr ist, wird im Basislager schon kräftig gearbeitet. Die Claims der einzelnen Agenturen sind abgesteckt, die ersten Plattformen für die großen Gemeinschafteszelte werden planiert. Auch der Materialtransport in großem Stil mit Trägern und Yaks ist schon in vollem Gange, obwohl die Saison erst in etwa anderthalb Monaten beginnt.

Meine Gruppe am Basecamp-Beweis-Stein. Schließlich will man ja vorzeigen, dass man auch wirklich dagewesen ist an dem heiligsten Ort des Alpinismus.

Für uns hat nun endgültig der Abstieg begonnen. Zumindest was die Schlafhöhen anbelangt, denn wir wollen ja noch das Tal des Imja-Gletschers besuchen. Das ist dann unser Tal Nummer 4 und mein persönliches Lieblingstal hier in der Everest-Region. Und es ist der Ort, an dem ich inzwischen an die zwei Jahre meines Lebens verbracht habe.

Der obere Teil des Khumbugletschers ist etwas Besonderes. Makelloses Eis zum Anfassen auch für uns. Ich wüsste auf die Schnelle gar keinen Ort wo man sowas noch sehen und erleben könnte.

Im Imja-Tal wollen wir unseren letzten und damit vierten 5000er besteigen, den 5545 m hohen Chukhung Ri, von dem aus wir die Wand der Wände hier im Khumbu am besten bewundern können. Heute werden wir zu seinem Gipfel aufbrechen. Dazu mehr im nächsten Blog. 

Ob uns das Wetterglück weiter so gewogen bleibt?

Hier kann man einen der attraktivsten Gletscher, den ich kenne, mal ganz hautnah erleben. Und einige meiner Gäste wollten sich dieses besondere Erlebnis nicht entgehen lassen.

 

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